Kinokritik

“Why Him?” mit Bryan Cranston zeigt, wie man Humor begräbt

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Why? Why him? Warum nur er? Bryan Cranston spielt in wunderbaren Rollen wie Trumbo oder Der lange Weg, war Walter White in Breaking Bad, ist Vince in Sneaky Pete und gibt sich doch für Rollen wie in John Hamburgs (…und dann kam Polly) Why Him? her. Vermeintlich hat Cranston leider einen äußerst schlechten Humor, wenn er sich hier neben James Franco, Zoey Deutch, Megan Mullally und Keegan-Michael Key zum Affen machen lässt.

Es ist kaum verwunderlich, dass sich Ben Stiller unter den produzierenden Kräften dieser Komödie wiederfindet, die doch schon sehr arg an seine Meet the Fockers / Meine Braut, ihr Vater und ich-Filme erinnert. Damit dürfte Stiller seine Gelüste nach einem weiteren Gerangel mit Robert De Niro hoffentlich ausgelebt haben.

Familienoberhaupt Ned Fleming (Cranston) ist ziemlich geschockt, als seine Tochter Stephanie (Deutch) die Familie zu Weihnachten zu sich und ihrem Freund Laird (Franco) nach Kalifornien einlädt. Laird entpuppt sich als Silicon Valley Start-Up Millionär, der ein höchst exzentrisches Auftreten an den Tag legt und scheinbar nicht ohne Fluchwörter auskommt. Ned macht es sich zur Aufgabe, die Beziehung seiner Tochter zu diesem komischen Kauz zunichte zu machen.

Why Him?

James Franco und Zoey Deutch empfangen in “Why Him?” Bryan Cranston, Megan Mullally und Griffin Gluck

Ebenso wie für Cranston könnte man argumentieren, dass James Franco hier gänzlich fehl am Platz ist. Mal ist er der fluchende Exzentriker, am Ende wird er weichgespült, weil die amerikanische Komödie unbedingt auf ein versöhnliches Happy End zusteuern muss, was in diesem Fall der falsche Weg ist. Auch wenn die Komödie von vornherein den falschen Ansatz liefert.

James Franco gehört in Filme wie Palo Alto, wie 127 Hours oder True Story – Spiel um Macht. Zoey Deutch (wenn auch einer der Lichtblicke dieses Films) versucht krampfhaft ihre Karriere in Schwung zu bringen, zeigt sich aber lediglich in Filmen wie Beautiful Creatures, Vampire Academy oder Dirty Grandpa. Sowohl diese beiden als auch Cranston sollten die Finger von unterdurchschnittlich dämlichen Komödien lassen, weil sie schauspielerisch einfach mehr auf dem Kasten haben.

Bei der Love Story zwischen Franco und Deutch unternimmt Why Him? zwar einen Versuch, die Liebe von Stephanie und Laird zu erklären, aber ebenso wenig wie der Papa wird dem Zuschauer wirklich verständlich gemacht, was die nette Studentin mit diesem Idioten anzufangen weiß. Da springt nie irgendein Funke über, wodurch wir immer – jedes Mal – mit Cranstons Vaterfigur sympathisieren. Das macht dann wiederum die Konkurrenzsituation zwischen Vater und Lover kaputt, da wir als Zuschauer eine klare gute und böse Seite empfinden.

Why Him?

Warum genau steht Stephanie (Zoey Deutch) nur auf Laird (James Franco)? Man fragt sich wirklich “Why Him?”

Einzig die Vater/Tochter-Story und -Momente funktionieren, da sich Bryan Cranston und Zoey Deutch hier aus der Komödie hinausspielen und uns eine wirkliche Liebesgeschichte von Eltern zu ihren Kindern bieten. Wo nur ist das Drehbuch, das diese Geschichte erzählt?

Am Ende gibt es in Why Him? nicht einen einzigen Witz, der nichts mit Penissen, mit Ärschen oder Brüsten zu tun hätte. Es ist vielleicht sogar ein wenig vermessen, hier von “Witz” zu sprechen, da es John Hamburg gelungen ist, eine wirklich gänzlich unlustige Komödie zu erschaffen. Alles erscheint schlicht unfassbar albern und belanglos, als schaue man kleinen Kindern dabei zu, wie sie sich über ihr erstes, gelerntes Schimpfwort amüsieren – und selbst das ist vermutlich noch lustiger als Why Him?.

Selbst Ben Stillers Duelle mit Robert De Niro waren mehr Spaß als dieser Film. Vielleicht war das aber auch Stillers Anliegen. Uns noch einmal vor Augen zu führen, dass er zu seinen guten Zeiten dazu in der Lage war, Komödien mit Lachern und Herz abzuliefern, während wir heutzutage oftmals in Peinlichkeiten und Obszönitäten versinken.

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