Man möchte jubeln, wenn Paul W. S. Anderson endlich wieder das Ruder des Resident Evil-Franchises übernimmt. Seit dem ersten Teil hat er sich nicht mehr auf dem Regiestuhl blicken lassen (und stattdessen Müll wie Alien vs. Predator fabriziert), nur um für Resident Evil: Afterlife nun endlich wieder dabei zu sein.

Dementsprechend kommt es erneut zur familiären Zusammenarbeit von Regisseur Anderson und seiner Ehefrau Milla Jovovich, die einmal mehr in die Rolle von Alice schlüpft. Hier bekommt sie erneut Unterstützung durch Ali Larter (als Claire Redfield), durch Wentworth Miller (als Chris Redfield), Shawn Roberts (der die Rolle des Albert Wesker von Jason O’Mara übernimmt) und Sienna Guillory (die bereits als Jill Valentine im zweiten Resident Evil-Film zu sehen war).

Im ersten (furchtbaren) 3D-Resident Evil wird uns allerhand entgegen geworfen, wodurch die Story fast belanglos scheint. So tief muss man auch nicht graben, um eine kleine Synopsis für Resident Evil: Afterlife zu finden: die Überlebenden suchen inmitten der Zombie-Apokalypse nach dem Zufluchtsort Arcadia. Fertig.

Resident Evil: Afterlife
Hammerhart. Der Vollstrecker.

Aber das genügt Paul W. S. Anderson um einen Spießrutenlauf zu konstruieren, der nichts mehr mit einem Horror-Franchise zu tun hat und viel mehr wie ein langatmig-langweiliges Sci-Fi Produkt erscheint, das irgendwo in den Untiefen des Apple-Konzerns entstanden ist. Jedenfalls sieht alles so blank geleckt aus, dass die Verknüpfung zu dem Vermarktungs-Giganten recht nahe liegt.

Da die 3D-Momente nichts weiter zur Story beizutragen haben, wird sowohl in 3D als auch in 2D äußerst schnell deutlich, dass es hier lediglich um Effekthascherei geht, die in zusammenhanglosen Action-Sequenzen präsentiert wird. Man nehme nur den Beginn des Films, der einfach wegfallen könnte und man nicht eine Sekunde “Handlung” vermissen würde, dafür aber 20 Minuten Lebenszeit gespart hätte.

Während die Zombies hierfür nur noch ab und an auftreten, damit der Titel Resident Evil gerechtfertigt bleibt, ist ein Vollstrecker mit gigantischen Hammer der Oberboss-Hingucker des Films, der sich aber natürlich auch dem Effekte-Style von Anderson und der 3D Freizeitpark-Unterhaltung unterzuordnen hat.

Dabei ist der wahre Fiesling natürlich Albert Wesker, der mit seiner stets aufgesetzten Brille und dem Kaugummi Haaren (um bloß den Videospiele-Look beizubehalten) total cartoony in dieser dreckig-grauen Welt erscheint. Hierdurch wird Wesker nie zu der Bedrohung, die der Film gerne aus ihm machen würde.

Derweil wurde unsere Heldin Alice schon vor geraumer Zeit mit übernatürlichen Kräften ausgestattet. Durch ihre Telekinese kann sie inzwischen fast fliegen und es scheint wenig – oder nichts – von der Alice aus dem ersten Resident Evil übrig zu sein. Das fühlt sich ein wenig tragisch an, wo die größte Unterhaltung doch aus der Konfrontation von Normal-Sterblichen mit den Untoten entstand und nicht dadurch, dass Superpower-Girl gegen Kaugummi-Hair in den Krieg zieht.

Darüber hinaus gibt sich Paul W. S. Anderson nicht einmal ansatzweise die Mühe, seinem Drehbuch Sinn und Verstand zu verleihen. Stattdessen nutzt er ständige Rückblenden auf vorherige Filme, um alles zu erklären, weil ihm offenbar die filmischen Kenntnisse fehlen, diese Informationen sinnvoll einzustreuen.

Resident Evil: Afterlife
Wentworth Miller als Chris Redfield

Aber Resident Evil: Afterlife hat einen großen Pluspunkt: Wentworth Miller. Jede Szene mit ihm ist Gold wert, wie jede Serie oder Film mit ihm einfach nur der pure Spaß ist, vor allem wenn man sich seiner markanten US-Originalstimme hingibt.

Aber dafür muss man ja Gott sei Dank nicht diesen vermurksten Eintrag in die Resident Evil-Reihe anschauen, sondern kann eine ganze Menge Wentworth Miller in The Flash, Legends of Tomorrow oder Prison Break bekommen. Es ist die bessere Wahl.