Kinokritik

Die Nutzlosigkeit einer Fortsetzung wird in “T2 Trainspotting” deutlich

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Man braucht sicherlich keine Auffrischung an den ersten Trainspotting von 1996 um sich an diese eine markante Szene zu erinnern, in der Ewan McGregor in den Tiefen einer Toilettenschüssel verschwindet und einen der skurrilsten Drogentrips der Filmgeschichte erlebt. Regisseur Danny Boyle hat die alte Truppe wieder zusammen getrommelt und bringt nun nach 20 Jahren mit T2 Trainspotting eine Fortsetzung, die letztendlich aber nicht nötig gewesen wäre.

Das Drehbuch kommt von John Hodge, der seine Geschichte auf den Figuren aus dem Romanen “Trainspotting” und die Handlung an die Roman-Fortsetzung “Porno” von Autor Irvine Welsh anlehnt (aber nicht komplett übernimmt). So sind in T2 Trainspotting ebenso wie in der realen Welt 20 Jahre vergangen und Renton (Ewan McGregor) kehrt nach einer Herzattacke in seine Heimat nach Schottland zurück, wo er auf seine alten Freunde Sick Boy (Jonny Lee Miller), Spud (Ewen Bremner) und Begbie (Robert Carlyle) trifft.

Auch wenn Danny Boyle die Dynamik der vier Hauptdarsteller wieder gekonnt ausspielt, fühlt sich T2 nicht mehr nach dem Ur-Trainspotting an. Die Drogen-Eskapaden sind fort, die Truppe agiert kaum noch zusammen, eher gegeneinander. Der Film wird von Rachegelüsten, Erinnerungen an die Zeit von vor 20 Jahren und nur wenigen neuen Entwicklungen getragen.

T2 Trainspotting

Sick Boy (Jonny Lee Miller, links) und Renton (Ewan McGregor, rechts) hängen ab.

Derweil bringen wir die einst jungen Darsteller von der Insel inzwischen mit anderen – vielleicht sogar besseren – Rollen in Verbindung. Einzig Ewen Bremner darf sich noch einmal in Erinnerung rufen, während Ewan McGregor seine erfolgreiche Schauspiel- und Regiekarriere in Hollywood vorangetrieben hat, Jonny Lee Miller in Elementary zum amerikanischen Sherlock Holmes wurde und Robert Carlyle als Rumpelstilzchen in der Serie Once Upon A Time – Es war einmal… einen genialen Schurken gibt.

Dementsprechend schwer fällt es, wenn wir uns diese Männer in ihren alten Rollen vorstellen sollen. Diese sind nun einmal 20 Jahre gealtert und bringen zwar eine gewisse Dynamik im gemeinschaftlichen Schauspiel auf die Leinwand, schaffen es allerdings nicht, die alte Dynamik zwischen den fiktiven Figuren der Handlung ebenso wieder herzustellen.

Während wir Trainspotting gerne als Kultfilm – auch wenn man mit diesem Begriff vorsichtig umgehen sollte – bezeichnen können, bleibt bei T2 Trainspotting nur sehr wenig in Erinnerung. Es ist sicherlich keine schlechte Unterhaltung, aber noch während der Abspann läuft, wird man einen Großteil des Films schon wieder vergessen haben.

T2 Trainspotting

Begbie (Robert Carlyle) ist hinter Renton (Ewan McGregor) her.

Aber es gelingt diesem Film besser als manch anderen Neuaufgüssen und Fortführungen, den ersten Teil und die dortigen Geschehnisse in die Handlung einzuweben. Es wirkt recht organisch, wie Danny Boyle uns an den ersten Film zurückerinnert. Mal werden explizite Szenen gezeigt, die damals gedreht wurden, ein anderes Mal werden Bewegungen in neuen Situationen nachgestellt, so dass man sich an eine alte Szene erinnert.

So darf sich denn auch Ewan McGregor aus einem Dachfenster nach oben ziehen, wie er sich einst aus der Toilettenschüssel an die Oberfläche gehoben hat. Aber zugleich wird eben auch klar, dass das Dachfenster weitaus langweiliger erscheint als das Klo-Abenteuer.

Es hätte vermutlich gereicht, wenn die Darsteller einfach eine Backstage-Reunion gefeiert hätten. Ein Foto für die Online-Welt und fertig. So ärgert man sich ein wenig darüber, dass hier ein Film entstanden ist, der nicht wie ein Passion Project daherkommt. Lieber hätte Danny Boyle seine Fähigkeiten als Regisseur für ein gänzlich neues Projekt verwenden sollen.

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