© Universal / Ryan Reynolds, Mary-Louise Parker und Jeff Bridges (v.l.n.r.) in "R.I.P.D."
© Universal / Ryan Reynolds, Mary-Louise Parker und Jeff Bridges (v.l.n.r.) in „R.I.P.D.“

So oft wurde den Kinogängern schon suggeriert, dass die Apokalypse, dieses Welten zerstörende, zuletzt durch den endenden Maya-Kalender prophezeite Ereignis über die Welt hereinbrechen wird. Der Tag des Jüngsten Gerichts, an dem die lebenden Toten über die Erde wandeln werden um die Menschheit langsam aber sicher zu dezimieren. Zwar ist das im Grunde auch genau die Bedrohung, der sich das Rest in Peace Department – kurz R.I.P.D. – gegenüber sieht, die apokalyptische Bedrohung geht allerdings im Falle des Films „R.I.P.D.“ eher vom eigentlichen Film aus, als von den Untoten die sich inmitten der Bostoner Bevölkerung verstecken. „R.I.P.D.“ erinnert in seiner Erzählung stark an das erste filmische Abenteuer der Men in Black, bereits 1997 von Barry Sonnenfeld inszeniert. Sollte man die Alienjagd von Will Smith und Tommy Lee Jones, die ebenso wie „R.I.P.D.“ auf einer Comicvorlage basiert, anno dazumal verpasst haben, sollte man dieses Versäumnis lieber aufholen, als seine Zeit an diesem abgewandelten Neuaufguss mit Ryan Reynolds und Jeff Bridges zu verschwenden.

Das Rest in Peace Department bekommt durch Kevin Bacon arge Probleme
Das Rest in Peace Department bekommt durch Kevin Bacon arge Probleme

Das Rest in Peace Department kümmert sich um verstorbene Seelen, die sich nicht von ihrem Leben auf der Erde trennen wollen und sich illegal weiterhin unter den Lebenden herumtreiben. Diese Gesetzesbrecher müssen vom R.I.P.D. aufgespürt und dem letzten Gericht übergeben werden. Der Bostoner Detective Nick Walker (Ryan Reynolds) wird von seinem eigenen Partner (Kevin Bacon) während eines Einsatzes skrupellos erschossen und landet daraufhin als Neuling beim R.I.P.D., wo er dem Wild West Veteranen Roy Pulsipher (Jeff Bridges) zugeteilt wird, der ihm die Regeln des Polizeidaseins im Nachleben beibringt. Die beiden müssen sich schneller als gewollt zusammen raufen, als sie einem Vorhaben auf die Spur kommen, das zum Ziel hat, die Toten aus dem Jenseits zurück auf die Erde zu holen. Wie nun auch die Men in Black, orientiert sich „R.I.P.D.“, inszeniert von dem in Stuttgart geborenen Schwentke – der zuletzt gute Thriller („Flightplan“), Sci-Fi Liebesgeschichten („Die Frau des Zeitreisenden“) und unterhaltsame Actionfilme („R.E.D.“) drehte – an der gleichnamigen vierteiligen Comicreihe, aus der Feder von Peter M. Lenkov stammend, 2001 im Dark Horse Comicverlag erschienen ist.

Abgesehen davon, dass eine – sei sie nun unwissentlich oder mit purer Absicht entstanden – deutliche Inspiration durch die Men in Black zu erkennen ist – verkauft Ryan Reynolds, aus dessen Perspektive die Zuschauer in die Zwischenwelt des R.I.P.D. eingeführt und geleitet werden, sich und den Film denkbar schlecht. Die unterhaltend anmutende Handlung verkommt unter seinem angestrengt wirkenden Spiel zu einer Farce, gerade wo man den übrigen Darstellern den Spaß anmerkt, mit dem sie sich voller Leichtigkeit durch die Handlung manövrieren. Jeff Bridges gibt die durchgeknallte Comicversion seines Rooster Cogburn aus „True Grit“, in jeder Szene zeigt er eine Lockerheit, hat immer einen den Moment rettenden Spruch parat, der fernab des eigentlichen Films dennoch eine gewisse Sehenswürdigkeit erzeugt – oder erzeugen würde, wenn Reynolds nicht mit aller Kraft hiergegen anspielen würde. Er wirkt uninspiriert, lustlos, wird zum schwächsten Glied der Kette, worunter der Film sichtlich zu leiden hat. Selbst kleine Auftritte von Bösewicht Kevin Bacon, immer ein dankenswerter Fiesling, als auch Mary-Louise Parker, ihr Spiel wirkt wie eine Fingerübung, bei der sie in jedem ihrer Momente den Männern die Show stiehlt, überflügeln Reynolds‘ Auftritt.

Mary-Louise Parker
Mary-Louise Parker

Doch ganz gleich der unterschiedlichen Leistungen, keiner der Darsteller kommt gegen das Drehbuch von Phil Hay und Matt Manfredi an. Der Comicvorlage wird mit dieser Verfilmung Unrecht getan. Auf der Leinwand wirkt diese Geschichte einfallslos und unkreativ, sie plätschert geradezu langweilig vor sich hin. Den Buddie-Cop-Movie mit dem Rookie, der von einem Veteranen in eine ihm bisher unbekannte Welt eingeführt wird, hat man bisweilen schon mehrfach besser inszeniert gesehen: Ob nun durch die schon oft erwähnten Men in Black, oder durch andere prominente Vertreter wie der „Lethal Weapon“-Reihe, „Rush Hour“ oder zuletzt der Frauenvariante „Taffe Mädels“.

Nicht einmal die Spezialeffekte können überzeugen. Sie hätten einiges an dieser Fehlkonstruktion wett machen können, aber die Toten, die hier nicht als Zombies, sondern bloß als „Monster“ betitelt werden, sehen arg künstlich aus, reißen mit dem sichtlichen Computeranimationen aus dieser Realität hinaus. Das macht „R.I.P.D.“ bei eigentlich guter Prämisse und Vorlage zu einer unterdurchschnittlichen Comicverfilmung, die das Genre seit Marvels Bemühungen nicht mehr verdient hat. Die filmische Apokalypse wird hier auf ganz andere Art und Weise den Zuschauern nahe gebracht: durch pure Einfallslosigkeit, durch Animationsschwäche, durch Langeweile und vor allem durch Ryan Reynolds.

 


RIPD_Hauptplakat

“R.I.P.D.“

Originaltitel: R.I.P.D.
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 96 Minuten
Regie: Robert Schwentke
Darsteller: Ryan Reynolds, Jeff Bridges, Kevin Bacon, Mary-Louise Parker, Stephanie Szostak, James Hong

Deutschlandstart: 29. August 2013
Im Netz: upig.de/ripd