Kinokritik

Elvis & Nixon REVIEW: Der Präsident trifft den King und es bleibt nur ein Foto

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Man bekommt Kevin Spacey einfach nicht aus dem Oval Office heraus. Erst erobert er das Weiße Haus als Frank Underwood in der Netflix-Serie House of Cards, jetzt ist er als US-Präsident Richard Nixon zu sehen. Dieser führte das Land als 37. Machtinhaber von 1969 bis 1974. Nixon hat so einige Geschichten geliefert, die der Filmwelt als Unterhaltungsstoff dienlich waren. Im 2008er Frost/Nixon kommt es so zum Journalisten/Politiker-Duell vor laufender Kamera (hier mit Frank Langella in der Rolle des Präsidenten und Michael Sheen als Reporter David Frost). In Regisseurin Liza Johnsons Elvis & Nixon geht es etwas leichter zu. Hier erleben wir, wie sich Nixon am 21. Dezember 1970 mit dem King Elvis Presley trifft.

Das Treffen dieser beider Männer wird in einem einzigen Foto festgehalten, das heute als eines der begehrtesten Bilder des amerikanischen Nationalarchivs gilt. Es beginnt mit Elvis Presley, der auf einmal am Weißen Haus auftaucht und ein dringendes Treffen mit Richard Nixon verlangt. Dem King of Rock ‘n’ Roll sorgen die Entwicklungen um die Drogenkultur unter Jugendlichen, die Hippie und Black Panther Bewegungen und mehr. Deshalb möchte er sich zum Undercover Agenten des Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs machen lassen, mitsamt hochoffizieller Ausweis-Marke (Priscilla Presley schrieb später, dass Elvis glaubte, durch die Marke legal mit Waffen und Drogen umher reisen zu dürfen).

Elvis & Nixon

Elvis (Michael Shannon) trifft Nixon (Kevin Spacey) im Weißen Haus

Michael Shannon ist schon ein merkwürdiger Elvis, der hier mit Schusswaffe gleich mehrere seiner Fernsehgeräte demoliert, weil ihm die Nachrichten nicht gefallen. Er reist recht hilflos weltfremd zum ersten Mal alleine via Flugzeug und wird angehimmelt, wo er auftaucht. Dieser Elvis ist ein wandelnder Clown, ohne sich selbst als solchen wahrzunehmen. Und dieses Größe der Entertainment-Industrie soll sich mit einem griesgrämigen Politiker treffen, der natürlich wunderbar von Kevin Spacey dargestellt wird. Während Shannon allerdings genügend Raum bekommt um sich zu entfalten, ist Spaceys Rolle recht knapp gehalten. Sein Auftritt beschränkt sich auf das kurze Treffen zum Ende des Films, während die Reise bis zu diesem Ereignis aus Elvis Presleys Perspektive erzählt wird.

Fast. Denn dann wären da auf beiden Seiten noch die Berater und Funktionäre, die die Verhandlungen übernehmen. Beide Seiten zeigen sich von dem Treffen begeistert, nur Nixon muss überzeugt werden. Also wird gemeinsame Sache gemacht. Vor allem das Duo Colin Hanks (der Sohn von Tom Hanks) und Evan Peters (Quicksilver im X-Men Film-Franchise) bietet den wahren Spaß in dieser Erzählung. Man könnte diesen beiden Männern den ganzen Tag dabei zusehen, wie sie die Kuriositäten des West Wing-Flügels im Weißen Haus zu regeln versuchen.

Elvis & Nixon

Colin Hanks (links) und Evan Peters (rechts) sind der größte Spaßfaktor an “Elvis & Nixon”

Auf der anderen Seite finden wir Alex Pettyfer (den gibt es noch!?) und Johnny Knoxville (ja, wirklich!), die als Freunde von Elvis die Verhandlungen mit dem Gespann Hanks/Peters übernehmen. So schön (aber kurz) das Aufeinandertreffen von Elvis Presley und Richard Nixon am Ende ist, viel amüsanter ist es, diesen vier Männern dabei zuzusehen, wie sie das Treffen überhaupt erst möglich machen wollen. Dabei verzweifeln sie immer wieder an der Engstirnigkeit im Weißen Haus und der Exzentrik des Entertainment-Stars. Es hätte einen Film geben können, in dem nur diese vier agieren, ohne das wir Elvis und Nixon je zu Gesicht bekommen – und es wäre vermutlich lustig geworden.

Der Titel des Films ist aber eben etwas irreführend, weil es gar nicht so sehr um Nixon geht, der eher eine Nebenrolle im großen Ganzen spielt. Was von vorne bis hinten eine Schwäche des Films darstellt, da man sich diesen durchgeknallten Elvis und den ohnehin zynisch begabten Kevin Spacey im wunderbaren Gesprächs-Miteinander vorstellen kann. Diese mögliche Stärke wird allerdings gar nicht erst ausprobiert zu inszenieren.

Denis Sasse
Ich schreibe seit 2009 über Filme und habe viele Jahre Hörfunk-Beiträge zu unterschiedlichsten Medieninhalten produziert. Beim Radio durfte ich meine eigene Kino-Sendung planen und moderieren. Irgendwie habe ich ein Studium der Literaturwissenschaft und der Medienwissenschaften dazwischen gequetscht. Jetzt lehre ich an einer Hochschule über Thematiken in den Bereichen Film, Fernsehen, Social Media und Medienpädagogik.

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