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Kristen Stewart geht in PERSONAL SHOPPER auf Geisterjagd

Bereits mit seinem letzten Film Die Wolken von Sils Maria hat sich der französische Regisseur Olivier Assayas mit Ex-Twilight-Darstellerin Kristen Stewart zusammen getan, um schönstes europäisches Kino abzuliefern. In Sils Maria war Stewart die Gehilfin eines großen Hollywood-Stars (gespielt von Juliette Binoche), in Personal Shopper ist sie jetzt die Gehilfin einer großen Mode-Dame (Nora von Waldstätten), die sie regelmäßig auf Shopping Touren schickt, für die sie selbst keine Zeit mehr hat.

So sehen wir Maureen (Stewart) von Paris nach London und wieder zurück reisen, nur um für ihren Job und ihre Geldgeberin die exklusivsten Kleider und Juwelen aufzutreiben. Neben ihrem Job hat Maureen allerdings auch noch ein Privatleben. Hier trauert sie um den plötzlichen Tod ihres Zwillingsbruders durch einen Herzfehler, unter dem sie selbst auch zu leiden hat. Ihr Bruder war ein Medium und glaubte an spirituelle Dinge, wie das Leben nach dem Tod. Jetzt wartet sie auf ein Zeichen ihres Bruders aus dem Jenseits.

Personal Shopper
Kristen Stewart ist der “Personal Shopper” von Nora von Waldstätten

All die Twilight-Hasser dürfen sich natürlich bestätigt fühlen, wenn sie Twilight – nunja – hassen. Aber man muss sich auch eingestehen, dass das gesamte Franchise für seine beiden Hauptdarsteller Robert Pattinson und Kristen Stewart ein enormes Sprungbrett dargestellt hat. Und wenn man nun einen Blick auf die Nicht-Vampir-Romanzen mit Kristen Stewart wirft, müsste man recht schnell von ihrer schauspielerischen Entwicklung begeistert sein.

Hier haben wir ihre vielfach prämierten Nebenrollen in Die Wolken von Sils Maria oder dem Alzheimer-Drama Still Alice. Aber auch ihre Rolle als Musikerin Joan Jett in The Runaways (2010) und das Drama Willkommen bei den Rileys (2010) zeigen noch während ihrer Twilight-Zeit, dass sie durchaus über Talent verfügt. Hin und weg ist man, wenn man sich Camp X Ray (2014) anschaut, wo sie eine Wärterin in Guantanamo Bay spielt.  

Und auch in Personal Shopper nutzt sie dieses Talent um uns die gänzlich natürliche Seite ihrer Figur Maureen vorzuspielen. So markant Kristen Stewart als Schauspielerin sein mag, vergisst man hier, dass man es mit ihr zu tun hat und verliert sich gänzlich in ihrer Rolle. Sie macht Angstzustände spürbar. Ganz gleich ob sie langsam beginnt zu weinen und sich mit zuckenden Händen wie bei einer Panikattacke verhält oder aber wenn sie sich vor Schock auf den Boden kauert und nicht wie im herkömmlichen Horrorfilm anfängt zu schreien, zu rennen, zu sterben – sondern einfach nur ängstlich abwartet.

Personal Shopper
Manchmal zieht der “Personal Shopper” auch selbst die gekauften Kleider an

Personal Shopper ist auch ein Horrorfilm. Vielleicht ein besserer Horrorfilm, als mancher Horrorfilm, der uns als solcher verkauft wird. Denn hier gibt es keine Jump Scares, sondern selten aufkommenden Grusel, der immer – wirklich immer – Gänsehaut erzeugt. Es gibt nie diesen Wegguck-Effekt, bei dem sich zarte Gemüter oftmals in Kissen oder die Schulter eines Sitznachbarn verkriechen möchten. Wir sehen Gespenster, übernatürliche Erscheinungen, die uns mit ihrem Auftreten an sich fesseln. Wir werden auf den Grusel fixiert. Er ist so spannend und durchdringend inszeniert, dass wir ihn nicht verpassen möchten.

Zugleich ist Personal Shopper aber auch mehr als nur ein tiefgründiger Kunst-Horror aus Europa. Es ist auch eine Suche nach Identität, wenn Maureens Zwillingsbruder stirbt und sie alleine mit einem Job in der extravaganten Stars & Sternchen-Welt klar kommen muss, in der sie sich nur allzu leicht verlieren kann.

Am Ende bräuchte man allerdings ein Gespräch mit Regisseur Assayas um den Film wirklich verstehen zu können. Vielleicht sind die Ungereimtheiten im Drehbuch aber auch der Kunstanspruch, den das europäische Kino oftmals hat.

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