Kinokritik

In “Life” kämpft ein Mars-Alien gegen Jake Gyllenhaal & Ryan Reynolds

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Sprechen wir zuerst über den Elefanten im Raum: Life sieht ganz arg wie ein Alien-Ableger aus und tut vermutlich sehr gut daran, ein Release vor dem entsprechenden Alien: Covenant zu haben. Damit wäre dieser Vergleich aus dem Weg geräumt und wir können uns über all die schönen Dinge freuen, die Life darüber hinaus mit sich bringt.

Der Film kommt von Regisseur Daniel Espinosa (Safe House), der nach einem Drehbuch von Rhett Reese und Paul Wernick (Zombieland, Deadpool) gearbeitet hat. Er verfrachtet Jake Gyllenhaal, Rebecca Ferguson und Ryan Reynolds auf die ISS Raumstation, lässt sie einen Mars-Organismus finden, erforschen und fürchten.

Während Alien oder zahlreiche andere mehr oder minder erfolgreiche Neu-Interpretationen des Ur-Horrors von Ridley Scott auf ein immens fantastisches Element gesetzt haben (auch Event Horizon kommt hier in den Sinn), fühlt sich Life irgendwie grounded und realistisch an.

Ob wir nun an außerirdische Lebensformen glauben möchten oder nicht, der Film versprüht schon dadurch Authentizität, dass sich die Handlung auf der real existierenden ISS Raumstation abspielt. Im Grunde stellt sich Espinosa die Frage, wie wir Menschen auf einen tatsächlichen Organismus von einem anderen Planeten reagieren würden.

Life

Ryan Reynolds spielt in “Life” Schiffsmechaniker Rory Adams.

Und so dumm es erscheinen mag, vermutlich würden wir es wirklich hinter Glas sperren und mit irgendwelchen technischen Krimskrams an ihm herumexperimentieren. Selbst eine Namensgebung wie Calvin, womit eine eindeutige Vermenschlichung stattfindet, ist nicht auszuschließen.

Damit würden die Menschen wieder einmal Gott spielen, sich über allem sehen und sich selbst die Berechtigung erteilen, andere Lebewesen mit wissenschaftlichen Handwerkszeug zu erforschen. Dass solche Wesen sich dadurch in ihrem eigenen Leben bedroht fühlen könnten, in die Ecke gedrängt geradezu, daran wird natürlich erst einmal kein Gedanke verschwendet.

So ist es natürlich ersichtlich, was hier geschehen wird. Das britische Crewmitglied Hugh Derry (Ariyon Bakare) piekst Calvin einmal zu viel mit einem Mini-Elektroschocker, um den Organismus aus einer Art Winterschlaf aufzuwecken. Hierdurch angestachelt geht Calvin allerdings nicht nur auf Abwehrstellung, sondern nimmt sich sehr offensiv und aggressiv der Minimierung der ISS-Crew an.

Die sechs Crewmitglieder (neben Gyllenhaal, Reynolds, Ferguson und Bakare außerdem noch Olga Dihovichnaya und Hiroyuki Sanada) entwickelt in den ersten Minuten des Films eine glaubwürdige Team-Dynamik, bei der jeder seine Aufgabe an Bord der Raumstation zu erfüllen hat.

Dieses Miteinander macht es möglich, das Ableben jedes Einzelnen als Verlust für das Team wahrzunehmen. Auch wenn man manches Mal gerne wegsehen möchte, da die Todesursachen recht martialisch in Szene gesetzt worden sind.

Life

Rebecca Ferguson als Miranda North und Jake Gyllenhaal als David Jordan in “Life”.

Calvin selbst wächst immer weiter an, ist irgendwas zwischen Amöbe, Blume und Tentakelwesen, dass sich seinen Weg gerne Oral in die Körper seiner Opfer sucht. Anfangs ist es tatsächlich noch ein wenig niedlich, wie der Mini-Organismus die Bewegungen seiner Entdecker nachahmt, später möchte man diesem Ding nur allzu gerne aus dem Weg gehen.

Was in der Enge der Station gar nicht so einfach ist. Hier wird die Location großartig zum Einsatz gebracht. Die klaustrophobische Enge wirkt sich auf das Handeln, das Verstecken und Weglaufen der Crew vor Calvin aus. Hinzu gesellen sich immer wieder wunderschöne Aufnahmen vom Weltall, wie die Raumstation hier weit über dem Planeten Erde vor sich hin schwebt.

Das Ende lässt sich erahnen, ist aber klug genug umgesetzt, um zumindest auch in Erinnerung zu bleiben. Während wir zuletzt mit Arrival noch die netten, kommunikativen Aliens bekommen haben, die von kompetenten Wissenschaftlern zur Unterhaltung angespornt wurden, zeigt uns Life nun, wie die Menschen ganz typisch eine Situation zu eskalieren bringen.

In Life geht es keinesfalls um ein bösartiges Alien, sondern vielmehr um einen Außerirdischen, der sich unsere wissenschaftlichen Gepflogenheiten nicht einfach so gefallen lassen will. Im Grunde kämpft es hier ebenso nur um sein eigenes Überleben. Insofern weiß man nicht so recht, von welcher Seite der Titel Life hier betrachtet werden sollte.

Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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