In 1975 verfilmte Steven Spielberg den Roman “Jaws” von Peter Benchley und prägte mit seiner Filmversion Der weiße Hai den Blockbuster-Begriff. Da die Menschen mehrere Straßenblöcke anstanden um an Kinotickets für das Monster-Spektakel zu kommen, wurden eben die “Blöcke gesprengt”, wenn wir uns auf eine 1:1 Übersetzung einlassen wollen würden. Aber nennen wir es doch lieber “Straßenfeger” oder bleiben beim klassischen “Blockbuster”.

Spielberg drehte mit Roy Scheider, der zuvor schon 1971 eine Oscar-nominierte Leistung als bester Nebendarsteller in French Connection – Brennpunkt Brooklyn hingelegt hatte, mit Robert Shaw, der dieselbe Oscar-Nominierung für Ein Mann zu jeder Jahreszeit in 1967 erhalten hatte und mit Richard Dreyfuss, der 1974 eine Golden Globe-Nominierung für seine Rolle in American Graffiti erhielt, bevor er – nach Der weiße Hai – den Oscar für Der Untermieter (1977) sogar gewinnen konnte.

Im Film sucht ein gigantischer weißer Hai die kleine Küstenstadt Amity heim, weshalb der Polizeichef Martin Brody (Roy Scheider) gemeinsam mit einem Meeresbiologen (Richard Dreyfuss) und einem professionellen Hai-Jäger (Robert Shaw) auf die Jagd gehen. Am Anfang zwar als gefährliches, aber schnell zu erledigende Aufgabe abgetan, merken die drei Männer bald, dass sie dem Killer-Hai kaum gewachsen sind.

Der weiße Hai
Roy Scheider (links), Richard Dreyfuss (mitte) und Robert Shaw (rechts) in “Der weiße Hai”

Das Beste was dem Der weiße Hai-Film passieren konnte, waren die Probleme am Set mit dem Fake-Hai. Die Komplikationen führten dazu, dass sie Spielberg entschied, den Hai nicht allzu oft zu zeigen und es der Fantasie der Zuschauer zu überlassen, sich dieses Ungetüm in den wichtigen Momenten selbst vorzustellen. Und es funktioniert grandios. Es lässt den Hai viel gefährlicher wirken, er ist der Schrecken den wir nicht sehen, den wir auch wirklich nicht sehen würden, würde er sie uns so unheilvoll von unten nähern, wie es die Kamera in Spielbergs Film immer wieder vormacht.

Hinzu kommt natürlich die Musik von John Williams, mit Spielberg nun schon zum zweiten Mal zusammen arbeitet. Williams hat das heute klassische Der weiße Hai-Theme komponiert, das minimalistisch und zugleich raubtierhaft als Ohrwurm funktioniert und immer wieder aufkommt, wenn sich der Hai seinen Opfern nähert. Es ist so simpel, dass es gerade einmal aus zwei Tönen besteht, die sich abwechselnd hochspielen. Über Der weiße Hai hinaus hat sich diese Melodie als Standard (neben Psychos Messerstech-Gequitsche von Bernard Herrmann) für bedrohliche Situationen etabliert.

Der weiße Hai
Das ungleiche Duell zwischen Monster-Hai und Menschen

Natürlich sehen wir auch in diesem Film wieder ein Duell, wie es von Spielberg schon zuvor inszeniert worden ist. Dieses Mal heißt es Mann gegen Monster, Mensch gegen Hai. Drei kleine Davids (weshalb wir es auch nur mit männlichen Hai-Jägern zu tun haben) gegen den großen Goliath-Hai. Nach Duell und Sugarland Express bewegt sich Spielberg nun aber weg von der Straße und zeigt ein Duell des Meeres. In gewisser Weise noch etwas bedrohlicher, da das Monster hier den Heimvorteil auf seiner Seite hat, während sich die drei Männer auf fremden Terrain bewegen.

Es gab mehrere Fortsetzungen zu Der weiße Hai, denen es allerdings allesamt an Effektivität und Horror fehlt. Den weiteren Teile Der weiße Hai 2 (1978), Der weiße Hai 3-D (1983) und Der weiße Hai – Die Abrechnung (1987) fehlt es an der Regie eines Steven Spielbergs. Sie wirken geradezu lachhaft und ganz gleich ob wir Deep Blue Sea (1999), The Shallows (2016) oder alle Sharknados und Sharktopusse hinzu nehmen, bis heute ist kein Hai-Horrorfilm an Der weiße Hai von Steven Spielberg herangekommen.