KÖNIGIN DER WÜSTE ist ein Drama/Biopic über die Forscherin, die Entdeckerin, die Autorin, Spionin und so vieles mehr, Gertrude Bell, gespielt von Nicole Kidman unter der Regie von Werner Herzog. Der Film ist dessen erste Spielfilm-Regiearbeit seit seinem 2009er EIN FÜRSORGLICHER SOHN.

In KÖNIGIN DER WÜSTE wird die Geschichte von Gertrude Bell von ihren frühen 20er Jahren bis zu ihrem Tod erzählt. Vor allem möchte der Film von der Zeit nach dem ersten Weltkrieg erzählen und wie Bell sich unter Beduinen mischt um den nahen Osten gehörig aufzumischen.

Leider ist der Film nicht so abenteuerlich, wie er eigentlich sein müsste. Dafür drängen sich Bells Romanzen viel zu sehr in den Vordergrund. Deswegen sehen wir leider nur kaum eine Nicole Kidman als Real-Gertrude Bell, die starke Abenteurerin und Frau mit modernen Ansichten. Stattdessen bekommen wir Nicole Kidman als eine Version Gertrude Bells, die sich mehr als Frau zeigt, die getrieben von Liebesgefühlen ist, diesen nachhängt und Halt in ihren Romanzen sucht.

Königin der Wüste

Überhaupt scheint Nicole Kidman aber nicht ganz verstanden zu haben, um was es bei der Darstellung Gertrude Bells geht – oder Regisseur Werner Herzog wollte es sie nicht spielen lassen. Denn alle Modernität verschwindet aus dieser Frau, wenn Kidman sie eher hochnäsig spielt. Diese Frau, die wir hier erleben, wirkt nicht modern, sondern als würde sie sich für etwas besseres als den Rest der Menschheit halten.

Das wirkt zum Glück nicht gänzlich unsympathisch, niemals aber liebenswert. Es ist eine merkwürdige Darstellung irgendwo dazwischen, mit der wir dennoch nicht warm werden können.

Die Regie von Werner Herzog wirkt derweil ebenso wenig liebenswert. Er erzählt in zusammenhanglosen Fetzen, gibt seinem Film ein episodenhaftes Feeling, als seien es herausgerissene Seiten aus Bells Tagebuch, die punktuell ihr Leben wiedergeben sollen.

Die erste dieser Episoden, die wir zu sehen bekommen, ist derweil gänzlich unnötig. Es geht um ihre Romanze mit Lover Nummer 1, gespielt von James Franco, der sich sichtlich Fehl am Platz fühlt, hölzern wirkt. Diese viel zu lang geratene Intro trägt nichts weiter zu KÖNIGIN DER WÜSTE bei, hat keinen Einfluss auf das spätere Geschehen und wirkt wie eine Verlängerung des Films, deren Wegfallen kaum bemerkt werden würde.

Königin der Wüste

Ein kleiner Lichtblick des Films ist Robert Pattinson in der Rolle des T. E. Lawrence, dessen Leben wir bereits wunderschön in dem Filmklassiker LAWRENCE VON ARABIEN verfilmt gesehen haben. Während KÖNIGIN DER WÜSTE nun dieses belanglose Überlänge-Biopic ist, sollte man LAWRENCE VON ARABIEN durchaus mal gesehen haben.

Dementsprechend kann man sich die über zwei Stunden von Werner Herzogs neuesten Film durchaus sparen und lieber (noch einmal) die DVD oder Blu-ray zu dem 1962er Klassiker mit Peter O’Toole, Alec Guinness und Anthony Quinn einlegen, wenn man in die Welt des nahen Ostens mit all den im Sand umher wandernden Beduinen eintauchen möchte.

Und derweil hoffen wir einfach, dass Werner Herzogs nächster Film nicht wieder sechs Jahre auf sich warten lässt und vielleicht qualitativ etwas gegenüber KÖNIGIN DER WÜSTE zulegt.

Königin der WüsteKÖNIGIN DER WÜSTE

OT: Queen of the Desert
Darsteller: Nicole Kidman, Damian Lewis, James Franco, Robert Pattinson
Regie: Werner Herzog
Länge: 128 Min
Kinostart: 3. September 2015
Bilder © ProKino