Filmkritik

“Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen” von Thor Freudenthal

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© 20th Century Fox / Percy Jackson befindet sich dieses Mal "Im Bann des Zyklopen"

© 20th Century Fox / Percy Jackson befindet sich dieses Mal “Im Bann des Zyklopen”

Nicht erst mit dem Ende des viel umjubelten Franchise um den Hogwarts-Zauberschüler Harry Potter und seinen Bemühungen den finsteren Lord Voldemort in seine Schranken zu verweisen umgeben die Literatur- wie auch Filmwelt die hartnäckigen Bemühungen einen legitimen Nachfolger ausfindig zu machen, der die Tweens ebenso unterhält wie ihnen das Geld aus der Tasche ziehen kann. 2006 startete „Der Goldene Kompass“ diesen Versuch, nach der Buchvorlage von Philip Pullman, der Auftakt zur His Dark Materials-Trilogie. Das Einspielergebnis blieb trotz namenhafter Besetzungsliste (Nicole Kidman, Eva Green, Daniel Craig) hinter den Erwartungen zurück und die Fortsetzungen „Das magische Messer“ und „Das Bernstein-Teleskop“ wurden bis zum heutigen Tage ausgespart. Etwas erfolgreicher wurden die christlich angehauchten „Chroniken von Narnia“ nach C. S. Lewis auf die Kinoleinwände gebracht. Mit bisher drei Verfilmungen aus einer Serie von sieben Büchern muss hier jedoch die Zukunft abgewartet werden, wo die Reihe doch mit sinkenden Einspielergebnissen zu kämpfen hat. Derweil startete 2010 die nächste Fantasy-Verfilmung mit den Abenteuern des jungen Halbgottes Percy Jackson der gleichnamigen Buch- und nun Filmreihe. Nach einem ordentlichen Gewinn, der durch den Erstling „Diebe im Olymp“ hereingeholt wurde, hat nun Regisseur Thor Freudenthal das Ruder von Chris Columbus übernommen und inszenierte das Sequel „Im Bann des Zyklopen“.

Erneut steht also Percy Jackson im Mittelpunkt der Handlung, obgleich das eine schwere Last für den Sohn einer Menschenfrau und des Gott des Meeres Poseidon darstellt. Geplagt vom Leistungsdruck, irgendwann einmal nicht gut genug zu sein, sucht er verzweifelt nach einem väterlichen Gespräch, findet sich aber immer wieder allein vor einem stillen See sitzend, ins Leere sprechend, mit der Hoffnung, Poseidon erhört sein Wehklagen. Viel Zeit bleibt Percy aber nicht, um sich in seine Selbstzweifel zu stürzen. Der totgeglaubte Luke (Sohn von Götterbote Hermes) kehrt zurück und findet einen Weg den Schutzwall des Halbgott-Camps, das bisher einen sicheren Unterschlupf für zahlreiche Kinder von Göttern bot, zu durchbrechen. Während Luke den Plan verfolgt, den gefallenen Titan Kronos, Vater des Götterdreigestirns Zeus, Hades und Poseidon, zum Leben zu erwecken und hierfür das sagenumwobene Goldene Vlies sucht, benötigen Percy und seine Freunde eben jenes Vlies, um den Schutzwall zu erneuern und damit das Leben aller Halbgott-Kinder zu schützen, die dem Tod entgegen bangen, jetzt wo sie der Welt der bösen Mächte fast hilflos ausgeliefert sind.

Grover (Brandon T. Jackson), Annabeth (Alexandra Daddario) und Percy Jackson (Logan Lerman)

Grover (Brandon T. Jackson), Annabeth (Alexandra Daddario) und Percy Jackson (Logan Lerman)

Das Goldene Vlies als Bezwinger des Todes bildet den zentralen Punkt im zweiten Teil um Percy Jacksons Abenteuer in der griechisch modernisierten Mythologie. Im anfänglichen Rückblick erfahren die Zuschauer um den Tod eines jungen Mädchens, eine Tochter des Zeus, der ihr vom Himmel herab ein neues Leben in Form eines schützenden Baumes schenkt, von dem aus der magische Wall ausgeht, der viele Jahre lang das Camp der Halbgötter zum Schutze dienen soll. Dieser Tod ist der einleitende Aufhänger für „Im Bann des Zyklopen“, ein Titel der nicht nur auf den Zyklopen zurückzuführen ist, der das Goldene Vlies in seiner Obhut hält, sondern auch auf den Zyklopen-Bruder von Percy Jackson (Douglas Smith aus Brandon Cronenbergs Regiedebüt „Antiviral“), der gezeugt von Poseidon und einer Nymphe, urplötzlich auftaucht.

Aber auch die Rückkehr Lukes, der im ersten Teil noch den Herrscherblitz vom Olymp stahl um einen Krieg der Götter zu provozieren, symbolisiert eine Rückkehr aus dem Reich der Toten. Sein Angriff auf das Halbgott-Camp wird mit Hilfe eines imposant in Szene gesetzten mechanischen Bullens inszeniert, der Percy in mehreren Transformationsstufen einiges abverlangt. Überhaupt glänzen in diesem Teil die mythischen Kreaturen durch ihre Gestaltung. Immer deutlich in ihren Bewegungen erkennbar, niemals verschwommene Computerkreaturen wie es noch in „Kampf der Titanen“ – ebenfalls der griechischen Mythologie entsprungen – angekreidet wurde, ganz gleich wie hektisch eine Sequenz gerade vollführt wird.

Neuzugang Douglas Smith als Zyklop Tyson

Neuzugang Douglas Smith als Zyklop Tyson

Und auch das Ensemble, das sich um Percy Jackson schart, bekommt es reichlich mit dem Tod zu tun. Percy selbst, erneut sehr smart von Logan Lerman verkörpert, dem man die Selbstzweifel kaum abkaufen mag, wird hierdurch immer wieder mit dem Alleinsein konfrontiert. Der neu gefundene Zyklopen-Bruder Tyson stürzt von einer Klippe in die Tiefe, die beste Freundin Annabeth (Alexandra Daddario spielt die Tochter der Athene) wird vom Stachel des Manticore erstochen, der Satyr Grover (Brandon T. Jackson) wird vom auferstandenen Titanen Kronos gefressen. In der Jugendbuchliteratur wäre ein solch todreiches Ende vermutlich kaum denkbar, weswegen der Tod unter diesen Halbgöttern kaum Bestand hat, ob nun durch das Goldene Vlies umkehrbar gemacht oder durch andere Begebenheiten zu Stande kommend. Immerhin handelt es sich hier um Halbgötter, die etwas mehr ertragen können als der Durchschnittsmensch. Dennoch besticht „Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“ durch einen überraschend erwachsenen Umgang, hervorgerufen durch zahlreiche Blessuren, Kampfspuren und Blut, wie auch die hohe Dichte an totgeglaubten Freunden, die zwar umkehrbar gemacht wird, dennoch erst einmal geschieht.

Nicht mehr in seiner ursprünglichen Form dabei ist Percys Mentor, der Zentaur Chiron, der in „Diebe im Olymp“ noch von Ex-James Bond Pierce Brosnan gespielt wurde. Diese Rolle hat nun der aus „Buffy the Vampire Slayer“ als Mentor erfahrene Anthony Head übernommen, dem zudem Stanley Tucci als Mr. D, kurz für Dionysos: Gott des Weines, zur Seite gestellt wurde. Es ist eine illustre Bereicherung. Gerade Tucci versteht es, in kurios skurrilen Rollen (auch in „Die Tribute von Panem“) immer wieder mit Charme und Witz einige wertvolle Momente zu kreieren. Aber auch Nathan Fillion (neben Anthony Head ebenfalls ein Weggefährte des Buffy-Erfinders Joss Whedon) bekommt ein viel zu kurz geratenes Intermezzo mit dem Heldengespann, trägt hiermit aber zum Unterhaltungswert des Films enorm bei.

Was „Im Bann des Zyklopen“ fehlt, ist die nötige Zeit, die sich ein Franchise wie Harry Potter oder auch Der Herr der Ringe, bzw. Der Hobbit nehmen, um ihre epischen Geschichten zu erzählen. Zu gehetzt wirkt die Erzählung hier, die von Situation zu Situation springt ohne dabei eine besondere Figurenentwicklung zu zeichnen. Es geht Schlag auf Schlag, Percy und seine Freunde werden von Hinweis zu Hinweis geschickt, bis sie dem ‚Big Bad‘ gegenüberstehen, ihn besiegen und den Film unerwartet schnell beenden. Obgleich nun auch die Percy Jackson-Reihe ein Ende wählt, dass der seriellen Erzählform manch anderer Produktionen entspricht, die mit dem Ende eines Films bereits auf eine weitere, kommende Fortsetzung hinweisen möchten. Wenn der dritte Teil, der Roman ist in Deutschland unter dem Titel „Der Fluch des Titanen“ erschienen, qualitativ an seine Vorgänger anknüpfen kann, ist der Fortsetzung der Reihe – vielleicht schaffen es alle fünf Bände auf die Kinoleinwand – nichts entgegen zu setzen.

 


Percy Jackson 2_Hauptplakat

“Percy Jackson: Im Bann des Zyklopen“

Originaltitel: Percy Jackson: Sea of Monsters
Altersfreigabe: ab 12 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA / CDN, 2013
Länge: ca. 106 Minuten
Regie: Thor Freudenthal
Darsteller: Logan Lerman, Alexandra Daddario, Douglas Smith, Leven Rambin, Brandon T. Jackson, Jake Abel, Anthony Head, Stanley Tucci, Paloma Kwiatkowski, Nathan Fillion

Deutschlandstart: 15. August 2013
Im Netz: percyjackson-imbanndeszyklopen.de


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