Wenn der Name des Regisseurs Michael Curtiz fällt, denkt man – sofern man ihn überhaupt noch einordnen kann – zuallererst vermutlich an seinen 1942er Klassiker Casablanca mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman in den Hauptrollen. Man kann es aber auch niemanden verübeln, denn gerade dieser Film hat sich mit Unmengen von Zitaten in unser Bewusstsein gedrängt: “Here’s looking at you, kid” (“Schau mir in die Augen, Kleines!” in der ersten deutschen Synchronfassung), “Ich glaube, dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.”, “Uns bleibt immer Paris.” – schon einmal irgendwo gehört oder selbst gesagt? Es stammt aus Casablanca.

Dabei kann man in der Filmografie von Michael Curtiz (bereits 1962 verstorben) auf eine ganze Reihe von Filmen schauen und sie als wahre Klassiker hinstellen. So auch Mildred Pierce, in Deutschland als Solange ein Herz schlägt veröffentlicht. In dem 1945er Film spielen Joan Crawford (für ihre Rolle mit einem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet), Jack Carson (Die Katze auf dem heißen Blechdach), Zachary Scott (Der Mann aus dem Süden) und Eve Arden (Grease) in einer Handlung, die auf dem Roman von James M. Cain basiert, der unter anderem auch die Buchvorlagen zu Filmen wie Wenn der Postmann zweimal klingelt oder Frau ohne Gewissen (Double Indemnity) geschrieben hat.

Solange ein Herz schlägt
Joan Crawford als Mildred Pierce (rechts) mit Tochter Veda Pierce (Ann Blyth, links)

In den ersten Momenten von Solange ein Herz schlägt mag man noch an einen Krimi denken, vor allem wenn man die starken Bildanleihen an das Film Noir Genre betrachtet. Und sicherlich ist eine solche Whodunit / What happened-Story in dem Film zu finden. Denn der Film steigt mit einem Mord ein. Aber zuallererst wird die Lebensgeschichte von Mildred Pierce (Crawford) erzählt. Sie ist eine klassische Mid-40er Jahre Haus-, Ehefrau und Mutter, die sich dann aber von ihrem Mann scheiden lässt um auf eigenen Beinen zu stehen. Sie eröffnet ihr eigenes Restaurant, wird zur Business-Dame, um ihrer verwöhnten Tochter all ihre Wünsche erfüllen zu können.

Schon 1945 hat Michael Curtiz damit die Frau als starkes, eigenständiges Individuum inszeniert und mit Joan Crawford hierfür natürlich genau die richtige Darstellerin bekommen. Sie spielt grandios überzeugend und stark Mildred Pierce, die sich aus den Fittichen ihres Mannes in die Selbstständigkeit der gastronomischen Geschäftswelt emanzipiert. Sie schnuppert zwar den Erfolg, der in den 40er Jahren noch allein der Männerwelt zugeordnet wird, zugleich bleibt sie aber auch Sklavin ihrer Muttergefühle, obwohl ihre Tochter ihr Leben arg strapaziert und vor allem voll und ganz die Rolle des untergeordneten Hausfrauchens ausfüllen möchte.

Solange ein Herz schlägt
Selbst ist die Frau. Joan Crawford als Mildred Pierce.

Wenn man bei Joan Crawford in ihrer Rolle über eine Neuverfilmung nachdenkt, fallen einem Namen wie Angelina Jolie ein, in einigen Jahrzehnten vielleicht noch Jennifer Lawrence. Beide müssten vermutlich nicht viel schauspielern, um als starke, Anzug tragende Geschäftemacherin rüberzukommen. Auch Crawford scheint kaum zu spielen, eher sich selbst auszuleben. Sie zeigt der Welt ihr Restaurant, über dem in gigantischen Buchstaben ihr Name geschrieben steht. Ein Star, wie auch Crawford einer ist.

Dabei ist sie aber immer auch in der Lage, ihr starkes Auftreten von einem in den nächsten Moment abzulegen. Dann taucht sie sich in ihre Schwächen ein und sofort haben wir Mitleid mit dieser Frau, die sich durch ein wirklich hartes Leben zu kämpfen hat und manchmal einfach einen Zusammenbruch braucht, damit all die Last von ihr abfallen kann, der sie sich sonst so souverän stellt.

Und hier gelingt Crawford das schauspielerische Kunststück, trotz solcher Momente niemals an ihrer Stärke zu verlieren. Bei all den Strapazen, die sie durchmacht. Bei all den Opfern, die sie für ihre Tochter bringt. Mildred Pierce ist eine starke Frau in einer Zeit, in der es noch viel mehr Durchsetzungskraft bedurfte, als solche anerkannt zu werden. Das gelingt in Solange ein Herz schlägt durch die großartige Regie von Michael Curtiz und seiner perfekten Hauptdarstellerin Joan Crawford.