Die Kamera bleibt still auf dem Bett stehen. Wie eine Überwachungskamera. Das ruhige Bild zeigt ein Pärchen im Bett liegen. Die ganze Nacht. Am unteren Bildrand sehen wir die Zeitanzeige, die mal langsam, mal etwas schneller voranschreitet. Als würde dort jemand sitzen und diese Videoaufzeichnung im Schnelldurchlauf vorspulen – und zwar immer zu den Momenten, in denen merkwürdige Dinge geschehen. Was das Blair Witch Project 1999 vorgemacht hat, wurde erst 2007 mit Paranormal Activity zur vollen Entfaltung aller atmosphärischer Horror-Spannung gebracht.

Trotz all der Jahre die zwischen den Filmen liegen und der Aufklärungsarbeit um die Fiktionalität des Found Footage Genres, hat es sich auch das produzierende Studio Paramount im Falle von Paranormal Activity nicht nehmen lassen, einen kurzen Satz vor den Film zu stellen, der uns die vermeintliche Realität der Ereignisse deutlich machen möchte: Paramount Pictures möchte sich bei den Familien von Micah Sloat und Katie Featherston und dem San Diego Police Department für die Zusammenarbeit bedanken.

Paranormal Activity
Micah und Katie fürchten um ihren Verstand

Und so können wir Katie und Micah beobachten, wie sie sich zuerst noch aus Spaß gegenseitig filmen, schon bald aber durch ihre Aufnahmen auf diverse kleinere Ereignisse aufmerksam werden, die sich um sie herum abspielen. Katie glaubt an übernatürliche Phänomene, an einen Dämon der sie verfolgt und Erinnerungen wachruft, die aus ihrer Kindheit stammen. Micah filmt zwar fleißig mit, bleibt aber äußerst lange standhaft skeptisch.

Dann kommt das Gebrüll, der laute Knall irgendwo aus dem Haus und Micah muss einfach anfangen, an andere Dinge als seine normalen Erklärungen von Windzügen im Haus zu glauben. “Bist du nicht ängstlich” fragt Katie, worauf sie nur ein “Es ist bizarr” bekommt. Aber dann fliegt die Schlafzimmertür vor ihren Augen zu, eine Nacht später greift etwas unter die Bettdecke und zieht Katie am Bein heraus, schleift sie aus dem Zimmer. Gänsehaut, nicht nur bei Micah, sondern auch bei uns.

Es ist der Schrecken der Ahnungslosigkeit, der in Paranormal Activity um sich schlägt. Die Verwundbarkeit des Schlafes, in dem wir nicht die Kontrolle über das haben, was um uns herum geschieht. Hier dürfen wir uns in zwei Hauptfiguren hineinversetzen, die von außerhalb beobachtet werden – von ihrer eigenen Kamera, von einem Dämon, von uns Zuschauern – und das alles während ihres nächtlich unbekümmerten Schlafs.

Die Spannung wird derweil dadurch hervorgerufen, dass gar nicht allzu viel geschieht oder zu sehen ist. Wenn es dann aber passiert, dann ist es umso mitreißend-unheimlicher. Die ständig ruhige Kamera auf das Bett gerichtet bleibt manches mal minutenlang ohne Ereignis einfach so im Raum hängen. Dabei erzeugen die Bilder am ehesten ein Gefühl von Professionalität, weil sich hier sichtlich jemand Gedanken über die Raumgestaltung gemacht hat – wo müssen sich die Darsteller positionieren und wo geschieht am besten eine kleine übernatürliche Episode? An dieser szenischen Choreografie wird dieser Found Footage Film seiner wahren Natur überführt.

Paranormal Activity
In der Nacht scheint zumindest alles ruhig zu sein.

Die beiden Darsteller, die auch in Wirklichkeit Katie und Micah heißen, wechseln sich dabei ab, wer von den beiden gerade unerträglicher sein darf. So sehr Paranormal Activity genauestens weiß, wie es Bilder, Stimmungen und Atmosphäre mit den Ereignissen im Haus und vor allem im Schlafzimmer kombinieren muss, um sich selbst zu einem sehenswerten Vertreter des Found Footage Horrorfilms zu machen, so wenig können die Darsteller auch nur irgendeine Sympathie hervorrufen.

Micah zweifelt bis zur letzten Sekunde und wirkt wenig unterstützend wenn es um seine Freundin geht, die wiederum so zickig am herum zetern ist, dass wir sie nur zu gerne dem Dämon opfern würden, einfach nur um ein paar Minuten Ruhe zu bekommen.

So führt uns Paranormal Activity zwar durch ein ansteigendes Panik-Level, damit einher geht aber auch der ansteigende Nerv-Faktor durch Katie und Micah. Aber wenn man diese beiden Personen einfach ausblendet, ist der Film eine Verbesserung zum Blair Witch Project und bis heute noch einer der best-inszenierten Found Footage Filme.