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“Non-Stop” von Jaume Collet-Serra

Liam Neeson muss an Bord eines Flugzeugs eine Mordserie und Bombendrohung aufklären
Liam Neeson muss an Bord eines Flugzeugs eine Mordserie und Bombendrohung aufklären

Sich den eigenen Vater oder Opa im Alter von sechzig Jahren in Actionfilmen wie Taken oder Unknown Identity vorzustellen, scheint schier unvorstellbar. Außer man besitzt dieses familiäre Sportler-Gen, bei dem selbst die alte Garde noch in sportlicher Fitness ihren Lebensabend verbringt. Eben hier genießt nämlich auch Liam Neeson, einstiger Charakterdarsteller mit Oscar-Ambitionen (Schindlers Liste), seine glaubwürdig inszenierte und überzeugend dargestellte Rente mit Prügelgarantie.

In Non-Stop bekommen wir die ständige Angst vor einem terroristischen Übergriff zu spüren, die nicht nur in den USA, sondern weltweit seit 9/11 herrscht. In dem Film von Regisseur Jaume Collet-Serra (House of Wax, Orphan – Das Waisenkind, Unknown Identity) treffen mangelnde Sicherheitsvorkehrungen auf facettenreiche Figurenzeichnungen und dem selbsternannten rechtschaffenen Amerikaner, der kein Vertrauen mehr in die Justiz seines Landes hat, sondern selbst zum Richter und Vollstrecker werden möchte – so nun dieser Angst vor einem weiteren 9/11 oder dem allgemeinen Terrorismus entgegen tritt.

Liam Neeson mit Julianne Moore in "Non-Stop"
Liam Neeson mit Julianne Moore in “Non-Stop”

Und mehr darf eigentlich nicht verraten werden. Neeson bewegt sich hier mit der Unterstützung von Julianne Moore und einer gut gewählten Besetzungsliste von größtenteils unbekannten Gesichtern (notwendig!) durch ein wahres „Wer steckt dahinter?“-Ratespiel. Schon lange wurde man von einem Film nicht mehr durch zahlreich gestreute Indizien so sehr in die Irre geführt wie in Non-Stop. Jede neue Erkenntnis führt in eine neue Richtung, zeigt dort eine Sackgasse auf, lenkt die Aufmerksamkeit wieder in ganz neue Gefilde oder brennt sich gar als letzte Schlussfolgerung ein. Neeson spielt den Air-Marshall Bill Marks, der Kurznachrichten erhält, die auf einen terroristischen Akt hinweisen und deren Ursprung irgendwo an Bord der Maschine ist. Es geschieht ein Mord nach dem Anderen und wie in einem Mitrate-Krimi versuchen wir herauszufinden, wem wir vertrauen können und wem nicht, wer die Boeing 747 von New York nach London mit einer Mordserie mitsamt Bombendrohung in Unruhe versetzt.

Mal erscheint hierbei Liam Neesons alkoholsüchtiger und dadurch bei seinen Kollegen in Ungnade gefallener Air-Marshall selbst wie das schwarze Schaf, bei dem man sich fragen muss ob der äußerst labile Mann in einem Anfall von Schizophrenie nicht selbst hinter den Taten stecken könnte. Ein anderes Mal fällt dann der Verdacht auf Julianne Moores Jen Summers, die aufgrund eines Herzfehlers ohnehin nicht mehr allzu viel zu verlieren hat, dem Tod immerzu ins Gesicht blickt. Aber dies sollen nicht die einzigen beiden Personen bleiben, die unter Verdacht geraten. In Non-Stop entfaltet sich das Netz des Verdachts über fast alle Passagiere: ein aufbrausender New Yorker Polizeiofficer (Jason Butler Harner), ein Lehrer (Scoot McNairy) oder ein Arzt (Omar Metwally), der ganz stereotyp nach der klassisch weltlichen Vorstellung eines Terroristen modelliert wurde. Der Film widmet sich diesen Figuren gerade genug und niemals zu viel, um sie allesamt immer als fragwürdig im Blick zu behalten.

An Bord der Maschine bricht Panik aus und man verschwört sich gar gegen den Air-Marshall
An Bord der Maschine bricht Panik aus und man verschwört sich gar gegen den Air-Marshall

Dazu trägt vor allem die Kamera von Flavio Martínez Labiano bei, die gegen den Zuschauer arbeitet und die Passagiere immer genau dann ins Visier nimmt, wenn sie die turbulenten Ereignisse im Flugzeug gerade selbst misstrauisch begutachten und hierdurch natürlich umso auffälliger Blicke umher schweifen lassen. Oder aber man folgt wiederum den durchdringenden Augen von Neesons Air-Marshall, immer dann wenn er die Beobachterposition einnimmt um den Täter heraus zu filtern. Durch diese Blick-Identifikation werden wir geradezu dazu gezwungen, denjenigen zu beschuldigen, den auch Liam Neeson ins Visier genommen hat.

Somit spielt Non-Stop natürlich bewusst mit falschen Fährten, versteckt in diesen jedoch auch die richtige Spur, die ganz klassisch am Ende zum Vorschein gebracht wird. Die Enthüllung hält dann in etwa den Minimalismus eines Superman-Films bereit, bei dem Clark Kent schlicht seine Brille von der Nase nehmen muss, um nicht mehr erkannt zu werden. Die Stärke des Films liegt ganz deutlich in dem unterhaltsamen Ratespiel, nicht aber in der letztendlichen Enthüllung und Erklärung der Situation.

Non-Stop wird aber zu Recht mit dem Stil Hitchcocks verglichen. Allerdings hätte der Altmeister des Suspense vermutlich viel unaufgeregter erzählt, als dass sich Liam Neeson bei ihm als so großartiger obwohl gealterter Actionheld hätte etablieren können.

Non-Stop
106 Minuten, freigegeben ab 12 Jahren, Heimmedienstart: 24. Juli 2014
im Netz: Offizielle Homepage zum Film
alle Bilder © STUDIOCANAL

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