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Netflix Original | AUSLÖSCHUNG von Alex Garland mit Natalie Portman

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In 1990 hat Alex Garland einen immensen Impact mit seinem Roman “The Beach” hingelegt. So sehr, dass Regisseur Danny Boyle aufmerksam wurde und den Stoff mit Leonardo DiCaprio verfilmte. Für Garland folgten Arbeiten als Drehbuchautor für Filme wie 28 Days Later (Danny Boyle hat ihn quasi in die Filmwelt hinüber geholt), Sunshine, Alles, was wir geben mussten sowie Dredd. Dann kam sein Regiedebüt Ex Machina und Alex Garlands Name wurde auf einmal mit bester Science Fiction in Verbindung gebracht. Jetzt folgt der Netflix Original Sci-Fi Horrorfilm Auslöschung, ein Aufeinandertreffen von Jurassic Park und Alien mit weitaus weniger Mainstream-Ambitionen.

Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Jeff VanderMeer erzählt Auslöschung von Natalie Portmans Biologin und Ex-Soldatin Lena, die ihrem Ehemann (Oscar Isaac) nachtrauert, der sich auf einer verdeckten Mission befunden hat, nun aber als tot gilt. Dann steht er auf einmal wieder vor ihr, aber Lena merkt sofort, dass etwas nicht stimmt.

Schnell findet sie sich in einer Forschungseinrichtung wieder, die nahe einer Regenbogen-artigen Barriere liegt, die “The Shimmer” genannt wird, wie sie von Dr. Ventress (Jennifer Jason Leigh) erfährt. Offenbar wird dieses Phänomen bereits seit drei Jahren untersucht. Noch nie ist jemand von diesem Ort zurückgekehrt, bis ihr Ehemann wieder aufgetaucht ist. Man geht davon aus, dass irgendetwas hinter “The Shimmer” die Menschen tötet oder dass die Menschen dort durchdrehen und sich gegenseitig töten.

Auslöschung

Das Team von Wissenschaftlerinnen ist kurz davor, “The Shimmer” zu betreten.

Lena, Dr. Ventress und drei weitere Wissenschaftlerinnen – Anya (Gina Rodriguez), Josie (Tessa Thompson) und Cass (Tuva Novotny) betreten dennoch “The Shimmer” um herauszufinden, was sich wirklich hinter der Regenbogen-Wand abspielt.

Alles in Auslöschung ist schlicht wunderschön gefilmt. Dafür dürfen wir uns bei Rob Hardy bedanken, der als Kameramann schon für Ex Machina mit Alex Garland zusammengearbeitet hat. Wenn wir noch nicht wirklich in der Story sind, filmt er Natalie Portman bereits in ihrem verlassenen Haus, lässt seine Kamera über sonnengeflutete Wiesen streifen, bevor sie die Einsamkeit im Inneren zeigt und durch die leeren Räume streift, untermalt mit der melancholischen Musik von Ben Salisbury und Geoff Barrow.

Dann aber finden wir uns bald schon vor “The Shimmer” wieder. Die Gruppe von Frauen stellt einen ersten Versuch dar, kein männliches Militär hinter die Regenbogen-Wand zu schicken. Alex Garland geht es aber nicht darum, starke Frauen zu zeigen – obwohl er das tut – er konzentriert sich in seinem Film auf eine geschlechtslose Darstellung von kriegerischen Soldaten gegen den Forscherdrang der Wissenschaft. Hier betreten also keine Frauen das unbekannte Terrain, sondern Wissenschaftlerinnen, was mit wunderbarer Belanglosigkeit als Normalität dargestellt wird und eines der wenigen Dinge ist, was der Film nicht diskutieren möchte, sondern es schlicht zeigt.

Wir bekommen in jüngster Zeit eine ganze Reihe von Science Fiction Filmen geliefert. Nicht nur groß angelegte Blockbuster wie Blade Runner 2049, sondern auch recht viele Versuche seitens des Streaming Services Netflix, in diesem Genre Fuß zu fassen: Mute und das Cloverfield Paradox haben da weniger gute Arbeit geleistet, vielleicht kann man allenfalls den letztjährigen The Discovery als sehenswerte Idee im Genrekino ansehen.

Auslöschung macht als Sci-Fi Film etwas, dass all die anderen genannten Einträge nicht getan haben. Der Film fordert uns heraus. Seine Thematiken finden sich eher nahe bei einem Andrei Tarkowski als bei Ridley Scott, mehr bei einem Stanley Kubrick als bei anderen Filmemachern der Moderne.

Alex Garland, sowohl mit Ex Machina als auch mit Auslöschung, verunsichert uns und greift unsere emotionale Bindung zur Welt an. Das ist unfassbar schwer zu greifen. Vielleicht hat Paramount gerade deswegen auf seinen Film geschaut und wusste nichts damit anzufangen, hat ihn nur spärlich beworben und schlussendlich an Netflix abgegeben, die den internationalen Markt bedienen sollen.

Hier wird Auslöschung zu einem Sci-Fi Geheimtipp, ein Juwel das es zu sehen gilt, wenn man Genre-Liebhaber und Film-Enthusiast ist. Denn Auslöschung ist sicherlich kein “Hirn aus, Popcorn rein”-Film. Hier erhebt sich die Natur, während die menschliche Psyche abhanden kommt und gegenseitiges Misstrauen auf gleicher Ebene mit der Abhängigkeit voneinander vorgeführt wird. Das inszeniert Garland spannend, innovativ und stellenweise – das Finale! – recht abgedreht.

Auslöschung

Natalie Portman spielt eine Biologin in Alex Garlands AUSLÖSCHUNG.

Manchmal mag uns der Film etwas zu sehr herausfordern. Wenn wir Flashbacks innerhalb von Flashbacks erleben. Diese sind zwar kurz gehalten, wie kleine Blitzlichter um uns lediglich eine Ahnung von dem zu geben, was mit einer Figur vor sich geht oder uns in eine bestimmte Stimmung zu versetzen, aber manches Mal haben wir es dann doch etwas schwer, dem Ganzen noch zu folgen.

Völlig bewusst soll an dieser Stelle verschwiegen werden, was sich alles hinter der Regenbogen-Wand verbirgt und abspielt. Aber hier beginnt der eigentliche Film bis hin zu einem Finale, das uns mit atonalen Tönen beschallt, allein mit dem Sound Design orientierungslos und verstört zurücklässt.

Alex Garland hat uns mit Auslöschung einen Science Fiction Film gegeben, der nur schwer zu diskutieren ist. Unterschiedliche Menschen werden unterschiedliche Dinge in den Film interpretieren. Natur, Religion, Wissenschaft, Psychologie oder etwas Übernatürliches – alles findet seinen Platz und macht den Film zu einem Werk, dass mit all seinen möglichen Bedeutungen dazu anregen kann, immer und immer wieder – und immer anders – darüber zu diskutieren.

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