Filmkritik

Review: In “Ruhet in Frieden” zeigt sich Liam Neeson in einem atmosphärischen Krimithriller

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Die Sache mit Liam Neeson-Filmen ist, dass die Erwartungen inzwischen immer in Richtung Actionfilm gehen. Nach The Equalizer möchte man Denzel Washington irgendwann einmal mit Neeson vereint sehen, denn beide Männer können nicht nur Action, sondern auch die ruhigen Momente in einem Actionfilm überzeugend rüberbringen. Wo Taken (oder 96 Hours in Deutschland) eher in die Fußstapfen eines Jason Stathams tritt, wurde der Neeson-Thriller Non-Stop oftmals als moderner Hitchcock bezeichnet. Soweit sollte man mit Ruhet in Frieden – A Walk Among the Tombstones von Regisseur Scott Frank nicht gehen, aber Freunde des guten Krimithrillers, dürfen sich bei Liam Neeson für diesen Film bedanken.

Auf dem Regiestuhl eher unerfahren, hat Frank bereits Drehbücher zu Filmen wie der Gangsterkomödie Schnappt Shorty, dem Sci-Fi Thriller Minority Report und zuletzt zur Comicverfilmung Wolverine – Weg des Kriegers abgeliefert. Mit A Walk Among the Tombstones leistet er als Drehbuchautor und Regisseur Doppelarbeit, hat seine Geschichte aber nach dem gleichnamigen Roman von Lawrence Block adaptiert.

Dieser hat seinen Privatermittler Matthew Scudder, hier nun von Neeson verkörpert, bereits über fünfzehn Mal zum Einsatz gebracht. Zum ersten Mal 1976 in The Sins of the Fathers, zuletzt 2011 mit A Drop of the Hard Stuff. Die verfilmte Geschichte liegt irgendwo mittendrin, wurde 1992 veröffentlicht. Man schnuppert geradezu das Franchise-Potential, wenn man sich die lange Liste an möglichen Titeln für weitere Auftritte Scudders anschaut.

A Walk Among The TombstonesScudder war einmal Cop, ohne einen großen Sinn für Moral. Im Dienst trinkt er regelmäßig Alkohol, ist aber im Notfall bei der Sache. Bei einer Schießerei trifft eine seiner Kugeln ein kleines Kind und das war’s mit dem Dasein als Hüter von Recht und Ordnung. Würde im wahren Leben aus jedem Cop, der einen Fehler begeht, ein Privatdetektiv werden, man darf vermuten dass die USA ein Staat voller Schnüffler mit Trenchcoat und Schlapphut wäre. Einige Jahre später ist er Privat unterwegs, erledigt Aufträge – oder Gefallen, wie er es nennt – gegen Geschenke, die zumeist aus einer Menge Dollarscheinen bestehen. So gerät er inmitten eines Entführungsfalles, bei dem er es mit einer Bande zu tun bekommt, die offenbar die Angewohnheit hat, erst das Lösegeld zu kassieren und dann die Entführte dennoch zu töten.

Ja, Neeson setzt hier und da seine Fäuste dazu ein, um die Entführer dingfest zu machen. Bis es aber tatsächlich soweit kommt, darf er reichlich Ermittlungen anstellen, die ihn zu den unterschiedlichsten Personen führen, die in Rückblenden den Fall für Scudder aufarbeiten. Daraus entsteht das Gefühl von unzuverlässigen Erzählungen, die hier mit der Detektivarbeit Scudders kombiniert werden. So muss er sich nach und nach seine eigene Wahrheit zurecht legen. Dabei kommt es ihm vermutlich nicht sonderlich zu Gute, dass er der einzige Mensch auf Erden scheint, der nicht viel auf Computer und Handys hält – als Privatdetektiv, wohlgemerkt. Hier wird überdeutlich, dass die Figur in ihrer Entstehungszeit der späten 70er Jahre gehalten werden sollte, während das Umfeld in die Jetzt-Zeit verlegt wurde, um uns zugänglicher zu erscheinen. Es wäre sicherlich kein Fehler gewesen, uns Scudder tatsächlich in einem 70er Jahre Setting, einem Krimi-Noir zu servieren.

Das macht Neeson aber durch seine charmante Art aber wieder wett. „Was würdest du davon halten wenn ich dir das Messer einfach wegnehme und dir durch den Hals ramme?“ – „Das können Sie?“ – „Ja, das könnte ich machen.“ Liam Neeson ist eben immer noch ein Mann mit ganz speziellen Fähigkeiten. Eine davon ist es, uns glänzend zu unterhalten. Ruhet in Frieden senkt sein Unterhaltungspotential in der zweiten Hälfte leider ein wenig, bleibt atmosphärisch aber immer noch als guter Krimithriller in Erinnerung.

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