Filmkritik

REVIEW | Finding Graceland

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Finding Graceland Blu-rayDie guten, alten 90er Jahre, in denen Harvey Keitel noch als Fake-Elvis nebst Bridget Fonda auf dem Weg nach Graceland war und sich nicht auf Netflix in einer Adam Sandler Komödie („The Ridiculous 6“) verheizen lassen musste. Zugegeben, Regisseur David Winklers 1998er „Finding Graceland“ ist sicherlich auch keine Offenbarung und reicht nicht an Keitels großartige Leistungen unter Quentin Tarantino und jüngst in „Ewige Jugend“ von Paolo Sorrentino heran, aber ein bisschen sehenswert ist es schon, wenn Keitel den King gibt.

Nach dem Tod seiner Frau verfällt Byron (Jonathan Schaech) in eine chronische Depression und entscheidet kurzerhand in sein Auto zu springen und nach Memphis zu fahren. Auf dem Weg dorthin greift er einen Anhalter auf (Harvey Keitel), der mit pinker Jacke felsenfest davon überzeugt ist, Elvis Presley zu sein, auf dem Weg nach Hause – nach Graceland. Natürlich glaubt Byron, dass der gute Mann nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, lässt sich aber nach und nach davon überzeugen, dass vielleicht doch ein wenig Elvis in diesem Mann steckt. Vor allem als er dann auch noch auf eine Marilyn Monroe (Bridget Fonda) trifft.

Okay, das Versprechen seitens „Finding Graceland“ uns Harvey Keitel, diesen blutrünstigen „Reservoir Dog“ als Elvis zu zeigen, lässt dem Film schon ganz automatisch einige Aufmerksamkeit zukommen. Aber leider überspielt Keitel seine Rolle gänzlich und das Drehbuch nimmt sich selbst viel zu ernst. Es hätte so schöne, komische Momente geben können, die nun allenfalls unfreiwillig merkwürdig wirken, nicht aber den Ton widerspiegeln, mit dem „Finding Graceland“ seine Geschichte erzählen möchte. Statt ein amüsanter Elvis-Verschnitt zu sein, spult Keitel die ihm gegebenen lehrreichen Sätze habt und wirkt mehr wie ein Lebensprediger, denn wie ein „King“.

Obwohl wahre Fans des „Kings“ Elvis Presley den Film zumindest in sofern in Ehren halten können, dass Priscilla Presley als ausführende Produzentin tätig war und es sich hierdurch um den ersten Spielfilm handelt, der im Graceland Anwesend drehen durfte. Zumindest ein klein bisschen Filmgeschichte, die hier geschrieben wurde.

Immerhin Kameramann Elliot Davis durfte sich austoben. Seine Bilder der amerikanischen Südstaaten machen aus „Finding Graceland“ rein visuell einen prachtvollen Film, der die Schönheit der Landschaft einzufangen versteht. Hinzu kommen ebenso hübsche Eindrücke von Downtown Memphis und ein Soundtrack, der aus einem Mix von – aus heutiger Sicht – Klassikern und noch älteren Klassikern besteht, aber immerhin drei originalen Songs von Elvis Presley höchstpersönlich.

“Finding Graceland“ möchte mehr sein als er es zeigen kann, bleibt eine kleine Kuriosität für Harvey Keitel-Fans, ein wenig Filmhistorie hinter den Kulissen und ein bildprächtiger Roadtrip nach Graceland.

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