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REVIEW | Selfmade-Dad

 

Selfmade-Dad PackshotMöchte mir jemand erklären, weshalb Kevin Spacey eine so großartige Rolle in der Netflix-Serie „House of Cards“ ausfüllt, in der Filmwelt aber inzwischen unnütze Fortsetzungen („Kill the Boss 2“) und unnütze Rollen (ein busy Businessman, der in einen Kater verwandelt wird – „Voll verkatert“) bekleidet? Nun gibt er den „Selfmade Dad“, was eigentlich nur eine männliche Variante des erst kürzlich in den Kinos gelaufenen „The Boss“ mit Melissa McCarthy ist. Während sie es immerhin noch auf die große Leinwand schafft, versinkt Kevin Spacey irgendwo auf dem DVD Markt.

Hier spielt er den millionenschweren Infotainment-Erfinderkönig Robert Axle, der nach einem unglücklichen Unfall durch eines seiner Produkte sein gesamtes Vermögen verliert und ins Gefängnis wandert. Nach acht Jahren kehrt er wieder zurück, mit dem Vorhaben eine neue Erfindung auf den Markt zu bringen, die seinen Namen wieder sauber waschen soll. In der Zwischenzeit hat sich allerdings seine Ex-Frau (Virginia Madsen) mit ihrem neuen Ehemann (Craig Robinson) in seinem Haus niedergelassen. Um jetzt wieder an ein wenig Geld zu kommen, nimmt er einen Teilzeit-Job als Hausmeister an und nistet sich bei seiner Tochter ein, die schon vor seiner Knastzeit nicht mehr allzu viel mit ihrem Vater zu tun hatte. Um ihn herum hat sich alles verändert und Axle merkt, dass er sich selbst neu erfinden muss, um in dieser Welt noch zu überleben.

Neben Kevin Spacey, Virginia Madsen und Craig Robinson hat Regisseur Trent Cooper für seinen bereits 2010 entstandenen Film Camilla Belle, Heather Graham, Johnny Knoxville und John Stamos gewinnen können. Für viele von ihnen sicherlich nur ein Teilzeit-Job, wie es Axle im Film vormacht, um schnell wieder auf die Beine zu kommen. Man hätte sich vom „Selfmade Dad“ gewünscht, dass er auch irgendetwas neu erfunden hätte, aber das Drehbuch ist einfach nur scheusslich.

Der Film eröffnet mit einer durchgedrehten Infotainment-Orgie, in der uns Robert Axle willkürlich Produkte zu verkaufen versucht. Man fühlt sich hin- und her gerissen, ob dies bereits der Ton der Komödie sein soll oder ob da noch mehr kommt? Möchte der Film uns irgendetwas über uns als Gesellschaft sagen? Man weiß es nicht so recht, der Film vermutlich ebenso wenig. Mal glaubt man an das Drama dieses Mannes, dann an eine belanglose Komödie, vielleicht satirische Kritik? Eine klare Position wird hier jedenfalls nicht bezogen.

Vielleicht soll es einfach lustig sein, weil wir Kevin Spacey hier noch als aalglatten Geschäftstypen sehen, der fein rausgeputzt den Erfolg geradezu verkörpert. Während wir wenige Minuten später den verwahrlosten Kevin Spacey zu sehen bekommen, der frisch aus dem Gefängnis entlassen, verfilzte, lange Haare und einen widerlichen Schnurrbart trägt. Ja, das sieht furchtbar aus, da müssen wir doch jetzt alle einmal lachen, was aus diesem reichen Schnösel geworden ist.

Es ist schlichtweg traurig mitansehen zu müssen, wie die Filmhandlung diesem Typen eine Comeback-Story beschert, die sich Kevin Spacey für sein reales Filmleben wünschen sollte. Wo ist sein nächster „American Beauty“? Mit solchen Rollen wie in „Selfmade Dad“ wünscht man sich jedenfalls, trotz qualitativer Schwankungen, dass es noch einige Staffel von „House of Cards“ geben wird.

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