Wir schreiben das Jahr 3978. Offenbar gibt es Frauen in der NASA, denn unter Captain George Taylor dient eine Frau, die ihn auf eine Mission ins Weltall begleiten darf. Wenn der 1968er Planet der Affen von Regisseur Franklin J. Schaffner startet, befindet diese sich bereits im Space-Tiefschlaf. Beim Aufwachen nach einer Bruchlandung auf einem fremden Planeten stellt der restliche, rein männliche Teil der Besatzung fest, dass die Schlafkammer der weiblichen Begleitung defekt war und sie während des Flugs das zeitliche gesegnet hat – ohne je ein Wort gesagt zu haben.

Später wird George Taylor noch auf Nova treffen, gespielt von Linda Harrison, eine einheimische Menschenfrau, der es irgendwann in den Jahrhunderten die Sprache verschlagen hat. Wenn Planet der Affen etwas deutlich macht, dann dass Frauen in den Spät-1960er Jahren nichts zu sagen hatten – zumindest nicht neben dem Macho-Charakter eines Charlton Heston.

Dieser übernimmt im Film die Hauptrolle des besagten George Taylor, der mit zwei weiteren Astronauten (und einer toten Frau) auf diesem unbekannten Planeten strandet, auf dem Affen höher auf der Evolutionsleiter stehen als die Gattung Mensch. Taylor wird irgendwann feststellen, dass er hier in dieser Welt nicht alleine klarkommt: “Es ist das erste Mal dass ich jemanden brauche! Auf der Erde habe ich niemanden gebraucht. Außer Frauen natürlich. Aber die gab es genug.” Ja, so redet der Held dieses Films.

Planet der Affen
George Taylor (Charlton Heston, links) zwischen seinen Astronauten-Kollegen Landon (Robert Gunner, mitte) und Lucious (Lou Wagner, rechts)

Heston tritt nicht nur als Macho auf, er ist vielleicht auch einer der wenigen Darsteller, der neben Affenmasken ernst bleiben und eine solche Handlung in ein pures Drama verwandeln kann. Immerhin war er auch Moses, Ben-Hur und laut Wayne’s World 2 ist er eben ein “Good Actor”. Seine Präsenz strahlt eine heroische Aura aus, in Planet der Affen ist das in jedem Moment spürbar, auch wenn er in amüsanten Episoden versucht, seinen Primaten-Peinigern zu erklären, dass er ein intelligentes Wesen ist.

Er strandet in einer öden Landschaft, die ein hervorragendes Endzeit-Sci Fi-Setting abgibt – von der anfänglichen Felsenwüste bis hin zu den ländlichen Feldern und dem Dorf der Affen-Bevölkerung. Die Kamera des vierfachen Oscar-Gewinners (er war 18 mal nominiert!) Leon Shamroy versteht es grandios, eine Szenerie komplett einzufangen und in ihr Ereignisse stattfinden zu lassen. Wenn wir mit ihm durch eine Felsformation gehen, sind die Figuren nicht mittig und zentral im Bild, sondern bewegen sich irgendwo rechts unten, während sie links oben von ihren Verfolgern gejagt werden.

Planet der Affen beinhaltet einige solcher guter Actionsequenzen, hat aber ebenso pfiffige Story-Twists zu bieten sowie einige leicht verdauliche soziologische und philosophische Ansätze zum gescheiterten Leben der Menschen, zum Neubeginn der Affen und zu den ganz und gar nicht allzu großen Unterschieden zwischen den beiden Zivilisationen.

So müssen sich die Schimpansen auf diesem Planet der Affen als zweitklassige Existenzen abtun lassen (das Bürgertum), während die Orang-Utans als gebildete Oberschicht auftreten (die Wissenschaft) und Gorillas die muskelgesteuerten Schlägertypen (das Militär) abbilden. Nur allzu deutlich erkennt der Mensch hier, dass es auch unter Affen Vorurteile gibt und eine deutliche Rassentrennung und Diskriminierung stattfindet.

Planet der Affen
Das Pavian-Gericht sieht, hört und sagt nichts zum Fall des Menschen auf dem Planet der Affen

Der Film erlaubt sich einen Scherz, wenn die hoch angesehenen Orang-Utane im Gericht, vor dem Charlton Heston sich verantworten muss, die Gesten der Drei-Affen-Statue einnehmen: nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – eine wunderbare Anspielung auf den Unwillen dieses Gerichts, dem Angeklagten auch nur die geringste Chance zu geben.

In einer der besten Szenen des Films werden die frisch angekommenen Astronauten und einige Arbeiter-Schimpansen durch ein Kornfeld gejagt, wie wir es 1997 in Steven Spielbergs Vergessene Welt: Jurassic Park mit Menschen und Velociraptoren erleben durften. Hierfür gehen die Gorillas mit Fangnetzen auf die Jagd und fotografieren später gar ihren Beutezug. Der Planet der Affen wirkt wie ein Land vor unserer Zeit, nur ohne Dinosaurier.

Und dann natürlich das Ende, durch das sich der Film endgültig in die Filmhistorie geschrieben hat, da wir einen Twist zu sehen bekommen, den man zumindest damalig nicht erwartet hatte. Wenn wir Charlton Heston am Strand entlang reiten sehen, glauben wir noch an das Happy End. Aber das hat die Menschheit wohl wirklich nicht verdient.