Stellt euch einen Furby vor, der vor den Augen eines Kindes zum Pokemon Ratzfatz wird. Die Reaktion hierauf dürfte ähnlich ausfallen wie die Verwandlung eines süßen, plüschigen Mogwais in ein fieses Gremlin. Das geschieht in einer idyllischen Kleinstadt, über die Regisseur Joe Dante (Die Reise ins Ich, Meine teuflischen Nachbarn) die Kontrolle hat. An seiner Seite sind Drehbuchautor Chris Columbus und Produzent Steven Spielberg. Sie bilden ein diabolisches Trio, das 1984 die Gremlins auf uns losgelassen hat.

Billy (Zach Galligan) bekommt von seinem Vater zu Weihnachten einen kleinen Mogwai geschenkt, den dieser aus einem mysteriösen Laden in Chinatown hat. Es gelten nur wenige Regeln im Umgang mit diesem Wesen zu beachten: bitte nicht mit Wasser in Berührung kommen lassen und auf gar keinen Fall nach Mitternacht füttern! Aber ist es nicht irgendwie immer nach Mitternacht? Dementsprechend müssen diese Regeln natürlich gebrochen werden, womit sich das besinnliche Weihnachtsfest in die reinste Apokalypse verwandelt.

Gremlins
Zach Galligan als Billy (links), Corey Feldman als Pete (rechts) und Gizmo, der kleine Mogwai.

Die Regeln des Spiels gehen wie folgt: Kommt ein Mogwai mit Wasser in Berührung, vermehrt es sich. Es ist die Geburt einer ganzen Horde von kleinen, niedlichen Mogwai-Kreaturen. Werden diese dann nach Mitternacht gefüttert, werden sie zu rebellierenden Teenagern, zu ungemütlichen Gremlins. Das perfekte Bild zum Weihnachtsfest, wo die Kinder noch niedlich sind, während die Teenies mit ihrem pubertierenden Gequengel alles sabotieren wollen.  

Der Film macht Spaß, im tiefsten Inneren ist Gremlins dennoch eine recht simpel gestrickte Geschichte, fast schon vollgestopft mit Stereotypen. Da ist der mysteriöse Laden in Chinatown, als befinden wir uns direkt in Big Trouble in Little China und warten nur auf die Rettung durch Kurt Russell. Das Geschenke auspacken unterm Weihnachtsbaum ist ein Klassiker, der sofort sämtliche Weihnachtsfilme in Erinnerung ruft, die wir je gesehen haben. Und so bastelt sich Gremlins zum Standard-Weihnachtsfilm, der uns aber gerade durch die Kreaturen in Erinnerung geblieben ist oder bleiben wird, die sich seit den 80er Jahren in der Popkultur festgesetzt haben.

Gerade die Gremlins treten als fiese Monster auf, denen wir ganz sicher nicht begegnen möchten. Es war ein klarer Vorteil für den Film, in den 80ern entstanden zu sein, wo noch keine CGI-Effekte auf der Tagesordnung standen. Die Puppenfiguren tragen eine Menge zum gruseligen Charme der Monster bei. Davon wollten danach auch einige andere Filmproduktionen profitieren, wovon wohl am ehesten Critters zwei Jahre später in den Sinn kommen wird (immerhin war Critters 3 dann das Spielfilmdebüt eines gewissen Leonardo DiCaprio).

Gremlins, Gizmo
Gizmo der Mogwai ist doch wohl das perfekte Weihnachtsgeschenk, oder?

Die niedlichen Plüsch-Mogwais haben es derweil als Kuscheltiere in die Regale der Supermärkte geschafft oder waren in den Greifarm-Automaten auf Jahrmärkten zu finden – oder sind es immer noch. Ob niedlich oder fies, ob Mogwai oder Gremlin, dieser Film hat Monster gesellschaftstauglich gemacht.

Dann wären da aber auch noch die Gremlins, die alles eher ins Lächerliche ziehen. Vielleicht war das der Moment, in dem die Filmemacher merkten, dass die puren Gremlins vielleicht doch etwas zu gruselig daherkommen. Also bekommen wir den Gangsterboss-Gremlin, den Breakdance-Gremlin, den Puppenspieler-Gremlin. Und über den zweiten Gremlins-Film wollen wir gar nicht erst sprechen.

Viele Jahre später (1998) hat Joe Dante noch Small Soldiers gemacht – vor Toy Story (1995), bei dem kleine Spielzeug-Soldaten zum Leben erwachen und eine Kleinstadt terrorisieren. Dieses Mal stellen sich ihnen aber kleine Monster entgegen. Als wären die Gremlins und Mogwais aus den Supermarkt-Regalen zum Leben erwacht und würden nun als uns lieb gewonnene Freunde an unserer Seite gegen das übrige Spielzeug kämpfen.