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90s Teen Horror #3 | “Düstere Legenden” (1998)

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I dare you all: Stellt euch vor einen Spiegel und sagt dreimal den Namen “Bloody Mary” auf. Eine Urban Legend besagt, dass daraufhin ein Geist im Spiegel erscheinen wird, der sowohl Gutes, aber meistens eher schlechte Dinge im Sinne hat. Die “Bloody Mary”-Legende gehört zu den vermutlich bekanntesten Schreck-Geschichten, die in dem 1998er Düstere Legenden aufgegriffen werden.

Mit seinem Teen-Horrorslasher hat Regisseur Jamie Blanks (Schrei, wenn du kannst) die Kill-Quote aus Scream mit der Grittiness aus Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast kombiniert. Hinzu kommt die Prämisse, bei der die Morde nach dem Muster von bekannten Horrorgeschichten ablaufen. Und natürlich eine Jung-Cast bestehend aus dem späteren Oscar-Preisträger Jared Leto (Dallas Buyers Club), Alicia Witt (Nashville), Rebecca Gayheart (Beverly Hills 902010), Michael Rosenbaum (Smallville), Tara Reid (American Pie) und Joshua Jackson (natürlich Dawson’s Creek).

Der Film erzählt von der Studentin Natalie (Witt), die an der Uni mit ihren Freunden einen Kurs zu solch Urban Legends  bei Professor Wexler (von Freddy Krueger-Darsteller Robert Englund gespielt) besucht. Unter seinen zahlreichen Beispielen findet sich auch eine düstere Legende über die Universität selbst wieder. Es dauert dann auch gar nicht lange, bis überall auf dem Campus Morde geschehen, die alle in irgendeiner Form mit den Legenden in Verbindung gebracht werden können.

Düstere Legenden

Joshua Jackson, Rebecca Gayheart, Michael Rosenbaum & Alicia Witt (v.l.n.r.) in “Düstere Legenden”

Zu diesem Zwecke mag die Cast auf den ersten Blick geradezu hervorragend erscheinen, vor allem wenn man ihre späteren Rollen bedenkt, wird hier aber dennoch miserable eingesetzt. Sowohl Michael Rosenbaum als auch Tara Reid spielen nicht allzu liebenswerte Figuren, ein Schicksal dass das Drehbuch auch für Joshua Jackson bereit hält. Es scheint so, als wollte Autor Silvio Horta von vornherein klar machen, dass wir eigentlich für den Mörder jubeln sollten, da die Teenies hier unausstehliche Bratzen sind.

Jared Leto mag schon hier ein größerer Name gewesen sein (in erster Linie für seine Serie Willkommen im Leben), seine Rolle beschränkt sich allerdings auf drei bis vier Auftritte, als habe man ihn mit einem “Bloody Jared” kurz heraufbeschworen.

Derweil gibt Alicia Witt die Leading Lady, die mit keiner der vorherigen Scream-Queens verglichen werden darf. Sowohl Neve Campbell in Scream, als auch Jennifer Love Hewitt in Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast sind starke Frauenfiguren, die den dummen Blondchen-Stereotyp widersprechen. Witt allerdings ist ebenso lieblos dahingeklatscht, wie all die anderen Charaktere dieses Films.

Darüber hinaus merkt man in Düstere Legenden förmlich die Einfallslosigkeit, mit der bei anderen 90s Teen Horrorfilmen kopiert und geklaut wird. Wenn wir Natalies Vergangenheit in einem Flashback erleben, könnte man den Film hiernach auch “Ich weiß, was du damals getan hast” nennen.

Düstere Legenden

Alicia Witt mit Jared Leto in “Düstere Legenden”

Und auch das Rätselraten um den Täter ist eigentlich ein vergebliches Unterfangen. Was in Scream noch charakterlich passt und am Ende mit einer entsprechenden Begründung auch irgendwie Sinn gemacht hat, wird in Düstere Legenden zur konstruierten Absurdität.

Ab dem Moment, in dem sich das große Böse enttarnt, wird die Figur gänzlich umgeschrieben. Auf einmal fühlt es sich wie eine ganz neue Rolle an, als hätte man keinerlei Idee gehabt, wie man dem Killer eine Rechtfertigung für die Taten zukommen lassen könnte. Durch die hieraus resultierende Neuausrichtung wirkt dann natürlich die gesamte Auflösung der Handlung ebenso konstruiert wie die Täterfigur selbst.

Ein weiteres Problem sind die Legenden an sich. Einzig die “Bloody Mary”-Story könnte man noch kennen – ob nun aus anderen Filmen oder überhaupt. Die übrigen Stories bedürfen ihrer jeweiligen Erklärung oder fallen gar nicht weiter auf, da sie gänzlich unbekannt daherkommen. Darauf dann die Handlung eines Films zu stützen, wirkt letztendlich nur noch suboptimal.

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