Filmkritik

“Rio 2: Dschungelfieber” von Carlos Saldanha

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Pop-Pop Eduardo heißt seine Tochter und Enkelkinder im Amazonas Urwald willkommen

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Rio war nicht der erste Hit, dennoch ist die Hauptfigur des Films, der seltene Spix-Ara Blu, nach der Animationsproduktionsstätte Blue Sky Studios benannt. Der größte Erfolg des 1987 gegründeten Studios ist die Ice Age-Reihe. Noch immer klettert das kleine prähistorische Säbelzahneichhörnchen Scrat vor jedem Film auf dem Logo der Blue Sky Studios herum. Mit der Fortsetzung zu Rio, dem warmen Gegenstück zu den kalten Ice Age-Filmen, startet Blue Sky nun sein zweites Franchise. Unter der Regie von Carlos Saldanha (und nach einem Drehbuch des im November 2012 verstorbenen Don Rhymer) entfliegen Blu, seine angetraute Vogeldame Jewel, ihre drei Kinder Carla, Bia und Tiago und die gesamte Freundesbande des ersten Teils dem Großstadtdschungel Rio de Janeiros und finden eine Heimat im wirklichen Dschungel des Regenwaldes im Amazonas. Dort entdecken sie eine totgeglaubte Kolonie der Spix-Aras, mitsamt Jewels strengen Vater, ihrer irren Tante und der gutaussehenden Jugendliebe Roberto, der Blu den Rang abfliegen will.

Das ist dann das übliche Geplänkel. Blu wird aus der Großstadtzivilisation herausgerissen, muss fortan auf Fernsehen verzichten, sticht etwas aus der breiten Massen seiner Spezies heraus, wo er doch mit Gürteltasche und Allzweckmesser bewaffnet dem Urwald trotzen möchte, statt sich auf seine Urinstinkte zu verlassen. Das mag der wiedergefundene Daddy seiner Jewel natürlich überhaupt nicht. Er hält Roberto für die bessere Wahl für seine Tochter, traut Blu ebenso wenig über den Weg wie er das Zusammenleben mit Menschen nicht gutheißen kann. Die Enkelkinder dürfen ihn Pop-Pop nennen, Blu hat gefälligst Sir zu sagen. Fast schon erinnert die Kombo des schusseligen Blu und des Patriarchen der Spix-Ara Sippe an die Rivalitäten zwischen Ben Stiller und Robert De Niro in dem ebenfalls sehr familiär ablaufenden Meine Braut, ihr Vater und ich (der zwei Fortsetzungen um die immer größer werdende Familie nach sich zog).

Blu ist ein Stadtvogel durch und durch

Blu ist ein Stadtvogel durch und durch

Darüber hinaus gibt es für die Zielgruppe der Kinder noch eine wertvolle moralische Geschichte obendrauf. Neben einem Lolli lutschenden Geschäftsmann, der den Urwald roden will, heißt es den iPod und die technischen Spielereien mal hinter sich zu lassen, auch der Verzicht auf Pancakes für gesundes Essen steht für Blus Familie in diesem zweiten Abenteuer auf dem Lehrplan. Es ist nicht nur eine Rückbesinnung zur Natur, sondern auch der Schutz eben dieser.

Wem das aus Erwachsenensicht zu platt ist, der kann sich an dem Gespann von tierischen Bösewichten erfreuen. Nigel, der zerfledderte Kakadu des ersten Teils, bekommt durch einen langzungigen Ameisenbär Verstärkung, der stumm und mit Hütchen auf dem Kopf ein tierisches Abbild Charlie Chaplins darstellen könnte, sowie durch ein giftiges kleines Fröschlein, die liebestrunken von Nigel ihre Gesangskünste als Opernsängerin zur Schau stellen darf. Es ist eine recht illustre Performance-Gruppe. Wenn Nigel aus Hamlet zitiert oder Romeo & Julias Schicksal die Liebe von Kakadu und Frosch zu besiegeln scheint, nimmt der Film Shakespearsche Ausmaße an, die ein Kind wohl kaum, aber wohl dessen Eltern, durchaus erheitern dürften.

Kakadu Nigel und die ihn anhimmelnde Giftfroschdame Gabi

Kakadu Nigel und die ihn anhimmelnde Giftfroschdame Gabi

Wenn Rio bereits im ersten Teil durch grandiose und vor allem bunte Kulissen zu bestechen wusste, so steht auch die Fortsetzung diesem in nichts nach. Zu Beginn noch einmal ein kurzer Abstecher nach Rio, wo vom Cristo Redentor Monument das Neujahrsfeuerwerk beobachtet wird bis hin zu den traumhaft schönen Landschaftsbildern des Amazonas, mit seinen vielzähligen Tieren und noch farbenfroheren Pflanzen.

Bunt ist Trumpf bei Rio. Es gleicht einem angenehm visuellen Zuckerschock. Auf der Tonebene gesellen sich reichliche Gesangseinlagen hinzu. Ob nun ein kleiner Giftfrosch große Operntöne von sich gibt, oder die Gang um den Graukardinal Pedro und seinen gelben Kanarienvogelfreund Nico, die sich immer wieder Hip Hop Einlagen erlauben, natürlich aber auch die bezeichnenden Samba-Klänge, die das Ambiente Rio de Janeiros umtänzeln. Am Ende macht Rio 2: Dschungelfieber fast mehr Spaß als der erste Teil. Man hat altbekannte Zutaten so bunt und musikalisch, so charmant und frech verpackt, dass daraus ein angenehm erheiterndes Dschungelabenteuer geworden ist.


Rio_Plakat”Rio 2: Dschungelfieber”

Originaltitel: Rio 2
Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2014
Länge: ca. 102 Minuten
Regie: Carlos Saldanha
Deutsche Synchronstimmen: David Kross (Blu), Johanna Klum (Jewel), Kaya Möller (Linda), Christian Brückner (Nigel), Itchyban (Nico), Leonhard Mahlich (Roberto), Roberto Blanco (Rafael), Mr. Reedoo (Pedro), Alexander Doering (Tulio), Annett Louisan (Gabi), Walter von Hauff (Eduardo)

Kinostart: 3. April 2014
Im Netz: rio2-derfilm.de

Bilder © Twentieth Century Fox of Germany GmbH


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