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Mit LITTLE EVIL gelingt eine leichte Horrorkomödie mit 80er Charme

Mit Little Evil ist es Regisseur Eli Craig (Tucker & Dale vs. Evil) gelungen, ein wenig die Atmosphäre vergangener 80er und 90er Jahre Horrorkomödien wieder einzufangen. Der Netflix Original Movie erinnert ein wenig an Meine teuflischen Nachbarn mit Tom Hanks, an Michael Keaton in Beetlejuice oder Jessica Alba in Die Killerhand. Auch wenn Little Evil nie den Horror oder den Humor dieser Filme erreicht, ist es eine angenehme Abwechslung zu den bisher eher schwachen Komödien auf dem Streaming Dienst.

Vielleicht weil dieses Mal ausnahmsweise kein Adam Sandler seine Finger im Spiel hat. Vielmehr bekommen wir den stets unterschätzten Adam Scott (Parks & Recreation, Wet Hot American Summer) als Gary zu sehen, der frisch mit Samantha (Evangeline Lilly aus Lost oder Ant-Man) verheiratet ist.

Zu der Ehefrau hat Gary auch einen Stiefsohn bekommen: den fünf Jahre jungen Lucas (Owen Atlas), der am 6. 6. sechs Jahre alt wird. Lucas hat ein Faible dafür durch seine Ziegen-Sockenhandpuppe in finsterer Stimme zu sprechen oder im dunkeln zu sitzen und Gary gruselig anzustarren, während er kein Wort mit dem Stiefvater spricht. Schon bald wird Gary klar, dass er es vermutlich mit dem Antichrist höchstpersönlich zu tun hat.

Little Evil
Adam Scott als Gary in LITTLE EVIL.

Wenn Little Evil etwas sehr richtig macht, dann dass er – ähnlich wie Scream – als Persiflage auf die wirklichen Horror-Klassiker angelegt ist, zugleich aber keine belanglose Komödie darstellt, sondern sich selbst ernst genug nimmt, um unterhaltsam in Erinnerung zu bleiben und keinen – anders gruselig – Scary Movie-Verschnitt darstellt.

Im Film gibt es zahlreiche Bilder und Motive, die uns immer wieder im Horror-Genre begegnen. Natürlich ist da die gruselig quietschende Schaukel, lange unheimliche Flure wie direkt aus Kubricks Shining oder Lucas, der vor einem Schneebild-Fernseher sitzt, geradewegs aus Poltergeist entsprungen. Nicht zu vergessen Garys kleines Abenteuer in einem Kornfeld. “Ist jemals etwas Gutes in einem Kornfeld passiert” fragt er seine Begleitung. Und schon denken wir an Shyamalans Signs und Die Kinder des Zorns nach Stephen King und können seine Frage klar mit einem Nein beantworten.

Adam Scott gibt darüber hinaus ein gutes Doppel mit Evangeline Lilly ab, die sich als Mutter des Antichrists gibt, die entweder alle Anzeichen ignoriert oder sie allzu naiv übergeht. Auch wenn der Film mit einem Lebendig-Begraben-Moment ihres Neu-Ehemanns durch den Sohn beginnt, scheint sie an das Gute in ihrem kleinen Bengel zu glauben.

Derweil findet sich Gary in der Rolle des Stiefvaters wieder, der zwar verkrampft-verzweifelt versucht, die Liebe seines neuen Stiefsohnes zu gewinnen, es aber eben mit einem buchstäblichen Teufel zu tun hat. Die Message wird hier sehr deutlich: Ein Stiefvater zu sein ist die Hölle und der leibliche Vater eines Kindes ist geradezu der Teufel, wenn man die Liebe des Neu-Sohnes gewinnen will.

Little Evil
Stiefvater Gary (Adam Scott) mit seinem kleinen LITTLE EVIL Lucas (Owen Atlas).

Der Horror kommt durch Lucas selbst, ein wunderbarer Jung-Darsteller, der seinen kleinen Teufel mit fiesen Blicken spielt. Für einen Großteil des Films bleibt er stumm, steht einfach nur in der Tür, schaukelt oder sitzt auf dem Küchentisch – da darf Papa gerne mal eine Gänsehaut bekommen.

Als Vorbild scheint sich Eli Craig derweil Edgar Wright genommen zu haben. Denn immer wieder verfällt er in die schnell aneinander gereihten Detailaufnahmen, die Wright auch in seiner Cornetto-Trilogie oder Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt immer wieder eingesetzt hat. Es ist schon arg auffällig, dass sich dieses Stilmittel recht hoch frequentiert auch in Little Evil wiederfinden lässt.

Zum Ende hin mag der Film seinen Biss und schwarzen Humor ein wenig verlieren, aber darüber kann man hinwegsehen, wenn man den durchaus amüsanten Beginn und das Mittelstück von Little Evil betrachtet.

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