Kinokritik

In “Passengers” bleiben selbst Chris Pratt & Jennifer Lawrence blass

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Es scheint fast so, als habe sich Regisseur Morten Tydlum (The Imitation Game) für seinen neuesten Film Passengers einzig und allein auf zwei Gesichter verlassen: Guardians of the Galaxy-Spaßvogel Chris Pratt und Die Tribute von Panem-Spotttölpel Jennifer Lawrence. Ob nun Star-Lord oder Dinosaurier-Jäger, ob das Mädchen, das in Flammen steht oder Mutantin mit vielen Gesichtern, gemeinsam haben Pratt und Lawrence diverse Franchises zu ihrem Geld verholfen.

Und jetzt flüchten sie vom Planeten Erde. Eigentlich soll das Raumschiff Avalon den Mechaniker Jim (Pratt) und die Autorin Aurora (Lawrence) sowie 4998 weitere Passagiere im künstlichen Tiefschlaf zum Planeten Homestead II bringen. Die Reise soll 120 Jahre dauern. Doch aufgrund einer technischen Fehlfunktion wacht Jim 90 Jahre zu früh auf. Mit der Perspektive, den Rest seines Lebens allein auf dem Stahlkoloss zu verbringen, weckt er Aurora aus ihrem Schlaf (sein Dornröschen) und bringt damit all ihre Lebenspläne durcheinander.

Natürlich findet sie dass irgendwann heraus und darf durchdrehen. Und wenn Jennifer Lawrence bis zu diesem Zeitpunkt nicht sonderlich viel von ihrem Schauspiel zeigen durfte, dann ist hier spätestens der Punkt erreicht, wo sie aus sich ausbrechen darf.

Passengers

Chris Pratt und Jennifer Lawrence haben noch ihren Robo-Barkeeper Michael Sheen auf der Avalon

Für Chris Pratts Jim wird derweil versucht, ihn trotz allem noch wie einen guten Kerl darzustellen. Die Erklärung ist eine Metapher, bei der Jim als untergehender Todgeweihter beschrieben wird, der sich an eine helfende Hand klammert, diese dann aber mit in den Abgrund zieht. So stark die Emotionen und Gefühle auch hochkochen mögen, so schnell ändern sie sich aber auch wieder. Das Drehbuch lässt Pratt und Lawrence gar keine Zeit sich in irgendeinen emotionalen Zustand festzusetzen, weil es wenige Minuten später schon wieder einen switch in eine gänzlich andere Richtung gibt.

So durchleben Jim und Aurora die erste Panik, das Kennenlernen, natürlich das Gefühl von Liebe, dann der Hass und danach noch einiges mehr in kürzester Zeit – zumindest für die Zuschauer, die sich mit der gerafften Handlung begnügen müssen, während für die Charaktere im Film natürlich die Zeit weitaus langsamer verstreicht. Nur leider lässt uns Passengers das nicht spüren.

Hinzu kommt, dass wir uns fragen müssen, weshalb uns diese beiden Figuren überhaupt interessieren sollten. Es sind einfach nur zwei Menschen über die wir so gut wie gar nichts erfahren. Daher können wir auch nur äußerst wenig mit ihnen mitfühlen. Über Jennifer Lawrences Aurora kann man dabei noch einiges mehr an Informationen zusammen suchen, als über Chris Pratts Jim, bei dem es durchgängig bei der Figurenbeschreibung “Mechaniker” bleibt, ohne dass dem etwas hinzugefügt werden würde.

Passengers

Chris Pratt ist Mechaniker Jim, Jennifer Lawrence Autorin Aurora in “Passengers”

Damit hat sich Morten Tydlum durch und durch nur auf die Gesichter seiner beiden Hauptdarsteller verlassen, was aber ein großer Fehler war. Er hat seine Figuren hierfür vernachlässigt, die weitaus mehr Tiefe benötigt hätten, um uns in die Geschichte hineinzuziehen.

Passengers fühlt sich leblos und steril an. Wir verlieben uns nicht mit Jim und Aurora, wir sind nicht wütend auf die Figuren, wir haben keine Angst um sie. Es bleiben immer Chris Pratt und Jennifer Lawrence, die uns dort etwas vorspielen. Es bleibt lediglich die Erinnerung an ein äußerst hübsch aussehendes Raumschiff, das dann tatsächlich mehr Charakter hat, als die beiden Menschen, die dort leben.

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