Filmkritik

“Red Lights” von Rodrigo Cortés

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© Central Film / Cillian Murphy als Tom Buckley in “Red Lights”

Haben wir nicht alle ein wenig gestaunt als Uri Geller mit seiner bloßen Willenskraft Löffel verbogen hat? Hokuspokus mag man meinen, aber metaphysische Fähigkeiten, ob nun real oder nicht, werden nicht nur zu Unterhaltungszwecken eingesetzt, sondern auch um leichtgläubigen Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Selbsternannte Wunderheiler erlösen ihre Opfer von Krebsleiden, von Geschwüren, Tumoren und seelischen Leid. Aber ein überzeugender Auftritt hilft nun einmal über das rationale Denken hinweg. Was soll man auch schon von einem Mann halten, der offenbar jeden einzelnen Namen von hunderten von Zuschauern, Pilger des Glaubens, kennt? Er erzählt ihnen von ihren Familienverhältnissen, von Bekannten, von kürzlich stattgefundenen Ereignissen, von denen er eigentlich nichts wissen sollte. Entweder hier sind wirklich übernatürliche Kräfte am Werk oder aber Rote Lichter – „Red Lights“, wie auch der neue Film des spanischen Regisseurs Rodrigo Cortès („Buried – Lebendig begraben“) heißt. Hierbei handelt es sich um Personen, die in einer großen Menge von Menschen durch ein auffälliges Verhalten die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, zumindest wenn man sie genauer beobachtet. Sie schauen Fremden über die Schulter, machen sich fleißig Notizen und versuchen möglichst viele Informationen über die sie umgebenen Menschen zu sammeln. Alles nur aus dem Zweck, die Daten für den Scharlatan bereit zu legen, der den Opfern später durch phänomenal inszenierte Tricks den Glauben an übernatürliche Kräfte vorgaukelt und damit sein nicht zu geringes Gehalt reinholt.

Es gibt aber auch Menschen, die solche Betrüger auffliegen lassen wollen. Und dazu gehören Dr. Margaret Matheson (Sigourney Weaver) und ihr Assistent Tom Buckley (Cillian Murphy), die als Ermittler für paranormale Vorfälle die unterschiedlichsten metaphysischen Phänomene untersuchen. Als der legendäre blinde Parapsychologe Simon Silver (Robert De Niro) nach dreißig Jahren wieder in die Öffentlichkeit zurückkehrt und einen großen Auftritt ankündigt, sieht Tom seine Chance gekommen, diesen Meister seiner Zunft zu entlarven und öffentlich bloßzustellen. Immer mehr entwickelt er eine Obsession für Silver, dessen Anziehungskraft auf die Massen mit jeder neuen Darbietung auf unerklärliche Weise steigt. Dr. Matheson warnt Tom vor Silver und auch seine neue Forschungsassistentin und Freundin Sally (Elizabeth Olsen) hat Angst um ihn. Aber Tom kommt Silver immer näher, die Spannung zwischen den beiden wächst und am Ende werden beider Leben in ihren Grundfesten erschüttert.

Sigourney Weaver (links) und Elizabeth Olsen (rechts)

Aber hier näher drauf einzugehen, würde das Ende vorweg nehmen, welches den eigentlich unterhaltsamen Film einen faden Beigeschmack beschert. Blendet man aber die letzten fünf Minuten aus, in denen der Film uns eigentlich alles zuvor Gesehene erklären möchte, so erlebt man eine spannende paranormale Detektivgeschichte à la Sherlock Holmes. Dabei sieht man die Parallele von Sherlock und seinem Gehilfen Dr. Watson deutlich in dem Gespann von Sigourney Weaver – wie immer abgebrüht und professionell – und Cillian Murphy, der hier den wissbegierigen Partner darstellt, der ebenso geschickt seiner Profession nachgeht. Das Zusammenspiel funktioniert hervorragend, die beiden Schauspieler machen uns glaubhaft bewusst, dass sie bereits seit Jahren gemeinsam solchen Fällen nachgehen und sich dabei eine gute Freundschaft entwickelt hat. Somit funktioniert auch der Einstieg in den Film, bei dem wir uns direkt inmitten ihrer Ermittlungen befinden ohne dass die Figuren großartig vorgestellt werden müssten. Da sind unheimliche Geräusche im Haus, ein magischer Zirkel, eine besessene Frau und ein schwebender Tisch – aber kühl und besonnen werden Matheson und Buckley diesen Schabernack aufdecken und, als wäre nichts gewesen, wieder von dannen ziehen.

Natürlich ist das nur einer der leichteren Fälle, die mit reiner Routine gelöst werden können. Dagegen gestaltet sich Robert De Niro natürlich als ein Schwerkaliber, das erst einmal bezwungen werden will. Während sich Matheson bewusst von ihm fernhält, da sie um seine professionellen Gaunereien Bescheid weiß, aber auch an ihrer eigenen Kompetenz ihm gegenüber zweifelt, manifestiert sich hier der unerfahrene Leichtsinn Buckleys, der von einer unerklärlichen Kraft dazu getrieben wird, die Konfrontation mit diesem Meister aller Scharlatane zu suchen. Hier werden sämtliche Mittel genutzt um ernsthafte Zweifel aufkommen zu lassen, ob das Paranormale tatsächlich bloßer Schwindel oder Einbildung ist. Die Angst Mathesons vor Silver, die unerklärlichen Ereignisse die sich um Buckley abspielen, ein nach vielen technischen Tests erbrachter wissenschaftlicher Beweis für die Kräfte Silvers suggerieren: Hier wird gar kein Spuk erzeugt, hier findet tatsächlich Spuk statt. Die Täuschungsmomente des Films erinnern schon fast an Christopher Nolans „The Prestige“, die Wahrheit wird sich erst am Ende offenbaren, ganz gleich was man als Zuschauer annimmt, wahrscheinlich dreht das Ende noch einmal das Vermutete herum. Denn ähnlich wie in Nolans Zauberhandwerk sind es auch hier die kleinen Dinge auf die man achten soll, eine Nachricht die uns Cillian Murphy ganz beiläufig kund tut, wenn er mit Elizabeth Olsen am Tisch sitzend über seine vermutliche Vergangenheit spricht, aber ganz schnell abblockt, wenn seine zukünftige Herzensdame nachfragen stellt.

Robert De Niro

Neben De Niro, Weaver und Murphy wird deutlich, dass Olsen hier nur eine kleinere Nebenrolle übernommen hat. Ganz heimlich entwickelt sich die Liaison zwischen Buckley und Sally, auf einmal liegt sie bei ihm im Bett und er hat eine Schulter an die er sich lehnen kann, vor allem nachdem seine Mentorin schon bald durch Abwesenheit glänzt. Ansonsten hat Olsen allerdings nicht sonderlich viel zu tun, darf als weibliches Anhängsel fungieren und wenig handlungsrelevante Dinge tun, die entweder von wenig Relevanz sind oder von anderen Figuren ebenso durchführbar gewesen wären.

Sie ist also weit davon entfernt ein Rotes Licht zu sein, verhält sich unauffällig und kann allenfalls als hübsches Beiwerk betrachtet werden. Ansonsten wird man mit der Nase immer wieder auf eine mögliche Erklärung gestupst, die sich einem aber in den meisten Fällen niemals erschließen wird. „Red Lights“ betreibt wunderbare Geheimniskrämerei, schafft es zeitgleich aber auch mit seinem Ende den Film ein wenig zu zerstören. Ein hervorragendes Beispiel für die Wichtigkeit eines gut inszenierten Abschlusses, welcher hier leider nicht gelungen ist. „Red Lights“ hätte selbst ein Rotes Licht sein können, hätte in einer Masse von Filmen auf sich Aufmerksam machen können, versagt aber in letzter Sekunde. Aber die Lösung liegt, ebenso wie das Geheimnis um Simon Silver, auf der Hand: Einfach fünf Minuten vor Ende den Kinosaal verlassen.

Denis Sasse

“Red Lights“

Originaltitel: Red Lights
Altersfreigabe: ab 16 Jahren
Produktionsland, Jahr: USA, 2012
Länge: ca. 118 Minuten
Regie: Rodrigo Cortés
Darsteller: Cillian Murphy, Sigourney Weaver, Robert De Niro, Elizabeth Olsen, Burn Gorman, Toby Jones, Joely Richardson, Craig Roberts, Karen David, Jeany Spark

Deutschlandstart: 9. August 2012
Offizielle Homepage: redlights-film.de

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