filmtogo.net

“Ich – Einfach Unverbesserlich 2” ist eine Schurkenschlacht um die Minions

0

Lange Nase, Glatze, eine eher kränkliche Körperhaltung und ein Akzent, mit dem er als kleiner Junge die Mädchen verschreckt hat. An seiner Seite eine ganze Armada von Erdnuss-ähnlichen Winzlingen, die in ihrer ganz eigenen Brabbel-Sprache weniger wie finstere Advokaten eines Superschurkens wirken und mehr wie niedliche Gnome. Minions eben, durch die schon Ich – Einfach Unverbesserlich im Jahre 2010 zum Animationsfilm-Überraschungserfolg wurde. Wenig verwunderlich also, dass Illumination Entertainment eine Fortsetzung gemacht hat, um die Minions und ihr schrecklich scheußliches Schurkenoberhaupt Gru in ein Franchise zu verwandeln.

Aber reicht all die schurkische Exzentrik des ersten Teils nicht schon aus, um unser Bedürfnis an einer Figur wie Gru zu befriedigen? Funktionieren die Minions immer noch, obwohl wir uns nun vermutlich schon an ihre Existenz gewöhnt haben? Was kann Gru mit seinen Minions überhaupt noch in der Welt der Superbösewichte bewirken, wo er sich in Ich – Einfach Unverbesserlich doch schon vom Mond-Dieb zum liebenden Familienvater entwickelt hat? Aber es darf Entwarnung gegeben werden. Ich – Einfach Unverbesserlich 2 weiß ganz genau, was uns am ersten Teil gefallen hat und woran wir uns nicht genug satt sehen können. Wenn die Minions auftauchen, durch das Bild kullern, in ihrem Brabbel-Wahn wie Erdnuss gewordene Stooges wirken, dann sind wir einfach wieder mittendrin in dieser wundervollen Schurkenwelt. Der Film versteht es ungemein und ungewöhnlich gut, die Stärken des erste Teils mit neuen Geschichten zu kombinieren.

Ich - Einfach Unverbesserlich

Gru und seine Minions sind zurück

Gru bleibt dabei Gru, so wie wir das Trottel-Genie kennengelernt haben. Noch viel mehr muss er sich nun natürlich als alleinerziehender Vater seiner drei Adoptivtöchter behaupten. Da kommt der Geburtstag der jüngsten Tochter Agnes als wunderbar groteskes Bild daher. Gru als zauberhafte Märchenfee im pinken Kleid. Man tut ja so einiges um die Wünsche der eigenen Tochter zu befriedigen. Im nächsten Moment kann Gru aber schon wieder im Super-Waffen-Duell gegen Agentin Lucy Wilde antreten, eine der Neuzugänge für die Fortsetzung.

Sie rekrutiert Gru für die Anti-Verbrechens-Liga (AVL). Ein bisher unbekannter Schurke hat ein geheimes Labor überfallen und ein Serum gestohlen, das kleine, harmlose Kreaturen in wilde Monster verwandeln kann. Das ganz nebenbei nach und nach die Minions spurlos verschwinden, dürfte erklären, wo der Plan hinführen soll. Gru wird zum Profiler, soll als Schurke den Schurken entlarven. Hierfür macht er gemeinsame Sache mit Lucy Wilde, eine hyperaktive Partnerin für den eher gemächlichen Fiesling. Die beiden starten eine Undercover-Aktion im lokalen Super-Shopping-Center und nehmen dort die verschiedensten verdächtigen Ladenbesitzer etwas genauer unter die Lupe.

Derweil sind Grus drei Kids mit ihren ganz eigenen Problemen beschäftigt. Margo ist dabei sich zu verlieben, Edith probiert sich als Ninja aus und Agnes schwärmt davon, einmal eine Mutter zu haben. Das Gru-niversum wird dann eben auch um Lucy Wilde erweitert, so dass sich der gar nicht mehr so schurkische Schurke mehr mit dem ausbalancieren seines Familien- und Berufsleben beschäftigt sieht.

Ich - Einfach Unverbesserlich

Gru mit Agentin Lucy Wilde

Dem entgegen steht der wirkliche Bösewicht, der die Minions in eine Armee allesfressender Wirrköpfe verwandelt. Damit hat Ich – Einfach Unverbesserlich 2 die stärkste Waffe des ersten Teils ein wenig mehr in den Mittelpunkt der Geschichte gerückt. Somit bleiben auch hier die Minions die heimlichen Helden, die im Hausmädchen-Kostüm oder 90er Jahre Boy Band für die besten Lacher sorgen. Trotzdem haben die Regisseure Pierre Coffin und Chris Renaud keinen reinen Minions-Film gemacht (noch nicht!). Dafür bleibt Gru viel zu sehr im Vordergrund, man hat sich Mühe mit der Neueinführung von Lucy Wilde gegeben und auch den Töchtern genug Platz eingeräumt, um wieder so niedlich zu sein, wie der “Es ist so flauschig”-Auftritt von Agnes im ersten Ich – Einfach Unverbesserlich.

Da es in Animationsfilmen viel zu selten vorkommt, muss hier auch die Musik des in Brasilien geborenen Heitor Pereira gelobt werden. Er bewegt sich zwischen Superhelden/-schurken-Film und Agenten-Abenteuer, am ehesten mit Pixars Die Unglaublichen zu vergleichen. Ganz gleich wie abgedreht der Film gerade wird – vom mexikanischen Kampfhuhn bis zum Superschurken-Duell mit entsprechenden Weltvernichtungs-Maschinerie – Pereira findet immer die richtigen musikalischen Stücke, um diese Momente wirken zu lassen. Mal fühlt man sich dabei wie in einem James Bond-Cartoon, dann wieder wie bei Superman.

Es gelingt einer Fortsetzung nur äußerst selten ihren Vorgänger in den Schatten zu stellen und auch Ich – Einfach Unverbesserlich 2 muss sich hier geschlagen geben. Aber dem Film gelingt es immerhin, fast gleichauf zu ziehen mit dem Erstlingswerk aus dem Hause Illumination Entertainment. Das heißt immer noch verdammt gute Unterhaltung. Solange man sich nicht satt gesehen hat an Gru, den Minions und der Welt in der sie ihre wahnwitzigen Abenteuer erleben, ist dieses Franchise eine willkommene Kino-Unterhaltung.

 

Comments

Leave a reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Login/Sign up