Filmkritik

Review: In “Annabelle” zeigt John R. Leonetti die langweilige Vorgeschichte zu “The Conjuring”

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Die schwangere Mia (Annabelle Wallis - ja, sie heißt Annabelle) und ihr Freund John (Ward Horton) stehen auf gruselige Püppchen // alle Bilder  © Warner Bros. Germany

Die schwangere Mia (Annabelle Wallis – ja, sie heißt Annabelle) und ihr Freund John (Ward Horton) stehen auf gruselige Püppchen // alle Bilder © Warner Bros. Germany

Was ist eigentlich gruseliger? Eine grotesk dreinblickende Puppe, die jede Angst vor Clowns zu Nichte macht. Mit Schrammen übersät, abgeblätterter Farbe, starrer Blick nach vorne, man erwartet jeden Moment einen sich herum drehenden Kopf. Oder aber eine Frau, die sich über eine solche Puppe freut wie ein kleines Kind, sie sich ins Zimmer stellt, wo sie unter vielen anderen Schmuckstücken ihresgleichen erst so richtig zur Geltung kommt? Man tendiert zu Letzterem und vermutet schon fast irgendeine psychische Störung, eine Abneigung gegen sich selbst, verborgen hinter dieser Leidenschaft für Gruselpuppen.

Trotzdem beginnt Annabelle von Insidious und The Conjuring Kameramann John R. Leonetti eben genau so. Es soll ja nun einmal auch um diese Puppe gehen, die schon in The Conjuring zu sehen war und dessen Vorgeschichte nun gezeigt werden soll. Dazu gehört Annabelle genauso wie das verrückte Ehepaar, das eigentlich gar nicht verrückt ist, sondern einfach nur unglaublich naiv – vermutlich haben sie auch noch nie in ihrem Leben einen Horrorfilm gesehen. Oder wie sollte man es sich erklären, dass nächtliche Schreie aus dem Nachbarhaus sofort erkundet werden müssen, natürlich ohne jegliche Bewaffnung, und erst mit den ersten verblutenden Opfern wird dann auch endlich mal die Polizei gerufen. Natürlich ist das unglaublich mutig, kann aber eben auch mit purer Dummheit gleichgesetzt werden.

Es eröffnet auf jeden Fall den bösen Teufelskultanhänger, die bei den Nachbarn ein Blutbad angerichtet haben, nun auch noch die Möglichkeit in das finstere Puppenhaus einzudringen. Überraschend können sie zur Strecke gebracht werden, nur um all ihre Boshaftigkeit auf die kleinen Annabelle-Puppe zu übertragen.

Hinter Mia lauert das Böse.

Hinter Mia lauert das Böse.

Es gibt eine ganze Szene im Film, die Gänsehaut erzeugt und gar nicht so schlecht gefilmt wurde. Die Frau des Hauses sieht im Nebenzimmer ein kleines Mädchen stehen. Ein Geist. Dieser läuft los, quer durchs Zimmer, ist kurz von der Tür verdeckt und auf einmal ist dort eine schrecklich gruselig ausschauende Horrorgestalt einer erwachsenden Frau, die die Hand ausstreckt, zugreift und verschwindet. Das ist nicht unbedingt ein Schocker, ist aber gut inszeniert. Schaut hübsch aus. Sollte es auch. Der Regisseur ist immerhin viel mehr Kameramann und sollte von diesem Handwerk so einiges verstehen.

Leider hat er das mit der Regie noch nicht so raus und seine vorherigen Werke Mortal Kombat 2 – Annihilation und The Butterfly Effect 2 sprechen da auch nicht unbedingt für ihn. Derweil fragt man sich wie viel Arbeit Annabelle-Kameramann James Kniest hier nun wirklich vollführen durfte, oder ob ihm von Leonetti einiges abgenommen wurde. Es wirkt jedenfalls von der Kameraführung immer ein wenig wie Insidious oder eben The Conjuring, während die Konzentration auf die Regie zu fehlen scheint.

Ebenso einfallslos werden die Schockmomente eingespielt: merkwürdige Geräusche, kennt man bereits aus allem anderen was sich so Horrorfilm schimpft, Störungen auf dem Fernsehgerät, Geistererscheinungen im Hintergrund, nur für uns im Bild, von den Protagonisten ungesehen. Oder aber gar auf dem Herd explodierendes Popcorn, bei dem man sofort in Gedanken bei Scream ist, ebenso wie ein von selbst auf die Straße rollender Kinderwagen, der arg das Ghostbuster-Feeling aufkommen lässt.

Es sollte immer das Bestreben eines Filmemachers sein, in den doch sehr breit gefächerten Genrekonventionen zumindest einen kleinen Hauch von Innovation walten zu lassen. Das ist jedoch etwas, was man in Annabelle überhaupt nicht zu spüren bekommt.

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