Steven Spielberg

Jäger des verlorenen Schatzes (1981)

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Bei einer Story von George Lucas und einem Drehbuch von Lawrence Kasdan (Das Imperium schlägt zurück, Die Rückkehr der Jedi-Ritter, Das Erwachen der Macht) ist es kaum verwunderlich, dass man sich letztendlich “Han Solo” Harrison Ford geholt hat, um als Indiana Jones in unserer Galaxis ein Abenteuer zu bestreiten – obwohl zuerst Tom Selleck für die Rolle im Gespräch war, aufgrund seiner Fernsehsendung Magnum aber keine Zeit für die Dreharbeiten aufbringen konnte.

Auffallen dürfte, dass dieser erste Film noch gar nicht den Namen Indiana Jones im Titel trägt und tatsächlich schlicht auf den oder die Jäger des verlorenen Schatzes (Raiders of the Lost Ark) hinweist, womit sowohl Indy, als auch seine Begleiterin Marion Ravenwood (Karen Allen) oder die Nazis unter der Leitung von Belloq (Paul Freeman) gemeint sein könnten.

Hier machen wir nun also zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem Archäologie-Professor und Abenteurer Indiana Jones, der von der US-Regierung angeheuert wird, um die legendäre Bundeslade zu finden, in der die zehn Gebote transportiert wurden. Die Schatzsuche wird zum Rennen gegen die Nazis, die die Macht des biblischen Relikts für sich nutzen wollen.

Jäger des verlorenen Schatzes

Marion (Karen Allen) kann es durchaus mit Indy (Harrison Ford) aufnehmen

Man mag sich nicht vorstellen, wie Indiana Jones mit Tom Selleck ausgesehen hätte. Vielleicht gar mit Hawaii-Hemd und Schnurrbart? Harrison Ford jedenfalls ist der perfekte, verwegene Draufgänger, wie er es zu dieser Zeit schon als Han Solo beweisen konnte. Zugleich gelingt es ihm aber auch, überzeugend den Anzug tragenden Uni-Professor zu geben.

Ford darf hier noch viel mehr seinen rauen Charme ausspielen, dem die Frauen – in diesem Fall Marion – unwiderstehlich finden. Indiana Jones ist eigentlich eher unliebenswürdig und lebt durch sein spitzbübisches Auftreten, hat in den Augen von Harrison Ford aber immer dieses begeisterte Funkeln parat, mit dem er auf der Jagd nach allerlei verlorenen Schätzen ist, nicht nur nach der Bundeslade.

Eigentlich ist es aber auch wieder verwunderlich, dass eine Frau wie Marion Ravenwood auf diesen Indiana Jones-Charme anspringt. Karen Allen (Die Geister, die ich rief) ist ihr eigener, weiblicher Indiana Jones. Sie ist stark, selbstbewusst und hat so manchen niederschmetternden Spruch parat. Sie ist darüber hinaus äußerst trinkfest und verteilt auch gerne harte Faustschläge, statt nur wild um sich zu fuchteln. Wo man davon ausgehen sollte, dass sich Gleich und Gleich eigentlich abstoßen sollten, finden wir in Indy und Marion eher die Bestätigung der “Was sich liebt, das neckt sich”-Regel.

Jäger des verlorenen Schatzes

Nazi-Gegenspieler Belloq (Paul Freeman)

Ähnlich verhält es sich mit den Nazi-Gegenspielern von Indy. Belloq und der Archäologe necken sich so heftig, dass wir als Zuschauer es nur lieben können. Es ist der filmische Einstand gegen die Nationalsozialisten, die später noch einmal für den letzten Kreuzzug zurückkehren werden. Es sind genau die richtigen Gegner. Die Verknüpfung von religiösen Artefakten mit den entsprechenden übernatürlichen Bezügen passen sowohl zu unserem Abenteuer-Professor als auch zu den abergläubischen Hitler-Gefolgsleuten.

Die Nazis haben sich im Indiana Jones-Universum zu den perfekten Bösewichten machen lassen (als ob sie das nicht ohnehin schon wären) und stehlen jedem Eingeborenen-Stamm (Tempel des Todes) und selbst den Sowjets (Königreich des Kristallschädels) die Show. Dementsprechend sind Hitlers Helfer das Beste, was Indiana Jones passieren konnte. Wie heißt es so schön? Ein starker Held definiert sich selbst durch noch viel stärkere Schurken.

Damit hat Steven Spielberg in 1981 weiter im Genre-Sandkasten gespielt. Mit Indiana Jones hat er aber offenbar etwas gefunden, womit er sehr gerne seine Zeit verbringt. Das klassische Abenteuer mit Schatzjagd ist zum Franchise-Magneten für Spielberg geworden, zu dem er immer wieder zurückkehren mag.

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