Filmkritik

“Pompeii” von Paul W. S. Anderson

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Der Vesuv thront über Pompeii und wird die Stadt zerstören - das wissen wir von vornherein

Der Vesuv thront über Pompeii und wird die Stadt zerstören – das wissen wir von vornherein

Einen Film über historische Ereignisse zu machen, deren Ausgang zumeist hinlänglich bekannt ist, ist nicht unbedingt eine einfache Sache. James Cameron hat sich allerhand Schmalz für seinen epischen Blockbuster Titanic einfallen lassen, bevor der Eisberg das Schiff zum sinken brachte. Ein wenig von diesem Schmalz findet man auch in Paul W. S. Andersons Pompeii, der allerdings nicht so gut funktioniert, wie das Untergangstrauma des Kreuzfahrtschiffes. Zuviel unglaubwürdiger Schmalz, unpassende Gladiator-Elemente und ein Effektspektakel am Ende, dass die zum Untergang geweihte Stadt mit Flutwellen, Flammenwänden und Erdbeben geradezu bombardiert, hierfür die reine Menschlichkeit der Sache links liegen lässt.

Kit Harington spielt Milo, der sich vom Sklaven zum erfolgreichen Gladiator kämpft

Kit Harington spielt Milo, der sich vom Sklaven zum erfolgreichen Gladiator kämpft

Bis der Vesuv ausbricht und die Stadt unter seiner Asche begräbt, umgarnt Anderson uns mit unnützen Drehbuchzeilen und politischen Gewirr, das unter dem katastrophalen Untergang der Stadt jegliche Relevanz verliert. Er konstruiert eine belanglose Liebesgeschichte zwischen Emily Brownings Cassia und dem Game of Thrones-Darsteller Kit Harington, der in der Rolle des Milo den typisch gebeutelten Sklaven mimt, der zum unbezwingbaren Gladiator aufsteigt.

Die Chemie versagt jedoch. Der Film versucht sich an der Titanic-Liebelei, endet aber in herzlosen Schauspielereien. Die Romantik ist nie zu spüren, die Brutalität wirkt fehl am Platz, die Musik dröhnt immerzu pompös in die falschen Momente hinein, möchte gerne epochale Größe vortäuschen, bewirkt aber leider nur einen verwirrenden Klängebrei.

Ebenso gezwungen wirken denn auch die Dialoge, die unfassbar viele Worte bereithalten um uns jede noch so kleine Kleinigkeit bis ins Detail zu erläutern. Bloße Bilder sprechen zu lassen ist kein Handwerkszeug, welches sich im Repertoire des Regisseurs wiederfinden lässt. Bei ihm muss jede Figur sagen was sie denkt, was sie bewegt und was geschehen wird. Da wird gar einiges vorweg genommen: „Wenn ich Morgen in der Arena siege, bin ich ein freier Mann. So will es das Gesetz.“ – „Ja, aber du bist zu alt. Du wirst morgen sterben.“ ist die Unheil verkündende Nachricht, die natürlich eben wieder belanglos wird, wenn sich der Vesus ins Bild drängt.

Milo (Kit Harington) und Cassia (Emily Browning) suchen Schutz vor der zerstörerischen Kraft des Vesuvs

Milo (Kit Harington) und Cassia (Emily Browning) suchen Schutz vor der zerstörerischen Kraft des Vesuvs

Das ist das Hauptmanko, von dem Pompeii geplagt wird. Diese Stadt wird untergehen und es gelingt nicht eine Geschichte zu erzählen, die relevant erscheint. Es ist das Geplänkel vor der Geld verschwendenden Effekthascherei. Der Ausbruch nimmt nun diese Story, nimmt sich dem aufgebauten Konfliktpotential an und zerstört es kurzerhand.

Damit begräbt Paul W. S. Anderson nicht nur die Stadt Pompeii, sondern eben auch seinen Film, der dramaturgisch nichts zu bieten hat. Die Darsteller wirken bemüht, wissen aber wohl um ihre Statistenrollen, die nur im Schatten der eigentlichen Katastrophe existieren. Es ist fast so, als habe man einen äußerst langweiligen Geschichtslehrer vor sich stehen, der aus einem eigentlich interessanten Ereignis nur weitere 90 Minuten ungeduldiges auf dem Stuhl hin und her rutschen heraus holt. Dann kann man doch gleich blau machen.

Pompeii
105 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren, Heimmedienstart: 7. August 2014
Im Netz: Offizielle Homepage zum Film
Alle Bilder © Constantin Film Verleih GmbH

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