Filme ohne Farbe

Filme ohne Farbe: “Frankensteins Braut” (1935) mit Boris Karloff

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Mit Frankensteins Braut ist Regisseur James Whale (Der Mann mit der eisernen Maske, Die grüne Hölle) das Kunststück gelungen, seinen Original Frankenstein aus dem Jahre 1931 noch zu übertreffen. Eine wahre Seltenheit in Hollywood: eine Fortsetzung, die ihren Vorgänger übertrifft. Es fallen Titel wie Das Imperium schlägt zurück aus der frühen Star Wars-Saga, The Dark Knight von Christopher Nolan oder Planet der Affen: Revolution vor Prevolution.

Wie schon im ersten Teil übernimmt der Darsteller Boris Karloff die Rolle von Frankensteins Monster. Whale setzt seine Geschichte nahtlos an den ersten Teil an, zeigt kurz in Rückblenden was wir verpasst haben könnten. In einer kurzen Einführung erzählt Frankenstein-Autorin Mary Shelley (gespielt von Elsa Lanchester) dann ihre Story weiter. So hat das von Dr. Frankenstein (Colin Clive) geschaffene Monster überlebt. Jetzt wird der Mad Scientist aber von einem noch viel verrückteren Wissenschaftler (Ernest Thesiger als Dr. Pretorius) angestachelt, eine Braut für sein Monster zum Leben zu erwecken.

Frankensteins Braut

Ernest Thesiger als Dr. Pretorius

Was für ein wunderbarer Zugewinn Ernest Thesiger als Dr. Pretorius ist. Er scheint die Lache des verrückten Wissenschaftlers perfektioniert zu haben. Vielleicht haben aus dem zeitlichen Blickwinkel dieses 1935er Werks einige spätere Nachfolger hier ihre Lache kopiert, so eindringlich ertönt immer wieder die Stimme dieses sinister-verrückten Wissenschaftlers.

Wenn selbst ein Ex-Mad Scientist wie Dr. Frankenstein zurückschreckt, wenn Dr. Pretorius seine Kreationen vorführt, soll das als Abschreckung ausreichen. Wo Dr. Frankenstein sein Monster noch aus Leichenteilen zusammen gebastelt hat, ist es Pretorius gelungen, Mini-Menschen aus dem Nichts zu züchten. Fragwürdige Wissenschaft gegen unheimliche schwarze Magie.

Das lässt das Monster noch liebenswürdiger erscheinen, wenn man diese beiden moralisch nicht sehr verpflichteten Männer betrachtet. Wenn Frankensteins Monster bei einem blinden Mann Zuflucht sucht und endlich etwas Ruhe findet, möchte man mit diesem Wesen aufatmen. Aber auch hier kommt das sehende Volk vorbei und fühlt sich allein durch die Äußerlichkeit des Monsters bedroht und entfacht ein wahres Chaos.

So befindet sich Frankensteins Monster auf einer immerwährenden Flucht. Es kommt selten zur Ruhe. Es ist ein Ungetüm, das zum Ungetüm wird, weil die Menschen sich verhalten, wie sie sich nun einmal verhalten, wenn sie es mit der Angst zu tun bekommen. Es sind Aggressionen und Konfrontationen, die das liebenswürdige Monster Frankensteins immer wieder zur verzweifelten Wut treiben.

Frankensteins Braut

Boris Karloff als Frankensteins Monster

James Whale tut gut daran, sein Monster gleich zu Beginn des Films als Appetizer zu zeigen. Wo wir in der Moderne oftmals nur Teile zu sehen oder Geschichten erzählt bekommen, bevor wir irgendwann einmal einen ersten Blick erhaschen dürfen, nimmt Whale tatsächlich ein wenig die Spannung aus seiner Erzählung heraus, um sich dafür aber viel mehr mit seinen Figuren und dem wahren Bösen – den Wissenschaftlern – zu beschäftigen. Kein schlechtes Vorgehen.

Derweil darf man den Titel des Films nicht allzu ernst nehmen. Frankensteins Braut gibt es nur in aller Kürze zu sehen. Es steht lediglich ihre Erschaffung im Mittelpunkt der Handlung, während ihr Auftreten heruntergespielt wird. Natürlich darf in keinem Frankenstein-Films der Ausruf “It’s Alive!” fehlen, in diesem Fall abgewandelt zu einem “She’s Alive”, womit zumindest schon ein Geschlecht anerkannt wird – im Gegensatz zu ihrem männlichen Gegenpart, der noch als “Es” bezeichnet wurde.

Aber so wie die Braut dann auftritt (sie wird ebenfalls von Elsa Lanchester gespielt), sticht hier ein ganz großer Horror-Aspekt des Films hervor, der gerne mehr zur Geltung hätte kommen dürfen. Lanchester bewegt sich in abrupten Stop-and-Go Bewegungen, wie all die kleinen Horror-Mädchen aus späteren J-Horror Filmen und ihren US-Ablegern. Hinzu kommt die passende, grotesk-düstere Mimik und aus der Braut wird ein unheimlicheres Wesen als Frankensteins Monster selbst.

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