Er ist kein Freund von Fortsetzungen und hat harte Worte für die Massen an Superhelden-Verfilmungen parat gehabt, die seiner Meinung nach allesamt Einheitsbrei wären. Dann kommt „Independence Day: Wiederkehr“ daher und Regisseur Roland Emmerich liefert all das ab, was er zuvor gedisst hat. Die Rückkehrer – sowohl Aliens als auch Jeff Goldblum und Bill Pullman – treffen sich erneut auf unserem schönen Planeten Erde um allerhand Verwüstung folgen zu lassen. Da ist ein gigantisches Alien-Raumschiff, das sich auf den gesamten Atlantik niederlegt, da ist aber auch die menschliche Technologie, die durch den letzten Alien-Angriff modifiziert werden konnte. Aber trotzdem darf der US Präsident in Rente, Thomas J. Whitmore (Pullman), die harten Worte sprechen: „Dieses Mal können wir nicht gewinnen.“ Uuuuh, Dramaturgie!

Videoreview zu “Independance Day 2”

Goldblums verschrobener David Levinson und Bill Pullmans inzwischen mental gebeuteltes Ex-Staatsoberhaupt sollen nicht die einzigen Gesichter bleiben, die den 1996er Kinogängern oder später hinzu Gekommenen ein gewisses Nostalgiegefühl verleihen. Aber im Fokus steht eine jüngere, knackigere Cast, die glattgebügelt daherkommt, als würde sie einer dieser Hochglanz-Teenie-Serien à la „Gossip Girl“ entspringen. Gäbe es zu diesem Film ein Buch, wäre es vermutlich eine Young Adult Novel mit einer Alien Invasion als Hauptthematik, aber eben auch mit pubertierenden Jünglingen, die in die verschiedensten Beziehungsgeflechte verstrickt sind. A ist ein guter Freund von B gewesen, B ist mit C zusammen, während er zugleich mit D befreundet ist, der sich in F verliebt. Wenn sich Herr Emmerich also von den Superheldenfilmen distanzieren möchte, dann nähert er sich zugleich all den „Maze Runner“-Filmen, der „Divergent“-Reihe, den „Beautiful Creatures“ an, was qualitativ und inhaltlich ähnlich schwer zu ertragen ist.

Trailer zu “Independance Day 2”

Die Darsteller in “Independance Day 2”

Liam Hemsworth Gesicht prägt man sich hierbei vermutlich noch am ehesten ein, auch wenn das durchaus passieren kann, weil man immer seinen großen Bruder „Thor“ Chris Hemsworth vor Augen hat. Während der sich sowohl als Action-Donnergott, als auch als „Ghostbusters“-Sekretär in diversen Genres zu Hause fühlen darf, bleibt Liam derzeit noch ein unbeschriebenes – langweiliges – Blatt. Selbst die One Liner wirken noch erzwungen aus ihm heraus geprügelt und jedes süffisant-arrogante Lächeln bleibt allenfalls als aufgesetzt in Erinnerung. Die übrigen Herren und Damen, von Jessie T. Usher als Dylan Hiller, Steven Hillers (Will Smith im 1996er Original) Sohn, bis hin zu dem chinesischen Model Angelababy als taffe Kampfjet-Pilotin Rain Lao, die den Tod ihres Onkels fünf Sekunden betrauern darf, bevor das Leben ganz normal weitergeht, prägt sich allenfalls ein wenn man sich ihre Gesichter nach dem Film noch einmal in der IMDb oder auf Wikipedia anschaut.

Es gibt aber immer wieder diese kleinen Momente, in denen man dann doch ein Lächeln durch das Gesicht zieht, während man versucht „Independence Day: Wiederkehr“ zu ertragen. Ganz einfache Erklärung: Immer wenn Bill Pullman oder Jeff Goldblum auftauchen. Zugegeben, Pullman schlafwandelt durch den Film und musste vermutlich beharrlich dafür kämpfen, seiner Rolle eine gewisse Verrücktheit mitzugeben, um überhaupt irgendwas zu spielen zu haben. Derweil scheint Goldblum den ganzen Unsinn sichtlich erkannt zu haben, nimmt es sich aber einfach heraus, das in den größtmöglichen Spaß umzuwandeln, der für ihn hierbei herausspringt. Derweil hat die beste Wahl wohl Will Smith getroffen, der zwar als Gemälde an der Wand des Weissen Hauses hängen darf, in Person aber keinen Auftritt absolviert. Er ist dann eben zu den Superhelden in die „Suicide Squad“ abgewandert – und vielleicht liegt denn auch genau dort der Genre-Groll von Roland Emmerich begründet.

Man muss wohl niemanden sagen, dass „Independence Day: Wiederkehr“ ein simpler Blockbuster ohne viel Logik ist. Gar kein Problem. Manchmal braucht man so etwas: Hirn aus, zurücklehnen, entspannen, berieseln lassen. Aber selbst hier funktioniert der Film nicht. In Dauerschleife werden Regeln dieser Filmwelt aufgestellt und selbst wieder gebrochen. Auf ein „Wir können das so nicht machen“ wird es ohne Konsequenzen genauso gemacht. Und die Schnellrasur von Super-Vollbart Ex-Präsident Whitmore in viel zu alt aussehenden, aber immerhin rasierten Bill Pullman muss man auch irgendwann noch einmal erklären.

Daumen runter für Roland Emmerichs „Independence Day: Wiederkehr“.