Filmkritik

Review: Nicole Kidman ohne Erinnerung in “Ich.darf.nicht.schlafen”

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Kann Catherine (Nicole Kidman) ihrem Ehemann Ben (Colin Firth) wirklich trauen? / alle Bilder © Splendid/Sony

Kann Catherine (Nicole Kidman) ihrem Ehemann Ben (Colin Firth) wirklich trauen? / alle Bilder © Splendid/Sony

Bevor Christine Lucas ins Bett geht, nimmt sie ein kleines Videotagebuch auf, um sich am folgenden Tag an wichtige Dinge zu erinnern. Christine leidet an Anterograder Amnesie, ihre Merkfähigkeit ist extrem gesenkt, sie kann neue Erinnerungen nur wenige Minuten im Gedächtnis halten bis sie wieder vergessen sind. Das macht sie zur Leidensgenossin von Guy Pearce in Memento oder Drew Barrymore in 50 erste Dates. Before I Go to Sleep, wie der Film von Regisseur und Drehbuchautor Rowan Joffé im Original heißt und für den deutschen Markt in Ich.darf.nicht.schlafen übersetzt wurde, basiert auf einem Roman des britischen Schriftstellers S. J. Watson.

Christine wird von Nicole Kidman gespielt, die dieser Tage ein schwaches Händchen für ihre Rollen beweist. The Paperboy und The Railway Man waren keine schlechten Filme, bekamen jedoch kaum Aufmerksamkeit, ganz anders ist es mit Grace of Monaco gelaufen. Kidmans Spiel als Filmstar Grace Kelly wurde bei seiner Premiere auf dem Filmfestival von Cannes gnadenlos ausgebuht. Der Filmreview-Aggregatorseite RottenTomatoes zu Folge befinden die journalistischen Kritiker Grace of Monaco für äußerst übel (9%), der Audience Score liegt lediglich bei 29%. Ein Mahnmal schlechter Leistung.

Catherine mit Dr. Nasch (Mark Strong)

Catherine mit Dr. Nasch (Mark Strong)

Ein Glücksgriff ist nun Ich.darf.nicht.schlafen auch nicht gerade, aber immerhin hält er gegen die letzten Auftritte Kidmans Stand. Vielleicht ist es gar „der beste Film von Nicole Kidman seit langem“, was in der Gegenüberstellung mit eben ihren letzten Filmen aber noch kein großes Qualitätsurteil sein muss. Sie spielt nun hier diese Frau ohne Erinnerung, die jeden Morgen neben ihrem Ehemann Ben aufwacht (ein gut besetzter, jedoch zu wenig zum Zuge kommender Colin Firth) und schon kurze Zeit später von ihrem Arzt Dr. Nasch (Mark Strong) angerufen wird, der sie an ihre Videotagebücher erinnert, die sie sich dann allmorgendlich anschaut. Eine Erinnerungsstütze, wie die Tattoos von Guy Pearce in Christopher Nolans Memento, die jedoch ebenso verwirrend wie hilfreich sein kann.

Kidman versucht hier in ihrer Rolle eine mysteriöse Vergangenheit aufzulösen, die offenbar irgendetwas mit den beiden Männern in ihrem Leben zu tun hat. Ihr Ehemann Ben tischt ihr Lügen auf, soviel findet sie heraus, doch bekräftigt er immer wieder, dass er dies nur tut, um sie in ihrem Zustand nicht zu sehr zu verwirren oder jeden Tag mit Trauer zu konfrontieren. Im Gegenzug weiß aber auch Ben nichts von den Videotagebüchern, die von Dr. Nasch verordnet wurden. Welche Rolle er in Catherines Vergangenheit spielt, bleibt auch unklar. Einige Hinweise deuten darauf hin, dass er Zwietracht zwischen Catherine und Ben sähen möchte.

Das Casting von Colin Firth und Mark Strong an der Seite von Nicole Kidman ist ziemlich ausgeklügelt. Beide Männer funktionieren als gute Samariter als auch als diabolische Intriganten. Sie können beide ihr Spiel von einer auf die andere Minute ändern und sorgen somit für die notwendige Unsicherheit in der Geschichte. Und da müssen wir uns als Zuschauer ebenso auf die Unzuverlässigkeiten einlassen wie Christine, da wir nie mehr erfahren als sie. Also müssen oder dürfen wir mit ihr in diese Ungewissheit eintauchen. Leider machen zwischenzeitlich einige Erinnerungs-Traumsequenzen die Sache zu Nichte, da hier mögliche Lösungen aufgezeigt werden. So beschränken sich unsere Vermutungen auf das, was wir gezeigt bekommen und letztendlich bleiben die möglichen Enden der Story an einer Hand abzählbar.

Regisseur Joffé hat mit dem knapp über 70 Minuten dauernden Ich.darf.nicht.schlafen einen kurzen und knackigen Film geschaffen, der aber auch an keiner Stelle mehr Inhalt hätte bieten können. Die Kürze kommt diesem Film sehr zu Gute. Und es wäre noch kürzer gegangen. Das Ende ist zu lang gezogen, zu sehr Happy End. Es nimmt dem vorher stattfindenden Thrill den Wind aus den Segeln.

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