Kinokritik

Emma Stone und Ryan Gosling tanzen sich durch “La La Land”

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Regisseur Damien Chazelle hat sich binnen kürzester Zeit und mit nur zwei Filmen als einer der wunderbarsten Filmemacher Hollywoods etabliert. Mit seinem Debüt Whiplash hat er 2014 einen musikalischen Drum-Showdown dargeboten, der uns mit Herzrasen aus dem Kino schickte. Jetzt ist er mit La La Land in das klassische Hollywood eingetaucht, lässt dort ebenso musikalisch Emma Stone und Ryan Gosling singend durch die Aufs und Abs der Liebe und des Lebens tanzen.

Emma Stone spielt Mia, eine erfolglose Schauspielerin, die sich in Hollywood von Casting zu Casting bewegt, während sie mit einem kleinen Job in einem Cafe auf dem Geländer von Warner Bros. das nötige Kleingeld verdient, um durchs Leben zu kommen. Derweil ist Ryan Gosling in der Rolle von Sebastian ein durchaus talentierter Jazz-Pianist, der allerdings dazu verflucht ist, in Restaurants und auf Partys Songs zu spielen, die gänzlich unromantisch daherkommen und lediglich zur Berieselung dienen. Beide jagen ihren Träumen nach, bis ihre Wege sich zufällig kreuzen.

Chazelle schmeißt uns sofort in seine erste Musical Nummer, wenn der Film startet. Und mit ihr empfehlen sich bereits die Choreographien von Samantha “Mandy” Moore (nicht DIE Mandy Moore). In Zusammenarbeit liefern die beiden ein unfassbar komplexes Tanzstück auf einem Highway in Los Angeles, wo sie mit uns auf dem Weg nach Hollywood im Stau stehen. Der Stau entwickelt sich allerdings recht schnell zu einer gigantischen Gesangs- und Tanznummer, bei der der uncharmanten Warterei die glückliche Musical-Regenbogenbrille aufgesetzt wird. Im nächsten Stau einfach in Gedanken an diese Szene denken und man wird sofort ein Lächeln im Gesicht haben.

La La Land

Damien Chazelle eröffnet enorm imposant in “La La Land”

Der Film ist aber auch so viel mehr als “nur” Gesang, Tanz und Musik. Er ist ein erhobener Zeigefinger an uns alle, dass wir unsere Träume leben sollen. Träume deinen Traum, komme was wolle. Lebe deinen Traum, gib ihn nicht auf, das wäre die größte Tragik eines Lebens. Mia (Stone) kämpft fast ein ganzes Jahrzehnt dafür, eine angesehene Schauspielkarriere in Hollywood zu starten. Sebastian (Gosling) verzweifelt geradezu daran, einen eigenen Jazzclub aufzumachen. Ob sie ihre Träume erreichen, soll an dieser Stelle eine offene Frage bleiben, die Damien Chazelle in La La Land wunderschön, nicht aber ohne einen Hauch der Tragik, aufzulösen versteht.

Sebastian beklagt sich im Film darüber, dass uns die Träumer verloren gehen. Jeder ist mit sich selbst beschäftigt, niemand nimmt sich mehr Zeit für Dinge. Er bezieht es auf den Jazz, wirft Mia vor nicht richtig zuzuhören, weswegen sie Jazz nicht wirklich erlebt. Sebastian weiß wovon er spricht, verdient er sein Geld doch damit, auf diversen Veranstaltungen Musik nur so nebenbei abzuliefern. So weit sind wir mit den schönen Künsten gekommen, dass wir Sebastians Leid ebenso gut auf das Kino übertragen können. Hier, wo immer mehr Menschen nicht die 90 Minuten aushalten, ohne Zwischendurch einmal auf ihr Handy zu schauen. Auch der Film bekommt nicht mehr die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt.

La La Land

Sebastian (Ryan Gosling) und Mia (Emma Stone) im Kino

Das sollte mit La La Land gänzlich anders sein. Denn nicht nur die Tanzeinlagen, die Musik und der Gesang oder gar die Regie von Damien Chazelle sind sehenswert, sondern auch die Performances von Emma Stone und Ryan Gosling. Immerhin hatten die beiden ausreichend Zeit ihre Chemie aufeinander abzustimmen. Bereits in dem wundervollen Crazy, Stupid, Love (2011) und dem – zugegeben – nicht allzu erinnerungswürdigen Gangster Squad (2013) durften die beiden miteinander flirten.

Hier nun brillieren sie von der abweisenden Frau/Mann-Beziehung der klassischen Screwball-Komödie bis zur kitschigen Romantik des Filmmusicals. Gosling und Stone spielen sich zum klassisch-modernen Liebespaar der Leinwand.

So perfekt die beiden zueinander passen, so unperfekt ist ihr Gesang. Aber auch das macht gerade den Charme dieses Miteinanders und des gesamten Films aus. Man kann sich als normalsterbliche Person viel besser in diese Figuren hineinversetzen, weil sie eben nicht Perfektion, sondern das durchs Leben stolpern symbolisieren.

Obwohl La La Land im Hollywood des Jetzt spielt, schaffen alle Beteiligten es, uns genau das vergessen zu lassen. Deshalb fühlt es sich an wie dieser Rückblick auf das Old Hollywood, den Chazelle uns geben wollte. Er beschwört diese Atmosphäre herauf, gibt uns nur kleine Anzeichen der Moderne. Damit beweist er zugleich, dass auch das alte Hollywood durchaus noch im modernen Filmgeschäft zu finden ist und funktionieren kann, wenn man es richtig anstellt.

Damien Chazelle hat es richtig angestellt. Das Ende von La La Land ist so wortlos und Herzrasen-erzeugend wie schon sein Whiplash es war. Es gelingt dem Film, dass man aus dem Kino kommt und fest daran glauben möchte, an seinen Träumen festzuhalten und sie umzusetzen. Und wenn wir aus dem Kino kommen und ein Film so etwas mit uns anstellt, wenn er uns bewegt, weiter verfolgt, wenn er uns an Dinge glauben lässt, die wir vielleicht schon aufgegeben haben, dann kann man von einem Film sprechen, der unsere volle Aufmerksamkeit verdient hat.

1 Comment

  1. […] könnt ihr die Review zum Film auch noch einmal hier auf film2go […]

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