Kinokritik

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind REVIEW: Harry Potter Prequel von J. K. Rowling

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David Yates hat ein Mammut-Projekt vor sich, das, wenn alles gut geht, ihm aber die Rente sichern sollte. Seit Harry Potter und der Orden des Phönix bewegt sich der Filmemacher in der Welt der Magie, nur um nach Abschluss der Potter-Reihe den nächsten Literaturhelden auf die Leinwand zu bringen (Die Legende von Tarzan). Aber so richtig wohl hat er sich im Dschungel wohl nicht gefühlt. Deshalb kehrte er für Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in die Welt der Hexen und Zauberer zurück und lässt sich dort auch für alle weiteren Verfilmungen nieder (die Reihe ist auf fünf Filme ausgelegt).

Nach einem Drehbuch von J. K. Rowling verschlägt uns Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in das New York des Jahres 1923. Hier lernt der britische Besucher Newt Scamander (Eddie Redmayne) die Gepflogenheiten der amerikanischen Magier-Gesellschaft kennen, während er versucht, einige seiner entflohenen phantastischen Tierwesen wieder einzufangen. Dabei erhält er Unterstützung von dem No-maj (die amerikanische Bezeichnung für Muggle, also Menschen ohne Zauberkräfte) Kowalski (Dan Fogler), der MACUSA (Magischer Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika)-Agentin Porpentina Goldstein (Katherine Waterston) und ihrer Schwester Queenie (Alison Sudol, als Sängerin A Fine Frenzy bekannt). Sie müssen nicht nur die phantastischen Tierwesen wieder auftreiben, sondern auch eine Verschwörung aufdecken, in die offenbar der Zauberer Percival Graves (Colin Farrell) und der junge Credence Barebone (Ezra Miller) verstrickt sind.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Newt Scamander (Eddie Redmayne), Queenie Goldstein (Alison Sudol), Porpentina Goldstein (Katherine Waterston) und Kowalski (Dan Fogler), v.r.n.l.

Man ist dazu geneigt, sofort die Tierwesen faszinierend und teilweise niedlich oder abgedreht zu finden, aber der erste Blick sollte auf die Besetzung fallen, die überraschend gut funktioniert. Vor allem harmonieren alle miteinander, wodurch eine gewitzte Dynamik in der Heldengruppe entsteht, während auf der Gegenseite tatsächlich eine gewisse Bedrohung spürbar wird. Eddie Redmayne kann ohnehin diese weltfremden Charaktere spielen, die als Einzelgänger sonderbar unter allen hervorstechen. Dan Fogler ist dann Newt Scamanders Ron Weasely, schafft es wie Rupert Grint in den Harry Potter-Filmen, den schmalen Grat zwischen Clown und tragischer Figur zu beschreiten. Er wird zudem in eine Love Story mit Queenie Goldstein (die wiederum an Luna Lovegood erinnert) verwickelt, die zwar schnell passiert, aber gerade deswegen so gut funktioniert, weil die Figuren so liebenswert daherkommen.

Der Showstealer ist dann aber Colin Farrell, der einmal mehr beweist (schaut The Lobster), dass er ein absolut kompetenter Schauspieler ist, der immer und immer wieder unterschätzt wird oder aber in den falschen Filmen zu sehen ist (wie eine unbrauchbare Neuverfilmung zu Total Recall). Mit ganz wenig, erreicht Farrell hier eine ganze Menge. Er hat diese bedrohliche Snape-Atmosphäre um sich, die ihn finster und spooky wirken lässt. In den Szenen, in denen er mit Ezra Miller in verwinkelten Gassen im Schatten steht und fast zu sorgsam väterlich mit ihm umspringt, kommen automatisch Gedanken eines verführerischen Kinderschänders auf.

Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

Percival Graves (Colin Farrell) mit Credence Barebone (Ezra Miller)

Aber um endlich zum Punkt zu kommen. Die phantastischen Tierwesen sind großartig. Einfach von vorne bis hinten liebenswürdige Pokemon in einer Magierwelt. Wo ist das Sammelkartenspiel, wo sind die Sammelfiguren? Ich möchte einen Niffler (dem Pokemon Enton recht ähnlich), trotz seiner Gier auf Wertgegenstände. Ich möchte einen kleinen Bowtruckle auf mir sitzen haben oder dem imposanten Donnervogel dabei zusehen, wie er seine Schwingen ausbreitet und in den Lüften gleitet. Hinzu kommt der Kofferkeller von Scamander, der ähnlich cool daherkommt (wenn nicht sogar cooler!) als Harry Potters Raum der Wünsche oder die Kammer des Schreckens. Hier hat jedes phantastische Biest sein ganz eigenes Gehege. Es ist ein artgerechter Zoo, der sich in diesem kleinen Köfferchen versteckt. Das macht Newt Scamander irgendwie zur Mary Poppins der Tierschützer.

Die Welt von Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind ist ebenso zauberhaft wie Hogwarts. Und sollte man Newt Scamanders erstes Abenteuer mit den Harry Potter-Filmen vergleichen (den Filmen, nicht den Büchern!), dann findet sich diese Prequel-Geschichte in den oberen Rängen wieder.

Aber es sei auch Vorsicht geboten! Neben all der verspielten Niedlichkeit, darf man nicht vergessen, dass Regisseur David Yates ein düsterer Zeitgenosse ist. Wir starten das Abenteuer nicht mit kleinen Kindern, sondern mit – wenn auch exzentrischen – Erwachsenen. Hier kommen schon Themen wie Kinderschändung, Herrenrasse, Hexenverfolgung und Tierquälerei auf den Tisch, ohne dass Yates auch nur mit der Wimper zucken würde.

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