Filmkritik

REVIEW | Willkommen im Hotel Mama

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Allgemein ist man sich darüber einig, dass es ein wenig uncool ist, allzu lange zu Hause zu wohnen. Selbständigkeit geht zumeist auch mit dem Verlassen des heimischen Nests einher, wie die Vögel müssen wir flügge werden um wirklich auf eigenen Beinen stehen zu können. Manchmal werden uns dann aber der Boden unter den Füßen weggezogen und schwupps, landen wir wieder auf der Nase. Dann bietet dieses Nest den Hort der Sicherheit, in den man jederzeit zurückkehren kann. Nur selten spielen wir also das „Spiel des Lebens“ ohne Netz und doppelten Boden. So lange es Hotel Mama gibt, sind wir irgendwie auch in Sicherheit.

So ergeht es denn auch Stéphanie in Regisseur Eric Lavaines „Willkommen im Hotel Mama“, einer französischen Familienkomödie mit Alexandra Lamy und Josiane Balasko als Tochter/Mutter-Gespann, die wieder zueinander finden, nachdem Töchterlein ihren Job und ihre Wohnung verliert. Doch so sehr sich Mutter Jacqueline über die Tochter im Haus freut, darf sich auch nichts von ihrer Liebschaft zu einem alten Professor in der Nachbarschaft erfahren. So wird das Miteinander von Mutter und Tochter zugleich auch zur komplizierten Geheimniskrämerei.

Willkommen im Hotel Mama

„Willkommen im Hotel Mama“ ist ein wenig Kommentar auf die gesellschaftlich korrekten Vorstellungen (und wer mit Filmen vertraut ist, weiß, dass diese oftmals als gänzlich absurd vorgeführt werden) und ein bisschen familiäre hin-und-her Comedy, bei der Dialog-Schlagabtäusche auf Generationsunterschiede treffen. Während Mama nicht mehr arbeiten muss und ihre Tochter nur zu gerne in die Welt der Fernseh-Soaps einführen möchte, ist das Töchterlein verzweifelt auf der Suche nach einem Job und plagt sich mit dem Erklären von neumodischer Technologien wie der eMail mit ihrer Mutter herum. Ja, das können wahrlich zwei gänzlich unterschiedliche Welten sein, in denen Mütter und Töchter, Väter und Söhne, verschiedene Generationen leben.

Das ist alles okay, wird aber erst wirklich gut, wenn Stéphanies Geschwister, ihre beste Freundin und der Liebhaber der Mutter auch noch ins Bild gerückt werden. Je mehr Menschen in dieser Komödie miteinander agieren, desto besser wird der Witz, desto schneller werden die Absurditäten abgefeuert. Dann erst nimmt der Film so richtig die Fahrt auf.

Es ist Schade, dass diese wertvolle Karte erst so spät ausgespielt wird. Der Film switched immer wieder in seinen Themen umher. Mal steht Stéphanies Arbeitslosigkeit im Mittelpunkt, im nächsten Moment die Frage, wohin ihre Mutter immer wieder verschwindet und ob sie eventuell an Demenz leidet. Dann wieder steht das Miteinander der Geschwister im Vordergrund oder die Freundschaft von Stéphanie und ihrer besten Freundin. Hier werden reichlich Ideen verbraten, mit denen mehrere Filme gefüllt hätten werden können. Dadurch findet „Willkommen im Hotel Mama“ nie wirklich heraus, was er eigentlich erzählen möchte. Ebenso wie „Hotel Mama“ hätte der Film auch einfach „Modernes Leben in Frankreich“ benannt werden können.

Aber der Film bleibt dennoch charmant, profitiert vor allem aus dem liebevollen Spiel zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen Lamy und Balasko. Und am Ende ist es dann ein schön gelungener Feel Good Movie.

Daumen hoch.

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