Filmkritik

The Maze Runner

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In der ganzen Masse von Young Adult Novel Verfilmungen schiebe ich es jetzt einfach einmal auf Die Reise ins Labyrinth, diesen Real/Puppenfilm-Mix von 1986 mit Jennifer Connelly und David Bowie, dass bei mir die Begeisterung für das filmische Labyrinth recht weit ausgeprägt ist. Immerhin ist es auch immer wieder schön zu sehen, wie Alice in ihrem Wunderland durch das Labyrinth der Herzkönigin irrt, oder aber Guillermo Del Toro mit Pan’s Labyrinth ein ziemlich Horror behaftetes Filmmärchen rund um den Irrgarten spinnt.

Wenig verwunderlich nun also, dass auch The Maze Runner durchaus auf Gegenliebe gestoßen ist. Im Gegensatz zu vielen anderen Versuchen diesem Jugendgenre filmisches Leben einzuhauchen, hat man hier allerdings auch einige Dinge weitaus professioneller in Szene gesetzt, als manch andere schluderige Verfilmung. Die Schauspieler agieren weder hölzern noch übertrieben, ihre Dynamik miteinander ist stimmig, dem Hauptdarsteller Dylan O’Brien kauft man sein gutes Aussehen tatsächlich ab, weil er dabei irgendwie natürlich wirkt und nicht wie extra für die Mädchenwelt hergerichtet. Außerdem spielen Thomas Brodie-Sangster und Will Poulter an seiner Seite, die sich schon filmisch anderweitig ihre Hörner abgestoßen haben.

Brodie-Sangster ist in England geboren und sieht aus wie die junge Version von Kenneth Branagh, der wiederum eigentlich Ire ist, aber ebenso wie der Jungschauspieler diese britisch anhaftende Qualität hat, die Intensität eines Theaterschauspielers glaubhaft auf den Film zu übertragen. In Tatsächlich…Liebe fiebern wir doch alle schon mit dem kleinen Brodie-Sangster mit, wenn er durch das Flughafen-Terminal rennt um zu seiner großen Liebe zu gelangen. Und weniger romantisch mag er in der heutigen Generation die Aufmerksamkeit durch seine Rolle als Jojen Reed in Game of Thrones erlangt haben. Wie man es auch dreht, Brodie-Sangster ist ein Zugewinn für jedes filmische Projekt und damit nun auch für The Maze Runner.

Der Film basiert auf James Dashners Jugendroman Die Auserwählten – Im Labyrinth, der 2009 unter dem Originaltitel The Maze Runner veröffentlicht wurde, bevor im April 2011 die deutsche Übersetzung folgte. Mit einem Budget von 34 Millionen US Dollar realisiert und einem bisherigen Einspielergebnis von über 230 Millionen US Dollar dürfte es kaum verwundern, dass bereits am zweiten Teil In der Brandwüste gearbeitet wird und vermutlich auch der Trilogie-Abschluss In der Todeszone auf die Leinwand gebracht wird. Allein damit hat die Verfilmung des Maze Runners einen Vorteil gegenüber den Verfilmungen, die an den Kinokassen kläglich scheiterten und sicherlich niemals zu Ende erzählt werden.

The Maze Runner setzt stark auf seine Darsteller, schafft es aber auch durch den guten Ausgleich von dystopischer Zukunftsgesellschaft, Spannungselementen, Actioneinlagen und Science-Fiction Gedanken für Abwechslungsreichtum zu sorgen, wie es zuletzt vielleicht nur Divergent – Die Bestimmung gelungen ist. Diese beiden Filme konkurrieren nun quasi um die offizielle Nachfolge der Hungerspiele in Die Tribute von Panem, wobei das Publikum hier vielleicht auseinander gehen wird. Man darf dann nicht von Team Divergent und Team Maze Runner sprechen, weil dies bedeuten würde, dass man sich in der gleichen von Twilight beeinflussten Altersgruppe befinden würde. Aber Maze Runner wirkt wie ein Film, der an ein viel älteres Publikum als an pubertierende Teenager gerichtet ist, die nur wegen einer romantischen Liebesgeschichte im Kinosessel sitzen. Hier aber ist jetzt alles dunkler, ernster, gruseliger, von einer Liebesgeschichte ist (noch) nichts zu spüren.

The Maze Runner ist da schon eher eine Gruppenstudie, wie zum Beispiel Der Herr der Fliegen es war. Darüber hinaus scheut man sich nicht allerhand Jugendliche zu opfern. Es gibt Tote. Und das sicherlich nicht immer auf die harmlose Off-Screen Weise, sondern mit Speeren in der Brust steckend, mit blutenden Schusswunden oder mit von den Griewern infizierten Zombies, die wie unter Tollwut das Zeitliche segnen. Keine schönen, leicht verdauliche Momente, sondern eher finstere Dystopie.

Die Jugendlichen um die es hier geht erleben allerdings ähnliche Dinge, wie schon viele Male zuvor von den potentiellen Zuschauern im Kino erlebt. Da ist die Lichtung inmitten des riesigen Labyrinth, auf dem eine Gruppe von männlichen Teenies lebt, sich selbst versorgt und organisiert. Natürlich abermals eingeteilt nach ihren ganz persönlichen Stärken. Von den Läufern, die jeden Morgen aufbrechen um das Labyrinth zu erkunden und erst abends wieder auf die Lichtung zurückkehren, bis hin zu allen anderen erdenklichen Berufsständen, die eine funktionierende Gesellschaft so benötigt. Dann kommt Thomas hinzu, dessen größte Stärke seine Neugier ist. Er lässt sich nirgendwo eingliedern und gefährdet damit die bestehenden Strukturen.

Die Geschichte ist an dieser Stelle so stark angelegt, dass es nicht bei Thomas als einzig Auserwählten bleibt. Ihm schließen sich Jugendliche an, die seinen Willen teilen, das ewig gleiche Prozedere abzulegen und mal Neues auszuprobieren. Will Poulter agiert als Gegenpart. Der Die Chroniken von Narnia und Wir sind die Millers-Darsteller ist derjenige unter den Lichtungsbewohnern, der es hier eigentlich ganz gemütlich und sicher findet und darauf beharrt, Regeln und Gesetze einzuhalten und nicht im unnötigen und vor allem unvorhersehbaren Chaos unterzugehen.

Dabei entgeht ihm die Reise ins wunderschön gruselig anmutende Labyrinth, das gerne noch mehr hätte erkundet werden können. Felswände, Ranken, gefährliche Fallen und die mechanisch-biologischen Griewer, die hier umher streifen und auf Menschenjagd sind, lassen dieses Labyrinth wirklich sehenswert werden. Nur eben verbringen wir Zuschauer viel zu viel Zeit auf der Lichtung und viel zu wenig Zeit im Labyrinth. Vielleicht ist das bewusst so angelegt, damit wir den Wunsch von Thomas teilen, endlich ein Läufer zu werden um eben in den Irrgarten hinein zu dürfen. Ist es dann aber endlich so weit, huscht man viel zu schnell hindurch.

Das Ende hätte eine Katastrophe werden können, denn es ist so offen gestaltet, das der zweite Teil einfach nicht hätte wegfallen dürfen. Also sei es den bisherigen Kinogängern gedankt, dass das Einspielergebnis stimmt und The Maze Runner am 25. September 2015 weitergeht. Da erneut Wes Ball als Regisseur verpflichtet wurde, darf man auch hoffen, dass seine Inszenierung sich an diesem starken ersten Teil orientieren wird.

The Maze Runner erscheint am 26. Februar 2015 auf DVD, Blu-ray und VoD

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