Kinokritik

“Gemeinsam wohnt man besser” glaubt eine französische Komödie

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Seit die Regisseure Olivier Nakache und Eric Toledano in 2011 mit ihrem Ziemlich beste Freunde die französische Komödie zum Kassenschlager haben werden lassen, sprießen diese in den deutschen Arthaus-Kinos geradezu aus dem Boden. Man sucht den nächsten großen Hit. Ist es vielleicht Gemeinsam wohnt man besser von François Desagnat? Im Original nennt sich das Ganze Adopte un veuf, also in etwa “Wir adoptieren einen Witwer”.

Dieser Witwer ist Hubert, gespielt von André Dussolier (dem Original-Erzähler aus Die fabelhafte Welt der Amelie), der eine 26 Jahre junge Studentin namens Manuela (Bérengère Krief) in seiner viel zu großen Wohnung aufnimmt. Aus der Zweier-WG, die anfangs gar nicht so gut funktioniert, wird bald schon traute Viersamkeit, wenn auch noch der frisch geschiedene Anwalt Paul-Gérard (Arnaud Ducret) und die Krankenschwester Marion (Julia Piaton) einziehen.

Gemeinsam wohnt man besser

André Dussolier als Witwer Hubert

Immer wieder dient das chaotische WG-Leben als Stoff für Filmkomödien. In Deutschland nennt sich so etwas dann Wir sind die Neuen, wo 2014 eine junge Studenten-WG gegen eine Wohngemeinschaft aus Rentner in den Nachbarschaftskrieg zieht. In Frankreich selbst wusste man schon 2007: Zusammen ist man weniger allein. Es ist immer Alt gegen Jung, es ist Einzelgänger gegen Gemeinschaft. Wer allerdings schon einmal in einer WG gewohnt hat, wird merken, dass die wirklichen Probleme des unromantischen Zusammenlebens oftmals ganz andere sind, als die, die für die Stories der jeweiligen Komödien (oder Dramen) herhalten müssen.

So auch in Gemeinsam wohnt man besser, wo Einzelschicksale aufeinandertreffen, man sich gegenseitig Trost spendet, sich zum Lachen bringt, aber nicht wirklich das WG Leben im Mittelpunkt steht. Die vier Darsteller entwickeln kaum eine Dynamik miteinander. Man möchte diesen Moment so sehr genießen, wenn die Vier sich mal gemeinsam auf einem Foto zeigen, sich umarmen, füreinander da sind. Aber das fühlt sich dann leider recht falsch an, als würde jeder von ihnen lediglich in einer Zweck-WG leben.

Und das, wo sich gerade das Lebensumfeld WG hervorragend dazu eignet, um die eigene Egozentrik zu bekämpfen um sich in eine Gemeinschaft einzufügen. So sehr der Film das zeigen möchte, gelingt ihm das einfach nicht.

Gemeinsam wohnt man besser

Die WG ist komplett: Pau-Gérard (Arnaud Ducret), Marion (Julia Piaton), Manuela (Bérengère Krief) und Hubert (André Dussolier) (v.l.n.r.)

Den Witz versucht Regisseur Desagnat derweil durch zahlreiche kleine Element zu entfachen: da wäre die chaotische Studentin Manuela, die auf den biederen Hubert trifft, ihm ein fesches Sacko überstreift, ihn hinten auf ihren Roller setzt und durch die Nacht braust, obwohl er lieber einen seiner Historienfilme im Fernsehen anschauen würde.

Da ist das WG-Casting von Hubert und Manuela, das vollgestopft mit Stereotypen ist. Ihr jagt eine merkwürdige Person die andere, allesamt over-the-top abgehandelt. Dann wäre da noch Huberts bester Freund Samuel (Nicolas Marié). Immer wenn er vorbeischaut, öffnet ihm ein anderer Mitbewohner die Tür und man spricht von Hubert, als wäre er in merkwürdige Sex-Spielchen verstrickt.

Samuel ist eine verschwendete Rolle, die viel besser hätte zum Einsatz gebracht werden können (oder: müssen). Ebenso gilt es für die gesamte Geschichte, die als Drama viel besser funktioniert hätte. Ein alter Mann, der um seine Frau trauert und lernen muss loszulassen. Eine Studentin, die nicht weiß wohin mit ihrem Leben. Eine Krankenschwester, die von einem sterbenden Patienten angehimmelt wird. Ein Anwalt, der durch die Trennung von seiner Frau selbstmordgefährdet ist.

Und doch versucht Gemeinsam wohnt man besser eine leichte Komödie zu sein. Da hat man sich ganz klar im Ton vergriffen.

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