Science Fiction

Pacific Rim (2013)

1
5.1

Pacific Rim

mit Charlie Hunnam, Idris Elba, Diego Klattenhoff, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Ron Perlman, Max Martini und Burn Gorman

Vielleicht bedarf es einer gewissen Affinität zu gigantischen Robotern um mit all den Franchises unterhalten zu werden, die durch ihre überdimensionalen Schrott-Schlachten auf die Zuschauer losgelassen werden. Die Power Rangers haben sich in den 90ern dabei selbst noch nicht allzu ernst genommen – in der Reboot-Verfilmung schon eher – und die Transformers von Michael Bay haben trotz mangelnder Qualität irgendwo eine ganze Menge Fans zusammen geschart. Dabei bleiben kleine, schöne Geschichten wie Real Steel leider unbeachtet, während Kolosse wie auch Guillermo Del Toros 2013er Pacific Rim wiederum mehr Aufmerksamkeit erhalten, als sie es verdient haben.

Wenn seine Jaeger, wie er seine Robo-Giganten nennt, auf die monströsen Kaiju treffen, dann ruft das natürlich sofort Erinnerungen an Godzilla oder visuell gar an solche Manga/Anime-Vorlagen wie Neon Genesis Evangelion herauf. Del Toro bedient sich bei Sci-Fi Autoren wie Philip K. Dick, H. P. Lovecraft und Ray Bradbury und mischt noch ein wenig Mary Shelley hinein.

Die Roboter müssen immer von Teams bestehend aus zwei Piloten gesteuert werden, da sowohl Körper als auch Geist bei der Kontrolle der Jaeger zum Einsatz kommen. Auch wenn die Technologie an ein simples Marionettenspiel erinnert, ist ein einzelner Geist nicht dazu in der Lage, eine solch umfangreiche Mechanik zu steuern.

Einst hat Raleigh Becket (Charlie Hunnam mit Negativ-Charisma ausgestattet) einen solchen Jaeger gesteuert, hat dann aber sein Dasein als Robo-Pilot aufgegeben, als sein älterer Bruder und Partner Yancy (Diego Klattenhoff) bei einem Kampf gegen ein Monster ums Leben kam. Riley kann sich nicht vorstellen, jemals wieder einen so guten Partner zu finden, lernt dann aber eine junge Frau namens Mako Mori (Rinko Kikuchi) kennen, die vor einigen Jahren ihre Eltern bei einer Monster-Invasion auf Tokio verloren hat.

Allerdings empfindet der kommandierende Offizier Penetcost (Idris Elba) väterliche Gefühle für Mako und will sie nicht in einen Jaeger lassen. Das ändert sich, als eine apokalyptische Attacke bevorsteht. Derweil versuchen die Wissenschaftler Newton Geiszler (Charlie Day) und Gottlieb (Burn Gorman) die Biologie der Kaiju zu verstehen um so einen alternativen Weg zu finden, den Angriff der Monster zu stoppen.

Wäre der Film um Charlie Day aufgebaut, hätten wir sicherlich weitaus mehr Spaß. Gerade die Szenen, in denen sein Dr. Geiszler durch die verregneten Straßen Tokios zieht, geben Pacific Rim ein Gefühl von liebevollen Weltenbau mit. Auf der Suche nach einem funktionstüchtigen Kaiju-Hirn landet er bei Del Toro-Freund Ron Perlman, der Hannibal Chau verkörpert, einen Schwarzmarkthändler für Kaiju-Organe.

Die Straßen auf denen sich die beiden tummeln sind mit Leuchtreklamen und herumliegenden Kaiju-Körperteilen verziert und erinnern an dystopisch anmutende Großstadtkulissen à la Blade Runner, Ghost in the Shell oder Akira. Hier würde man gerne noch viel länger verweilen und eine sich neu formierte Gesellschaft beobachten.

Leider liegt der Fokus aber auf dem Kampfgeschehen, wenn in nächtlicher Dunkelheit die Riesen-Robos auf Godzillas Verwandtschaft treffen. Immerhin besser – übersichtlicher – gefilmt als bei Michael Bays Transformers, entwickelt sich dennoch keine Spannung bei diesen Aufeinandertreffen. Der Märchenonkel Guillermo Del Toro gibt das Geschichtenerzählen auf und überlässt uns ein Schlachtfeld voller Bilder, die ohne Emotionen vor uns abgespult werden.

Pacific RimAls Erzählung bekommen wir nur eine Menge Informationen zugespielt, um diese Welt überhaupt verstehen zu können. Was ist wann in der Vergangenheit geschehen, wie hat sich die Jaeger-Front überhaupt entwickelt, woher kommen die Kaiju und wer darf ihnen die eigenschaftsbezogene Namen geben, als handele es sich um eine neue Generation von Pokemon? – all das müssen wir uns zu Beginn erklären lassen und fühlen uns sogleich überfrachtet. Pacific Rim täuscht Komplexität vor, obwohl er sich in simpler Banalität verliert.

Vor allem aber fühlt sich Pacific Rim nicht nach einem Del Toro Film an. Selbst seine größten Mainstream-Werke wie Blade II und das Hellboy-Duo lassen noch diese düstere Märchenstimmung mitschwingen, die stiltypisch für den mexikanischen Regisseur ist. Wir können Pacific Rim als einen Versuch werten mit dem Del Toro das Sci-Fi Genre austesten wollte um wie ein kleiner Junge seine Spielzeuge aneinander krachen zu lassen, seine Stärke bleiben aber die Fantasy- und Horrormärchen.

1 Comment

  1. […] Guillermo Del Toro sich mit seinem 2013er Pacific Rim noch allein hingesetzt hat um mit gigantischen Robotern und Monstern zu spielen, als säße er in […]

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