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Netflix Original | MUTE von Duncan Jones mit Alexander Skarsgård

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In 2009 hat David Bowies Sohn Duncan Jones mit seinem Moon ein hervorragendes Regiedebüt hingelegt. In dem Sci-Fi Film spielt Sam Rockwell einen einsamen Astronauten im All, der herausfindet, dass er gegen seinen Willen geklont worden ist um so eine Raumstation günstig am Laufen halten zu können. Am Ende fliegt einer der Klone zurück zur Erde um dort seinen korrupten Arbeitgeber, die Lunar Industries, zu konfrontieren. Fast zehn Jahre später holt uns Duncan Jones nun mit seinem Netflix Original Mute in eben dieses Universum zurück.

Auch wenn es in Mute nicht um Sam Rockwell geht, erfahren wir das Klon #156 sich gerade inmitten eines Rechtsstreits befindet, wenn wir in einem futuristischen Berlin eine Ausgabe von Spiegel TV sehen können, in der Sam Rockwell seinen kurzen Gastauftritt absolviert – sein Gesicht ist auch auf einem Poster in einer spärlich beleuchteten Straße zu finden.

So verknüpft Jones nun also seinen besten Sci-Fi mit einem Film, der in keinem Moment an sein Debüt heranreichen kann. Mute klaut bei Genre-Klassikern wie Blade Runner, schafft es aber nicht die Imagination hinein zu legen, die einst Ridley Scott unter Beweis gestellt hat.

Wenn in dem 1982er Film visionäre Techniken präsentiert wurden, die heute schon Realität sind, ruht sich Duncan Jones’ Film darauf aus, einfach dieselben Bilder zu reproduzieren, statt sich selbst in eine mögliche Zukunft zu denken. So sollen wir uns nun vermutlich wundern, wenn stimmgesteuerte Dienste Handlungen verrichten, als hätten wir noch nie etwas von Siri oder Alexa gehört.

Mute

Alexander Skarsgård mit Seyneb Saleh in MUTE.

Mute beginnt mit einem kleinen Amisch-Jungen, dessen Eltern ihm eine Operation verwehren, die nach einem schrecklichen Unfall seine Stimme wieder herstellen könnte. Fast Forward in die Zukunft, wo aus dem kleinen Leo Beiler (Alexander Skarsgård) ein Barkeeper in einem Nachtclub geworden ist. Er dated Naadirah (Seyneb Saleh), die als Kellnerin in demselben Club tätig ist.

Das amerikanisches Chirurgen-Duo Bill (Paul Rudd) und Duck (Justin Theroux) führen derweil eine ganze Reihe von illegalen Operationen für kriminelle Organisationen durch. Als Leos Freundin spurlos verschwindet, scheinen sich die Wege des stummen Amisch und der kriminellen Chirurgen immer mehr aufeinander zu zu bewegen.

Dabei streifen wir immer wieder in zwei getrennt voneinander erzählten Geschichten mit entweder Leo oder hauptsächlich Bill durch die bunte Neonwelt von Mute, mit all seinen fliegenden Autos, Leuchtreklamen und Menschen in freizügig-bunten Leder-Sex-Outfits, die sich als normale Straßenkleidung durchgesetzt zu haben scheinen.

Mute braucht bei allem unfassbar lange um uns irgendwohin zu führen. Bis sich Leo und die Chirurgen tatsächlich über den Weg laufen werden, vergeht fast der gesamte Film. In der ersten Stunde mag man sich noch auf die Welt einlassen, wundert sich wie nahe der Blade Runner tatsächlich liegt, ob Harrison Ford gleich um die Ecke kommt und im Bild erscheint, dann aber wirkt es doch viel mehr wie die Restetruhe von Altered Carbon, als habe man Duncan Jones erlaubt, seinen Film noch schnell in den benutzen Sets der Netflix-Serie abzudrehen.

Irgendwann kümmert man sich dann wieder um die Figuren und bemerkt, wie egal sie einem doch erscheinen, weil es ebenso egal ist, was gerade vor sich geht. Paul Rudd und Justin Theroux finden sich gar in einem ganz anderen Film wieder. Der stumm spielende Skarsgård übernimmt das Sci-Fi Film Noir Drama, während Rudd und Theroux sich im Sci-Fi Unterhaltungsfilm mit amüsanten One Linern zeigen und damit Mute an sich reissen.

Mute

Paul Rudd in MUTE.

Man merkt geradezu, wie Duncan Jones sich mit der Figur des Leo übernommen hat und pures Desinteresse daran zeigt, dessen Stummheit innovativ in das Sci-Fi Setting seines Films einzubauen. Stattdessen verbringt der Regisseur viel lieber Zeit mit seinem Chirurgen-Duo, was wiederum die Hauptstory unkomfortabel in den Hintergrund drängt.

Man hatte die Hoffnung, dass Jones nach seinem Fantasyfilm Ausrutscher Warcraft durch das Sci-Fi Genre wieder an Stärke gewinnt, aber die furchtbaren Dialoge, cheesy Stereotype und die Überheblichkeit, mit der der Film auf uns hinab blickt und jedes Detail glaubt erklären zu müssen, zeigen vielmehr, dass Moon ein Glückstreffer und Mute die unterdurchschnittliche Normalität in der Filmografie des Regisseurs darstellt, der viele Ideen zu haben scheint, aber kein Konzept findet, diese in einer stimmigen Handlung unterzubringen.

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