Kinokritik

Chris Pine erstrahlt im rauhen Neo-Western “Hell or High Water”

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Mit seinem Film Hell or High Water ist Regisseur David Mackenzie (Perfect Sense) etwas recht cooles gelungen. Er hat einen Neo-Western erschaffen, bei dem sich alles nach Cowboy und alter Westen anfühlt. Stellenweise gibt es sogar noch solche Cowboys zu sehen, die an einer Tankstelle auf ihr Pferd steigen und davonreiten. Dann aber stehen dort zwei Figuren (Chris Pine & Ben Foster), die mit ihrem Auto unterwegs sind. Es funktioniert. Mackenzie hat nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan (Sicario) Texas in den Wilden Westen zurückverwandelt, was ganz schön charmant wirken kann.

Ben Foster (grundsätzlich stark und unterschätzt) und Chris Pine (in seiner bisher besten Performance) spielen zwei Brüder, die eine Reihe von kleinen Banken berauben, um mit dem Geld ihre Farm zu retten. Während Tanner (Foster) immer gieriger wird, möchte Toby (Pine) wirklich nur das nötigste stehlen. Vor allem weil sich ein grantiger Texas Ranger (Jeff Bridges) mit seinem Partner an die Fersen der Bankräuber-Brüder geheftet hat.

Hell or High Water

Ben Foster (links) und Chris Pine (rechts) in “Hell or High Water”

Neben der durch Mackenzie erzeugten Atmosphäre, spielen die Darsteller hier eine enorme Rolle in der Glaubwürdigkeit und dem Mitgefühl, das man gegenüber allen Beteiligten aufbaut. Wir haben es mit Bankräubern zu tun, die andere Menschen mit ihren Waffen bedrohen. Dennoch fühlen wir mit ihnen, wissen um die Not der Lage bescheid. Vor allem Chris Pine, der den etwas gesetzter agierenden Bruder spielt, kann uns mit seiner Art und Weise auf seine Seite ziehen, ganz gleich was er mit seinem Bruder gerade veranstaltet.

Das ist gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Man denke nur an Filme wie Don’t Breathe oder Assassin’s Creed. Während Don’t Breathe immerhin noch als einer der besten Horrorfilme des vergangenen Jahres gilt, konnte man den Figuren nicht viel abverlangen, wo es sich doch um eine Gang von unsympathischen Einbrechern handelte. In der Videospieleverfilmung Assassin’s Creed übernimmt Michael Fassbender die Rolle eines Mörders. Auch wenn er sich versucht zu rechtfertigen, dass er nur einen Zuhälter ermordet habe, macht ihn das alles andere als sympathisch.

Wo also andere Filme scheitern, ihre Einbrecher und Mörder als filmische Identifikationsfiguren zu etablieren, gelingt es Hell or High Water seine Bankräuber als “Helden” aufzubauen. Dennoch sehen wir uns ebenso auf der Seite von Jeff Bridges. Ganz einfach weil er Jeff Bridges ist. Er spielt wieder diesen grummeligen Brummbär, der eher Worte murmelt, als dass man ihn ordentlich verstehen könnte.

Hell or High Water

Jeff Bridges als Texas Ranger mit seinem Partner, gespielt von Gil Birmingham

Alle gehen in ihren Rollen auf, liefern ganz und gar nicht eine Auftragsarbeit ab, die einem Gehaltscheck gleicht. Viel mehr wird hier so gut und überzeugend gespielt, dass man recht schnell die Bekanntheit der Gesichter vergisst und die Rollen in den Vordergrund treten. Das ist Chris Pine bisher in noch keinem Star Trek-Film gelungen. So gut sein Captain Kirk auch abschneiden mag, bleibt er an der Oberfläche eben ein Chris Pine.

Und dann landen wir irgendwann an dieser eingangs erwähnten Tankstelle, an der ein Cowboy sich auf sein Pferd schwingt, nachdem er sich offenbar gerade aus dem Saloon verabschiedet hat. Viel schöner ist, was in dieser Szene folgt. Fosters Tanner wird von ein paar Hillbillys angepöbelt. Ohne Vorwarnung erscheint dann aber sein Bruder Toby, der sich mit rauher Südstaaten-Mentalität über die Unruhestifter hermachen darf. Da folgen harte Schläge, bei denen man selbst zusammenzuckt. Zugleich wird ohne viele Worte die Brüderbande zwischen diesen beiden Männern deutlich.

Die Konstellation Jeff Bridges vs. Chris Pine & Ben Foster erinnert an Tommy Lee Jones und Harrison Ford in Auf der Flucht. Die Brüder-Paarung wiederum lässt Gedanken an die Gecko-Brüder aus Robert Rodriguez’ From Dusk Till Dawn oder die MacManus-Familie in Der blutige Pfad Gottes aufkommen. Alles keine schlechten Titel, mit denen man sich in bester Gesellschaft wiederfindet.

1 Comment

  1. […] 2016 hat Taylor Sheridan mit dem Neo-Western Hell Or High Water eine Oscar-Nominierung für sein Drehbuch erhalten. Damit hat er sich in einem Genre als […]

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