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Upfuck nach Upfuck in WHITE GIRL von Elizabeth Wood

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Mit White Girl bekommen wir eine Version des deutschen Sebastian Schipper-Films Victoria zu sehen, in dem das Girl nicht ganz so intelligent agiert, wie Laia Costa als besagte Victoria. Und schon da musste man an mehreren Stellen die Hand vor die Stirn schlagen.

Bei Regisseurin und Drehbuchautorin Elizabeth Wood verhält sich Leah, das Mädel im Fokus der Geschichte, noch etwas unverantwortlicher. Gespielt von Morgan Saylor (Being Charlie) basiert White Girl lose auf eigenen Erfahrungen der Filmemacherin, was a) erschreckend erscheint und b) muss es eine hoffentlich äußerst lose Adaption ihrer Erlebnisse sein. Netflix hat auf dem Sundance Film Festival 2016, wo White Girl seine Premiere feierte, die weltweiten Vertriebsrechte für das Drama erworben und auch wenn die Veröffentlichung mehr oder minder ohne großes Trara vollzogen wurde, kann man ruhig zustimmend nicken, wenn Woods Film als naher Verwandter von Larry Clarks 1995er Kids beschrieben wird.

Es ist Sommer in New York City und College-Girl Leah befindet sich zwischen den Semestern. Die freie Zeit nutzt sie um ordentlich Party zu machen, noch mehr Drogen zu nehmen und ausgiebig sexuelle Erlebnisse zu genießen. Dann verknallt sie sich in einen Typen, der sich als Drogendealer herausstellt. Mit ihren Erfahrungen kann sie ihm dabei helfen, mehr Geld für seine Ware zu bekommen. Dann fliegt er allerdings auf, landet im Knast und Leah bekommt sein Kokain in die Hände. Von hieran versucht sie die Drogen selbst zu verticken und ihre Bekanntschaft aus dem Knast frei zu bekommen.

White Girl

Morgan Saylor als Leah, die einen Sommer in New York rumkriegen muss.

Morgan Saylor spielt Leah als den Inbegriff des leicht zu habenden Mädchens, das sie immer und überall auf eine Runde Sex einlässt und ihren Körper dementsprechend auch einsetzt. Der Film fühlt sich nach den ersten zehn Minuten schon nach Porno an. Man wird dieses Gefühl auch über den Rest von White Girl nicht wieder los. Außerdem steht Leah auf so ziemlich jede Art von Drogen. Zumindest ist sie ein sehr experimentierfreudiges Mädchen.

Dabei schaut sie so harmlos aus. So nett und freundlich. Sie strahlt geradezu in ihren sauberen, weißen Outfits und mit ihren langen, blond-weiß gelockten Haar. Aber in Morgan Saylors Gesicht liegt immer dieses spitzbübisch-diebische verborgen. Besser könnte man den Ausdruck “Stille Wasser sind tief” nicht spielen. Schauspielerisch lässt uns die junge Frau hinter die Fassade blicken. Da steckt mehr dahinter als die normale College-Teenagerin, die sich zu ihren Kommilitonen in den Hörsaal setzt um den Dozenten zuzuhören und sich eine Zukunft zu schaffen. Ihre Zukunft scheint woanders zu liegen.

White Girl ist ein grotesker Blick auf eine ziellos herumlungernde Großstadtjugend. Die geballte Langeweile eines Sommers entlädt sich in einzelnen Momenten. Wenn Leah auf einer Party nackt über die Tanzfläche rennt, hoch zum DJ, um von dort lauthals und freudig die Masse anzubrüllen. Sie hat Spaß, sieht aber auch ebenso fertig aus. Sie landet auf einem Klo, hat dort eine Sexskapade, kotzt ihrem Partner aber schon bald aufs Shirt. Der verschwindet und sie bleibt in der Ecke liegen.

White Girl

Leah macht Party ohne Rücksicht auf Verluste.

Wieder fällt man zurück auf Saylor als Darstellerin, die diese Momente so wirklich macht, als schauten wir gerade eine äußerst tragische Dokumentation. Diese Ecken auf den Klos von abgefuckten Clubs gibt es wirklich und es ist nicht allzu fern, dass dort mal jemand gelegen haben könnte. Dieses Mädchen hat Probleme, dafür zeigen wir Mitgefühl. Dieses Mädchen hat diese Probleme größtenteils allerdings auch selbstverschuldet, weswegen unsere Gefühle ihr gegenüber hin- und hergerissen werden.

Leah befindet sich durch ihr unverantwortliches Verhalten und die Dummheit, die in den meisten ihrer Plänen steckt, mitsamt ihrer naiven Gutgläubigkeit gegenüber allen Menschen, auf einem katastrophalen Weg steil bergab. Das macht die Faszination und auch den Schmerz des Films aus. Wir müssen ihr einfach dabei zusehen, wie sie ihr Leben zum Fenster rauswirft.

White Girl gelingt es uns wirklich nicht zu verraten, wo für dieses Mädchen die Reise hingehen wird. Ihre Geschichte kann gut und böse ausgehen. Wie auch immer es aber enden wird, der Weg bis dorthin tut allein vom Zusehen äußerst weg. Dass das gelingt, ist dem wunderbaren Drehbuch, der Regie, vor allem aber dem Spiel von Morgan Saylor zu verdanken.

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