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Netflix Original | GAME OVER, MAN ist ein „Stirb Langsam“ Spoof-Versuch

Netflix wird als große Chance für Filmemacher gesehen, ihre von den großen Studios wenig beachteten Werke an ein Publikum zu bringen, dass einen für eher unzugänglich oder nicht kinotauglich betrachten Film gänzlich verschmähen würden als auf großer Leinwand oder im DVD-Regal danach Ausschau zu halten. Netflix ist aber leider auch eine Chance für Darsteller, sich in Rollen auszuprobieren, die nicht für sie geschaffen wurden. Oder wer denkt bei Die wahren Memoiren eines internationalen Killers mit Kevin James sofort an einen Actionhelden? Von Adam Sandlers Versuch in The Do-Over darf man gar nicht erst sprechen. Und nun scheitert auch die Workaholics-Clique um Adam DeVine, Blake Anderson und Anders Holm mit ihrem Game Over, Man.

Die drei Herren sind Putzkräfte in einem noblen Hotel, in dessen Obergeschoss eine Party des unfassbar reichen und bekannten Popstars Bey Awadi (Utkarsh Ambudkar) stattfindet. Dann taucht eine stark bewaffnete Gruppe von Killern (angeführt von Neal McDonough und Rhona Mitra) auf der Party auf und nimmt die Gäste als Geiseln, bis sie von Awadi viele viele Millionen Dollar auf ihr Bankkonto überwiesen bekommen. Derweil hat die Putzkolonne einen Plan, die Gangster zu stoppen und die Geiseln zu retten.

Game Over, Man
Adam DeVine, Blake Anderson und Anders Holm sind die GAME OVER, MAN-Putzkolonne.

Für einen solchen Versuch eine Komödie zu inszenieren, hätte man sich gewünscht, dass das Tempo des Films etwas höher geschraubt worden wäre. Stattdessen verliert sich Regisseur Kyle Newacheck in dem unsinnigen Geplänkel seiner drei Hauptdarsteller und vergisst darüber immer wieder, dass er eigentlich eine Geschichte erzählen sollte.

So leben DeVine, Anderson und Holm ihren Manchild-Humor aus, wenn sie sich als drei Loser geben, die Spaß mit einem Kondom haben können, dass sie in einem zu säubernen Hotelzimmer finden. Wir können uns leibhaftig vorstellen, wie diese ausgewachsenen Männer in wildes Gekicher verfallen, wenn sie nur die Worte “Penis” oder “Titten” zu hören bekommen würden.

Hier fragt man sich immer wieder, weshalb solche Rated R-Comedies mit einem Humor ausgestattet werden, der wiederum nur vor der Pubertät funktionieren sollte, also dann, wenn man diese Filme eigentlich gar nicht sehen darf – natürlich gibt es immer einen Weg, aber der Markt für illegal schauende Minderjährige kann nicht von vornherein als Zielgruppe angesehen werden, oder etwa doch?

Während der Humor also auf vorpubertären Blödsinn basiert und dabei auch noch jedes mal gründlich die Pointen verpasst, gesellen sich noch strapazierend-alberne Gewaltmomente hinzu, als wollten die Filmemacher das Rating des Films erzwingen und hätten hierfür alle viertel Stunde auf die Uhr geschaut und willkürlich eine blutige Szene in Game Over, Man eingebaut. Das wirkt hier gänzlich deplatziert und kalkuliert, ist weder witzig noch effektiv.

Game Over, Man
Neal McDonough (mitte), Rhona Mitra (links) und Sam Richardson (rechts) als das böse Killer-Trio in GAME OVER, MAN.

An manchen Stellen kommt so etwas wie ein Stirb Langsam-Spoof Movie hervor, was der Film leider nie gänzlich auszuleben versteht, da er sich in anderen Momenten auf einmal viel zu ernst nimmt. Und wenn Neal McDonough als harter Killer auf einmal versuchen soll, witzig zu sein, dann zeigt sich wie wenig diese beiden Töne zusammen passen.

Adam DeVine hat schon in seinen Auftritten in Pitch Perfect oder Mike and Dave Need Wedding Dates gezeigt, dass er nicht mehr ist als eine äußerst üble Kopie eines Jim Carreys zu dessen besten Zeiten. Während Carrey über Charisma verfügt(e), reduziert sich DeVine auf das alberne Grimassen schneiden.

Game Over, Man ist niemals lustig, bietet zahlreiche Stellen voller Homophobie und hat einen Filmemacher und Darsteller, die scheinbar ohne kontrollierende Studio-Aufsicht und mit freier Hand durch Netflix machen durften, was sie wollten – und das ist purer, nicht-sehenswerter Blödsinn.

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