Segen oder Fluch? Die vielen Kritiken, die aus den USA durch das Internet auch uns zugänglich sind und lange vor einem deutschen Filmstart ihre kritischen Schatten vorauswerfen? So geschehen mit der „Suicide Squad“, die hier erst noch ihr Abenteuer bestehen muss, so geschehen mit „Jason Bourne“, dem Rückkehrer Matt Damon, dem hier Worte mit anhängen, die seinen vierten Auftritt als identitätsloser Auftragskiller als bisher langweiligsten Film hinstellen. Solche Worte begleiten uns mit in den Kinosaal, die Erwartungen schrumpfen, die Skepsis steigt an – und dann der Umkehreffekt: die Erwartungen wurden soweit zurückgeschraubt, dieses Gefühl von Freude eingedämmt, dass man auf einmal viel mehr Spaß empfindet als man es gedacht hätte.

Vielleicht ist es auch die Schuld des eher mauen Blockbuster-Filmsommers, dass sich „Jason Bourne“ jetzt doch so cool anfühlt. Ein guter Thrill, eine Menge Crazy-Action, Matt Damon anstelle von Jeremy Renner, Regisseur Paul Greengrass, verantwortlich für Teil 2 und 3 der Bourne-Reihe, ebenfalls zurück. Daneben gibt es Tommy Lee Jones auf der Jagd (wie schon in „Auf der Flucht“), Julia Stiles als nicht romantische Langzeit-Partnerin von Jason Bourne, Vincent Cassel als Auftragskiller, der wiederum Bourne auf den Fersen ist und ebenso die großartige Alicia Vikander („Ex Machina“, „The Danish Girl“) als dubiose, mal bitchy, mal friendly CIA-Agentin, die wir niemals wirklich einschätzen können.

Jason Bourne hat sich inzwischen in den Untergrund verkrochen, wo er allerdings von Nicky (Julia Stiles) aufgespürt wird. Sie hat neue Informationen zum Treadstone-Projekt gehackt, durch das Jason überhaupt erst zum Killer gemacht wurde und in das scheinbar auch sein Vater verstrickt gewesen ist. Die CIA wird auf den Informationsaustausch aufmerksam und entschließt, dass die Beteiligten aus dem Verkehr gezogen werden müssen.

Nehmen wir es in aller Schnelle vorweg: „Jason Bourne“ ist der bessere Bond, wenn wir von „Spectre“ sprechen. Die Story ist dicht und spannend erzählt, fesselt ohne auch nur eine Sekunde in den Leerlauf zu schalten. Und wenn der Katz-und-Maus-Thriller mal durch eine Actioneinlage unterbrochen wird, dann kracht es so richtig. Vor allem bei der Verfolgungsjagd im Showdown, bei dem sich Matt Damon und Vincent Cassel an Intensität überschlagen, zieht sich ein kleines Grinsen über den Zuschauer-Mund, mit was für Szenen hier gearbeitet wird.

Im Grunde erinnert „Jason Bourne“ an ein gigantisches Schachspiel, Bourne gegen CIA. Regisseur Greengrass hat wunderbar die Dynamiken seiner Figuren herausgearbeitet. Bourne und Nicky funktionieren als Nicht-Liebespaar besser als es Matt Damon und Franka Potente noch zum Bourne-Beginn getan haben. Die Feindschaft zwischen Bourne und Asset, dem von Cassel gespielten Auftragskiller, wird so gut aufgebaut, dass man der Entladung entgegen fiebert und einen zufriedenstellenden Schlagabtausch bekommt. Alicia Vikander ist derweil der Stand-Out des Films. Ihre Figur ist großartig ambivalent geschrieben und von ihr wunderbar verkörpert. Man hofft ein wenig auf ein nächstes Aufeinandertreffen von Bourne und Vikanders CIA-Agentin Heather Lee.

Matt Damon ist zum vierten Mal "Jason Bourne"
Matt Damon ist zum vierten Mal “Jason Bourne”

Es gibt einen kleinen Subplot voller Start-Up-Manie, Angst um die eigene Privatsphäre und wie das CIA hierin verstrickt ist. Diesen Teil des Films hätte man gänzlich streichen können, da er letztendlich ins Leere führt. Es sei denn, die Filmemacher haben hier einen quasi Cliffhanger für ein kommendes Bourne-Abenteuer gelegt. Ansonsten kann man zu „Jason Bourne“ beruhigt den Daumen in die Höhe strecken.

Daumen hoch.