Filme ohne Farbe

Filme ohne Farbe: “Mein Freund Harvey” (1950) mit James Stewart

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Das Theaterstück “Harvey” von Mary Chase wurde schon 1945 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet, bevor gleich mehrere filmische Adaptionen folgten. Während ein Großteil der Filme für das Fernsehen produziert wurde, ist die beliebteste und bekannteste Fassung fürs Kino entstanden. Regisseur Henry Koster (Jede Frau braucht einen Engel, Mr. Hobbs macht Ferien) hat Mein Freund Harvey in 1950 mit James Stewart in der Hauptrolle inszeniert.

Nach einem Drehbuch von Oscar Brodney und Mary Chase wird in Mein Freund Harvey von Elwood P. Dowd (Stewart) erzählt, der mit seinem unsichtbaren und menschengroßen Hasen-Freund fröhlich durch die Welt spaziert. Natürlich halten seine Familie und die Menschen auf der Straße Elwood für komplett verrückt. Aber es scheint, als habe der Mann mit seinem imaginären Freund in jeder Situation eine Lebensweisheit parat.

Mein Freund Harvey

James Stewart in “Mein Freund Harvey”

Eine Stärke des Films ist das Drehbuch, das natürlich auch von der Vorlagen-Schreiberin Chase höchstpersönlich mit umgesetzt wurde. Es fängt immer wieder die Situationskomik ein, mit der Stewart hier liebenswürdig leicht den scheinbar Verrückten spielen kann.

Wunderschön, wie Stewart krampfhaft versucht einem Psychiater seinen Freund Harvey vorzustellen. Da Onkel Doktor seinem Patienten aber immer wieder in den unpässlichsten Momenten ins Wort fällt, kommt es weder zu einem Kennenlern-Gespräch, noch zu einer entsprechenden “geistig verwirrt”-Diagnose. Ein chaotisches hin- und her sorgt dafür, dass die Ärzte Elwood für gänzlich normal halten, während er aus der Praxis heraus spaziert, nur um seinem imaginären Freund gleich wieder eine Tür aufzuhalten, was missbilligend von Passanten beäugt wird.

Das ist der Witz von Mein Freund Harvey. Solche Momente, in denen Personen aneinander vorbei reden, während wir als Zuschauer ganz genau die jeweiligen Positionen der Figuren kennen.

Mein Freund Harvey

Ein Portrait von Elwood (James Stewart) und seinem Hasen-Freund Harvey.

Hier sieht man auch, wie gut ein James Stewart spielt, wenn man sich zeitweise dabei erwischt, ihm den imaginären Hasenfreund vielleicht doch abzukaufen. Stewart spielt mit purer Luft und überzeugt uns von der Überzeugung seiner Figur, dass dieser 1,80 m Hase tatsächlich mit ihm durch die Welt wandert.

Man kann sich kaum vorstellen, dass eine harmlose und doch heitere Komödie wie Mein Freund Harvey heute noch entstehen könnte. Es bräuchte schon einen realen “imaginären” Freund wie Teddybär Ted, damit ein solches Gespann funktionieren würde. Hier aber schafft es ein Darsteller wie James Stewart ganz allein den Spaß zu übertragen, den diese Idee mit sich bringt.

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