Loading...

John Boyega spielt sich charmant durch den soliden PACIFIC RIM: UPRISING

Während Guillermo Del Toro sich mit seinem 2013er Pacific Rim noch allein hingesetzt hat um mit gigantischen Robotern und Monstern zu spielen, als säße er in einem Sandkasten daheim bei seinen Eltern, begibt sich Sequel-Regisseur Steven S. DeKnight auf einen großen Spielplatz, wo er anderen Kindern – uns – zuerst erzählt, was er Großes vollbringen will, bevor er dann alle an die Hand nimmt und mitspielen lässt. Pacific Rim: Uprising ist zugänglicher, besser, cooler, weil nicht nur Guillermo Spaß haben darf, sondern diesmal wir eben auch.

DeKnight hat hier ein ansehnliches Debüt hingelegt, bei dem er seine Erfahrungen vom Fernsehbildschirm auf die Leinwand übertragen konnte: Buffy die Vampirjägerin, das Spin-Off Angel, die Superman-Jugendjahre in Smallville oder jüngst die düstere Marvel/Netflix-Kooperation Daredevil – als Drehbuchschreiber darf DeKnight sich bereits seit den 90er Jahren austoben, so dass sein Regie-Auftakt sehr ausgiebig vorbereitet worden ist.

Pacific Rim: Uprising
John Boyega (mitte), Scott Eastwood (rechts) und Cailee Spaeny (links) in PACIFIC RIM: UPRISING.

Pacific Rim: Uprising setzt zehn Jahre nach der Kaiju-Invasion des ersten Teils ein und zeigt uns den ehemaligen Jaeger-Piloten Jake Pentecost (John Boyega), Sohn von Kriegsheld Stacker Pentecost (Idris Elba). Inzwischen verdient er sein Geld damit, herumliegende Jaeger-Teile zu sammeln oder zu stehlen und sie teuer zu verkaufen. Dabei trifft er auf die Bastlerin Amara (Cailee Spaeny), die ihn unwillig mit auf einen Trip in ihrem selbst gebauten und unregistrierten Mini-Jaeger nimmt, woraufhin die beiden vom Pan-Pacific Defence Corps festgenommen werden.

PPDC Kommandantin und Jakes Adoptivschwester Mako Mori (Rinko Kikuchi) lässt ihm die Wahl: entweder er geht ins Gefängnis oder er nimmt einen Job als Jaeger-Pilotenausbilder an. Während Amara zu den Kadetten seines Teams stößt, findet er sich neben seinem ehemaligen Partner Nate Lambert (Scott Eastwood) wieder. Die beiden Streithähne müssen ihr Kriegsbeil schon bald begraben, als das Jaeger-Programm von einer neuen Dronen-Technologie der Shao Corporation unter der Leitung von Liwen Shao (Jing Tian) und ihrem Gehilfen Dr. Newt Geiszler (Charlie Day) eingestellt zu werden droht.

Wie froh können wir darüber sein, nirgendwo den Namen Charlie Hunnam zu lesen, der den ersten Teil auf seinen Schulter tragen sollte und über den der ganze Film zusammen gebrochen ist, weil sein Charisma nicht einmal an die Ausstrahlung der emotionslosen Blechriesen heranreichen konnte.

Hier nun übernimmt John Boyega, kratzt die Pacific Rim-Überreste vom Boden auf und macht daraus ein wunderbares Stück Blockbuster-Unterhaltung. Er hat sichtlich Spaß mit seiner Rolle, erfreut sich der Aufmerksamkeit, bringt gerade im Zusammenspiel mit der unglaublich guten und hoffentlich bald viel mehr zu sehenden Cailee Spaeny unfassbar viel Verve in den Film hinein. Wenn Boyega auftaucht – und das tut er Gott sei Dank sehr oft – ist das ein Zugewinn für jeden Moment des Films.

Das Drehbuch ist viel verständlicher gestaltet, springt nicht wild umher, sondern konzentriert sich wirklich auf das Storytelling, das nicht sonderlich einfallsreich ist, das Rad nicht neu erfindet, aber ausreichend gut, um bei uns Gedanken an ein Pacific Rim-Franchise aufkommen zu lassen. Die Schwächen des ersten Teils werden ausgebessert, fast schon als wollte man mehr ein Reboot als ein Sequel inszenierien.

Einzig Charlie Days Dr. Geiszler hätte gerne aus dem ersten Teil übernommen werden dürfen, hier entwickelt er einen gänzlich neuen Charakterzug. Und das ist schlicht blamabel. Welche Unsumme an Geld muss der Darsteller erhalten haben, um nach dem Lesen des Drehbuchs nicht sofort aufzustehen und beleidigt den Raum zu verlassen. Seine Figur ist ein Witz und das nicht in bester Comic Relief-Bedeutung, sondern konzeptuell in ihrer Gestaltung. Darüber hinaus besitzt Day hier leider nicht die notwendigen Schauspielkünste um weiterzuverkaufen, was das Drehbuch ihm angedreht hat.

Derweil wirft auch Pacific Rim: Uprising mit Jaeger- und Kaiju-Namen um sich, als hätten wir diese allesamt schon tausendmal gehört und müssten sie wiedererkennen und vor Freude aufspringen, dass diese Legenden es auf die Leinwand geschafft haben. Dabei wird man hinterher die Namen der Jaeger allesamt vergessen haben – mit Ausnahme des Gipsy Avenger, der so oft zur Sprache kommt, dass seine Namensnennung ein gutes Trinkspiel abgeben würde.

Bei den Kaiju ist es noch viel schlimmer. Der ebenfalls zurückkehrende Burn Gorman als Dr. Hermann Gottlieb gibt ihnen in einem schnellen Moment irgendwelche Namen, während wir uns glücklich schätzen können, diese überhaupt zu verstehen, mitzubekommen und dann auch noch zu behalten, zumal sie überhaupt keine Rolle spielen (und auch nicht auf bestimmte Charakterzüge, Fertigkeiten oder das Aussehen der Kaiju anzuspielen scheinen).

Pacific Rim: Uprising
Charlie Day hätte besser nicht zurückkehren sollen.

Guillermo Del Toro hat in seinem Pacific Rim seine Fantasie ausgelebt, wie die Kämpfe zwischen Jaegern und Kaiju aussehen würden. Diese hat er uns fast in Dauerbefeuerung geliefert. Steven S. DeKnight hält sich da etwas mehr zurück. Er baut das Kaiju-Erscheinen ungemütlich lange auf, entwickelt aber andere Strategien, uns zumindest die Jaeger in Kampfsituationen zu zeigen. Die Kämpfe sind hübsch gefilmt. Wir erkennen die Teile der Mega-Mechs, was ein Fortschritt zu Pacific Rim oder jedem Transformers-Titel ist.

Und hier liegt die nennenswerte Qualität von Pacific Rim: Uprising, die nicht unterschätzt werden darf. Nach dem ersten Teil gab es ein Schulterzucken und keine Notwendigkeit für eine Fortsetzung. Nach jedem Transformers hoffen wir, dass es wirklich der letzte Film des Franchises gewesen ist (das jetzt leider sogar noch zwecks Cinematic Universe ausgebaut wird). Bei Pacific Rim: Uprising allerdings, können wir uns sofort mit dem Gedanken anfreunden, noch mehr in die Welt von DeKnight einzutauchen, die Charaktere weiter zu begleiten, die Jaeger besser kennenzulernen und neue Kaijus zu Gesicht zu bekommen.

Pacific Rim: Uprising ist der Mega-Mech versus Monster-Kaiju Film, den wir schon 2013 hätten bekommen sollen und der die Spaß-Qualitäten besitzt, die jeder Transformers-Film hätte abliefern müssen, bisher aber nie getan hat. Deshalb ist Uprising das bisher beste Erzeugnis dieser Art.

die neuesten beiträge