Wenn ein Film wie A United Kingdom lieber schlicht “Black Bastard” benutzt, als das er wüste Beschimpfungen wie “Nigger” hervorholt, dann spürt man geradezu die Verharmlosung, die hier vonstatten geht.

Das ist im Falle von Regisseurin Amma Asantes (Dido Elizabeth Belle, 2014) Real Life-Drama durchaus Schade, da es den ganzen Film über nicht gelingt, die Emotionalität und Intensität der Liebesgeschichte von Sir Seretse Khama (dem späteren ersten Präsidenten von Botswana) und seiner weißen Ehefrau Ruth Williams Khama so einzufangen, wie es zum Beispiel Jeff Nichols in Loving gelungen ist.

Loving ist in den USA lange vor A United Kingdom erschienen, lässt sich hierzulande aber noch einige Zeit, bis er die nicht ganz einfache Ehe zwischen dem weißen Richard Loving (Joel Edgerton) und der schwarzen Mildred Loving (Ruth Negga) auf den Kinoleinwänden erzählt (der Film startet am 15. Juni 2017).

A United Kingdom
David Oyelowo und Rosamund Pike in “A United Kingdom”.

Damit hat A United Kingdom einen Vorsprung in Sachen Ehe zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben. Soviel sei aber vorweg genommen: Wo Ruth Negga und Joel Edgerton menschlich mitreissen können, bleibt der Film von Asante ohne jeden Berührungspunkt für uns Zuschauer. Wir können aus der Ferne drauf blicken, fühlen uns aber nie an diese Personen gebunden.

Das liegt nicht am Schauspiel. David Oyelowo (Selma, 2014) und Rosamund Pike (Gone Girl, 2014) geben überzeugende Leistungen in ihren Rollen als Seretse und Ruth Williams Khama ab.

Der Film erzählt von ihrer ersten Begegnung auf einer Feier im London des Jahres 1947. Sie verbindet eine Liebe zum Tanz und zur Jazz-Musik. Aber schon wenige Minuten später springt der Film in ihre Ehe, ohne dass wir zu spüren bekommen, wie hier eine Liebe zwischen zwei Menschen entfacht wird.

Seretse wird von seinem Onkel in sein Heimatland zurück geordert. Dieser nimmt Ruth allerdings kurzerhand als seine Ehefrau mit. Eine Entscheidung, die so große politische Kreise zieht – weltweit – wie die beiden Verliebten es sich niemals hätten vorstellen können.

Schon bald werden die beiden Eheleute von verschiedenen Kräften auseinander gehalten. Eine von vielen Schikanen, die ihre Ehe überstehen muss. Eine von vielen Schikanen, die uns unberührt lässt, da wir bis zu diesem Zeitpunkt an noch keiner Stelle des Films die Liebe zwischen diesen beiden Menschen zu spüren bekommen haben.

Wenn es nicht die darstellerischen Kräfte von Oyelowo und Pike sind, dann muss man hier die angesammelte Egal-Haltung gegenüber dem Geschehen auf das Drehbuch und die Regisseurin schieben.

A United Kingdom
Die glückliche Khama-Familie ist ein seltenes Bild.

In der ersten Viertelstunde wird der Beziehungsaufbau betrieben, nur um sich danach möglichst schnell um die ehelichen Stolpersteine kümmern zu können, die damit aber keinerlei Grundlage bekommen haben.

Hinzu kommt, dass wir niemals die Absurdität der Situation zu spüren bekommen und sich A United Kingdom im Ton selbst zensiert. Hier hat Loving klar den Vorteil, der weitaus realistischer, dramatischer und mitreißender daherkommt und uns somit mehr an seine Protagonisten binden kann.

Mitgefühl ist der beste Weg uns in eine Handlung hineinzuziehen. Hier werden wir außen vor gelassen, während eine recht komplexe Geschichte möglichst simpel zu erzählen versucht wird. Viele Figuren referieren über die unterschiedlichsten Ungerechtigkeiten, ohne dass wir an irgendeiner Stelle Taten oder Handlungen zu sehen bekommen, die uns angemessen in Aufruhr versetzen würden.

Und so ist A United Kingdom ein Film geworden, der zwar allerhand Unmenschliches aufzeigen möchte, ohne aber uns dabei auf der Gefühlsebene anzusprechen. Ein harmloser kleiner Film, der uns scheinbar nicht zutraut, mit der großen harten Welt zurecht zu kommen.