Filmkritik

Review: In “Joe” zeigt David Gordon Green das Nicolas Cage es noch drauf hat

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Joe (Nicolas Cage) mit seinem neuen besten Freund Gary (Tye Sheridan) in David Gordon Greens "Joe - Die Rache ist sein" // alle Bilder © Kochmedia

Joe (Nicolas Cage) mit seinem neuen besten Freund Gary (Tye Sheridan) in David Gordon Greens “Joe – Die Rache ist sein” // alle Bilder © Kochmedia

Erst machte sich Regisseur David Gordon Green einen Namen mit überdrehten Komödien, darunter Der Ananas Express und Your Highness, beide in Zusammenarbeit mit James Franco entstanden. Langsam bewegte er sich dann aber in Richtung einer ruhigen Welt in den Wäldern und der Abgeschiedenheit der USA. Noch als Komödie kümmert sich Patton Oswald in Die Natur ruft! um eine Gruppe von Pfadfindern, die eben jene Wälder durchstreifen. Dann folgte schon der herausragende Prince Avalanche, mehr Charakterstudie und Landschaftsaufnahmen, getragen durch die sichere Hand der Inszenierung und den beiden Hauptdarstellern Emile Hirsch und Paul Rudd. Immerhin mit dem Silbernen Bären der Berlinale für die beste Regie ausgezeichnet.

Gordon Green bleibt sich weiterhin treu, wenn er nun in Joe – Die Rache ist sein Hauptdarsteller Nicolas Cage ebenso in die Wälder schickt. Mit seiner Mannschaft von Tagelöhnern werden hier mit Macheten Äste abgeschlagen und Bäume mit Chemikalien vergiftet, damit sie absterben und den Männern das Fällen dieser altehrwürdigen Kreaturen erleichtern. Die Abholzung geschieht am Rande einer Hanldung, die nach dem 1991er Roman von Larry Brown abläuft und Nicolas Cage als Ex-Knacki Joe zeigt, der sich durch diesen Job wieder hervorragend in das normale Leben eingegliedert hat.

Gary muss daheim einiges ertragen.

Gary muss daheim einiges ertragen.

Zumindest gilt dass so lange, bis er den 15 Jahre jungen Gary trifft, der bei ihm um Arbeit bettelt. Dieser fleißige Junge, das findet Joe bald heraus, kommt allerdings aus einem Elternhaus, in dem der Vater nicht nur trinkt, sondern auch um sich schlägt und das Geld von Gary immer und immer wieder einkassiert, um damit seine Trinksucht zu befriedigen. Gary wird von Tye Sheridan gespielt – Jahrgang 1996 – der mit seinen vorherigen Rollen in Terrence Malicks The Tree of Life und an der Seite von Matthew McConaughey in Mud (noch so eine Home Release Veröffentlichung, die man sich nicht entgehen lassen sollte) schon starke Jugendrollen für sich ausgewählt hat. Vor allem aber weiß er sich neben großen Darstellern zu behaupten und lässt sich nicht unterbuttern.

Und ja, auch Nicolas Cage findet in Joe zu alter Größe zurück. Das ist die wahre Tragik der Geschichte, dass dieser Mann, der in den 90er Jahren noch beständig gute Filme ablieferte, inzwischen nur einmal alle fünf oder sechs Jahre einen Glückstreffer landet. Joe erweist sich als solcher Glückstreffer mit Cage in einiger Distanz zu seiner sonst so überschwänglichen Darstellungsweise. Einige Ausraster darf er sich als Joe aber leisten, hat dieser Mann doch selbst viel zu verarbeiten. Er muss Acht darauf geben, nicht in alte, aggressive Verhaltensmuster zurück zu verfallen, was vor dem Hintergrund seiner Freundschaft zu dem Jungen gar nicht so einfach ist. Anfangs kann er noch zur Seite schauen, wenn er beobachtet, wie der Vater den Sohn schlägt, aber je mehr Gary sich Joe als Neu-Vater aussucht, desto emotionaler wird auch die Verbindung zu dem Jungen seitens Joe.

Joe – Die Rache ist sein spielt an einem dieser Orte, die ewig zeitlos wirken. Man weiß gar nicht so genau ob der Film im hier und jetzt oder in ferner Vergangenheit spielt. Wir werden irgendwo ins Nirgendwo gezogen, wo die Menschen noch mit dreckig-verschwitzen Unterhemden auf den Terrassen ihrer Baracken sitzen und in die Leere starren. Aber gerade hier fühlt sich David Gordon Green offenbar stark in seinen Regiearbeiten. Gerne darf er hierher immer und immer wieder zurückkehren. Und gerne darf er auch noch einmal Nicolas Cage befehligen. Offenbar ist er ein Regisseur, der es noch versteht diesen Mann zu großen Leistungen zu bewegen.

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