Die Turtles im Fahrstuhl: Michaelangelo, Raphael, Leonardo, Donatello (v.l.n.r.) sind die Teenage Mutant Ninja Turtles / alle Bilder © Paramount Pictures Germany GmbH
Die Turtles im Fahrstuhl: Michaelangelo, Raphael, Leonardo, Donatello (v.l.n.r.) sind die Teenage Mutant Ninja Turtles / alle Bilder © Paramount Pictures Germany GmbH

Vielleicht muss man erst 20 Jahre warten bevor die Teenage Mutant Ninja Turtles Neuverfilmung durch Michael Bay-Marionette Jonathan Liebesman an Charme gewinnt. Ähnlich ist es ja auch um die 80er Jahre Trilogie bestanden, die nicht wirklich eine gute Wiedergabe der Geschichte um die vier Ninja Schildkröten mit ihrer mutierten Ratte als Sensei darstellt. Aber gerade wie die Turtles in den letzten Jahren via Cartoonserien präsentiert wurden, hätte sich ein Neu-Film eigentlich hierdurch beflügelt fühlen sollen. Aber auch bei dem erneuten Versuch die Schildkröten-Teenager-Ninja-Mutanten auf die Kinoleinwände zu bringen, geht eigentlich alles nach hinten los und man greift besser zur Fernbedienung und bleibt den Turtles der Serienlandschaft treu.

Megan Fox darf als Channel 6-Reporterin und Turtles-Vertraute April O’Neil immerhin den stilgebenden gelben Mantel tragen, der für Fox allerdings zur knappen Lederjacke umgestylt wurde. Fox’ größtes Problem ist jedoch ihr schauspielerisches Schaffen. Sie muss Angst durchleiden, Aufregung, Erschöpfung und vieles mehr, behält dabei aber vor allem ihren markanten Schmollmund immer im Kopf und projiziert ihn in ihr Gesicht. Das scheint alles was sie gelernt hat, seit sie sich in Transformers auf ihren Po konzentrieren musste – oder eher: die Kamera hat sich auf ihren Po konzentriert. Leider passt sich der Rest der Cast diesen schauspielerischen Qualitäten an und lässt sich durch die Quasi-Hauptdarstellerin nach unten ziehen. Vor allem der arme Will Arnett wirkt gänzlich fehlplatziert. Viel ist aber auch aus dem Drehbuch und aus den Figuren nicht heraus geholt worden.

Megan Fox als Channel 6-Reporterin April O'Neil
Megan Fox als Channel 6-Reporterin April O’Neil

Ähnlich wie bei den Transformers – und das Neu-Design des Turtles-Oberschurken Shredder (Tohoru Masamune) erinnert an einen solchen Mini-Transformer – werden die Figuren nur sehr spärlich mit Charakterzügen ausgestattet. Es geht Liebesman, der ganz deutlich unter den Argusaugen Michael Bays gearbeitet hat, um Adrenalinschübe, nicht um eine gut erzählte Story. Die Emotionen gegenüber den Zuschauern bleiben dabei auf der Strecke. Wir interessieren uns nicht für die Figuren. Es ist egal was mit ihnen geschieht oder geschehen ist. Da kann Tragik kommen oder Komik, da können eiskalte Gefechte in der Luft liegen oder verzweifelte Rettungsversuche – nie werden wir dazu animiert mitzufühlen, uns in der Geschichte zu verlieren, dafür bleibt alles viel zu Oberflächlich. Selbst die Cartoonserien bieten da mehr Stoff zum mitfiebern.

Dabei haben die Turtles eine so reichhaltige Mythologie, die zumindest in der Alt-Trilogie hier und da zur Sprache kam, nun aber gänzlich über den Haufen geworfen wurde. Splinter – der erschreckend wie aus einem Horrorfilm entsprungen ausschaut, eine CGI-Schande – hat sich die Kunst des Ninjutsu aus einem Buch selbst beigebracht, einen japanischen Sensei bei dem er all das Kampfkunst-Können über Jahre abschauen konnte gibt es hier nicht. Und der Shredder verblasst hinter einem Schauspieler wie William Fichtner, der immer wieder für gut gespielte Bösewichte in eher schlechten Filmen (Drive Angry, Lone Ranger) seinen Namen hergibt.

Fichtner spielt den Forscher Eric Sacks und ein Schelm darf Michael Bay oder seinen Drehbuchautoren Josh Appelbaum, André Nemec und Evan Daugherty unterstellen, dass sie von der reinen Lautsprache möglichst oft das Wort „Sex“ in diesem Film hören wollten: „Kennen sie den Sex-Tower“, „Das ist die Sex-Group“, „Ich leite Sex-Industries“. Das lenkt nicht nur ab, sondern untergräbt schon bald auch die Autorität des Schurken gegenüber dem Publikum.

Williams Fichtner ist der schurkische Wissenschaftler Eric Sacks
Williams Fichtner ist der schurkische Wissenschaftler Eric Sacks

Irgendwo bei diesem Humor schließt sich auch die Szene an, in der April O’Neil auf ein Trampolin gestellt wird um ein wenig auf und ab zu hüpfen. Wer Megan Fox kennt, wird wissen, welche Absicht oder Wirkung ein solches auf und ab erzielt.

Der Film ist eine solche Schande für die armen Schildkröten, dass Peinlichkeit auf Peinlichkeit die Handlung verblassen lässt. Aber grundsätzlich wird noch einmal all das bereits bekannte abgespult: Vier Schildkröten und eine Ratte werden durch ein Mutagen verwandelt, lernen fernöstliche Kampfkunst und erheben sich zu den Rächern New Yorks. April O’Neil wird auf diese Wesen Aufmerksam und verbündet sich mit ihnen, als der Forscher Eric Sacks gemeinsam mit Shredder die Macht über die Stadt erlangen will – warum genau das ganze, bleibt allerdings im Verborgenen. Ist aber auch Nebensächlich, solange Megan Fox auf einem Trampolin auf und ab hüpft

Teenage Mutant Ninja Turtles tauscht Mythologie gegen Spektakel, tauscht freche popkulturelle Anspielungen gegen Sexverlangen und genaue Beobachtungsgabe für den weiblichen Körper. Und die Turtles? Nebensache.