Was ist böser und schrecklicher als ein Zombie? Mit Resident Evil: Apocalypse möchte man unweigerlich zuerst das Geschöpf Nemesis anbringen, das im gleichnamigen 3. Teil der Videospielreihe den Figuren Jill Valentine und Carlos Oliveira das Leben in Raccoon City zur wahren Hölle gemacht hat.

Aber Regisseur Alexander Witt (seine erste und einzige Regiearbeit) packt noch Thomas Kretschmann oben drauf. Das ist böser und schrecklicher als ein Zombie! Ein deutscher Schauspieler der Nazi-gleich seine Befehle an das Nemesis-Monster weitergibt. Immerhin bekommen wir dafür aber auch Sienna Guillory und Oded Fehr als die Charaktere zu sehen, die Nemesis auch im Videospiel jagt.

Alice (Milla Jovovich) muss sich also mit Jill Valentine (Guillory) und Carlos Oliveira (Fehr) zusammentun, um Angela Ashford (Sophie Vavasseur) aus Raccoon City zu retten. Die Gruppe wird um ein paar S.T.A.R.S.-Soldaten und eine Reporterin angereichert und von Dr. Ashford via stadtweiten Überwachungskameras geleitet. Alice staunt nicht schlecht als sie herausfindet, dass Ashford der Schöpfer der Red Queen von Umbrella ist und seine Tochter das Realwelt-Ebenbild abgibt.

Resident Evil: Apocalypse
Das Monster Nemesis macht Jagd auf Alice.

Kretschmann ist Major Cain, der in gemeinsamen Experimenten mit Dr. Isaacs (Iain Glen) für die Mutation von Matt (Eric Mabius aus dem ersten Film, hier nur in Archivmaterial zu sehen) in das Monstrum Nemesis verantwortlich ist. Aber auch Alice wurde genetisch verändert, so dass sie nun über spezielle Fähigkeiten verfügt. Und Cain will austesten, wer im Kampf Alice gegen Nemesis als Sieger hervorgehen wird.

Nemesis ist hier der Terminator der Resident Evil-Reihe (mitsamt Raketenwerfer), während sich Alice als Sarah Connor probiert. Leider wirkt das wie eine total andere Filmwelt. Wir bekommen eine gänzlich neue Alice präsentiert und es bleibt nur noch äußerst wenig vom ersten Resident Evil übrig. Aus der Normal-Dame mit Gedächtnisschwund wird auf einmal diese postapokalyptische Zombie-Kriegerin im Leder-Outfit.

Vielleicht liegt das daran, dass zwischen dem ersten Resident Evil und dieser Fortsetzung der 2003er Vampir-Fantasy Underworld liegt und Kate Beckinsale den coolen Leder-Dress für Damen unter Kinogängern beliebt gemacht hat.

Viel schlimmer ist allerdings diese Version der Jill Valentine. Während die Polizei von Raccoon City tatsächlich versucht, die um sich beißenden Zombies wie herkömmliche Verbrecher in Handschellen abzuführen, schwingt sich eine total nach Cartoon aussehende Sexy-Variante Valentines in die Polizeistation und ballert um sich.

Bye bye, oh du romantische Vorstellung einer Videospiel-Figur, die noch über Raffinesse und Intelligenz verfügte. Hallo Jill Valentine, du Sex-Objekt, das mit Knarre in den Händen wohl nur für männliche Fantasien in den Film gewandert ist, nicht aber um die Handlung irgendwie zu unterstützen.

Resident Evil: Apocalypse
Auch die Zombie-Killerhunde sind nicht unbedingt liebenswürdige Geschöpfe.

Aber man muss Resident Evil: Apocalypse mit all seinen Schwierigkeiten auch zugestehen, dass es ein äußerst unterhaltsamer und atmosphärischer Film ist. Der Sci-Fi Hive aus dem ersten Teil wurde gegen eine düstere und zerstörte Stadt eingetauscht. Das wirkt wesentlich real-weltlicher als der blanke Apple-Look der Umbrella Forschungseinrichtung.

Regisseur Alexander Witt treibt seine Protagonisten durch Raccoon City. Hier warten gleich mehrere Licker-Kreaturen in einer Kirche, wir erleben zermürbende Straßenkriege der S.T.A.R.S.-Soldaten gegen unheilvolle Übermengen von Zombies oder sehen, wie auf einem Friedhof wahrlich die Toten aus ihren Gräbern kriechen.

Der visuelle Höhepunkt dürfte die Raccoon City Grundschule sein, wo nicht nur ein Rudel von K-9 Zombie-Hunden wartet, sondern – noch viel schrecklicher – auch eine Zombie-Grundschulklasse.

So knüpft Resident Evil: Apocalypse zwar nahtlos an den ersten Teil an, wirkt aber durch seine Figuren weitaus comichafter inszeniert, während die Atmosphäre mehr in Richtung Realwelt getrieben wird. Das sorgt für ein ungemütliches Gefühl von Andersartigkeit gegenüber dem Franchise-Erstling.