Filmkritik

“Muppets Most Wanted” von James Bobin

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Die Muppets unter der Leitung von Kermit dem Frosch planen eine große  Welttournee

Die Muppets unter der Leitung von Kermit dem Frosch planen eine große Welttournee

Niemand kennt ihre Gesichter, niemand kennt ihre Namen und doch wurden sie mehr oder weniger 2012 gemeinschaftlich mit einem Stern auf dem Hollywood Walk of Fame geehrt: Steve Whitmire, Eric Jacobson, Dave Goelz, Bill Barretta, David Rudman, Matt Vogel, Peter Linz und Louise Gold. Als seien sie maskierte Superhelden, deren wahre Gesichter jedem verborgen bleiben, verpassen sie der Welt durch ihre Alter-Egos eine gesunde Dosis anarchisches Chaos. Auch in Interviews treten sie nur in ihren Rollen auf, weshalb man wohl auch immer wieder das Gefühl bekommt, dass Kermit der Frosch, Miss Piggy, Fozzy Bär, Gonzo und der Rest der Muppets irgendwie ein Stück realer sind als alle anderen Kinderfiguren. Da ist so eine Aura von Persönlichkeit, die wohl auch zahlreiche Hollywood-Größen aus Fleisch und Blut immer wieder dazu antreibt, an der Seite dieser Muppets aufzutreten. So auch in James Bobins Muppets Most Wanted, dem Nachfolger zu dem 2011er Kinoneustart mit Jason Segel und Amy Adams, die nun Platz machen, damit Ricky Gervais, Tina Fey und Ty Burrell ein wenig Zeit mit den geliebten Figuren verbringen können.

Muppets Most Wanted beginnt genau dort, wo wir die Muppets zuletzt gesehen haben. Sie stehen auf dem Broadway, haben soeben ihr großes Finale gesungen, die tausend Statisten räumen die zuvor gut gefüllte Straße vor dem Theater, in dem die große Zusammenkunft gefeiert wurde. Man wundert sich, weshalb die Kamera noch läuft, bevor klar wird, dass der erste Teil offenbar ein finanzieller Erfolg gewesen sein muss und man sich somit bereits inmitten der Fortsetzung befindet. Und dann der erste Song: „We’re doin’ a Sequel“ oder „Wir machen weiter“ mit der Bekenntnis, dass doch jeder wissen würde, dass eine Fortsetzung niemals so gut sei wie das Original. Hier aber der Einwand und die stets präsente Selbstreflexion der Muppets: Dr. Bunsenbrenner bringt an, dass es ja eigentlich keine herkömmliche Weiterführung wäre, sondern bereits der achte Film in einer langen Reihe von Muppet-Kinoauftritten. Dementsprechend könnte man die Regel jetzt auch einfach mal ausser Kraft setzen. Aber wie seine stets fehlschlagenden Experimente ist auch diese Theorie zum scheitern verurteilt. Muppets Most Wanted ist kein schlechter Film, aber er ist sicher nicht besser als sein Vorgänger.

Kermit mit Tina Fey (als Aufseherin Nadya) im sibirischen Gulag

Kermit mit Tina Fey (als Aufseherin Nadya) im sibirischen Gulag

Es wird erneut die anarchische Komik der Muppets zelebriert, sogar in die Handlung eingebettet, wenn derjenige – nämlich Kermit – verschwindet, der normalerweise für Ordnung in der chaotischen Truppe sorgt. Aber zumindest was die liebreizend-naiv-fröhliche Freundschaftsgeschichte des ersten Teils angeht, steht Muppets Most Wanted hinten an. Zu wenig wird klar, um wen oder was es hier eigentlich genau gehen soll. Keiner der Realdarsteller schafft es sich als so relevant zu verkaufen, wie Jason Segel im ersten Teil es vormachte, sich kurzzeitig gar selbst zum Muppet umfunktionieren ließ. Diese Liebe scheint ein wenig verloren gegangen zu sein. Zu ernst und hartnäckig versucht man den richtigen Ton zu finden, um Segels Abstinenz zu kaschieren.

James Bobin, der erneut im Regiestuhl gesessen hat und zusätzlich noch Segel als Drehbuchautor des ersten Teils ersetzen musste, entfacht eine streckenweise viel düstere Geschichte. Im nebeligen Berlin wird Kermit von einem schattigen Wesen umschwirrt, dass sich gruselig vor ihm aufbaut und ihm einen Leberfleck verpasst und somit den Identitätswechsel vollzieht, der die Handlung in Gang bringt: aus Kermit wird Constantine, der gefährlichste Frosch der Welt, der wiederum den eigenen Schönheitsfleck mit einem Tupfer grüner Farbe überdeckt und die Rolle des Muppet Show Organisators übernimmt. Kermit landet im sibirischen Gulag, wo er es mit der strengen Wärterin Nadya (Tina Fey) zu tun bekommt, die ihn dazu verpflichtet ein Gefängnis-Musical auf die Beine zu stellen, bei dem Ray Liotta und Danny Trejo sicherlich ihre bisher amüsantesten Performances zeigen. Derweil lässt Constantine den Muppets in der Gestaltung ihrer Show freien Lauf, geht mit seinem Komplizen Dominic Bösewicht („Bösewischt, das ist Französisch“; gespielt von einem zu zahm gehaltenen Ricky Gervais) als Neu-Manager der Show auf Welttournee durch Berlin, Madrid und London, nur um den jeweiligen Theatern benachbarte Kunstmuseen auszurauben. Das ruft sowohl Interpol (Ty Burrell) als auch das CIA (Sam Adler) auf den Plan.

Das Buddy-Cop-Duo von "Muppets Most Wanted": Ty Burrell als Interpol-Agent Jean Pierre Napoleon und Sam Adler vom CIA

Das Buddy-Cop-Duo von “Muppets Most Wanted”: Ty Burrell als Interpol-Agent Jean Pierre Napoleon und Sam Adler vom CIA

Bereits Muppet-Schöpfer Jim Henson hat seine Marionetten/Puppen-Kreuzungen 1981 in eine Film Noir-Detektivgeschichte verstrickt. In Der Große Muppet Krimi halfen die Reporter Kermit, Gonzo, Fozzi und Miss Piggy bei der Auflösung eines Juwelenraubs. Hier nun verpackt man gleich mehrere Dinge in eine Geschichte, möchte leider etwas zu viel des Guten erreichen, so dass man es sich unnötig kompliziert macht. Da findet der Identitätsswitch von Kermit und Constantine statt, die Raubzüge von Dominic Bösewicht und dem Doppelgänger-Frosch, der Buddy Cop Movie mit den sich zuerst fremden CIA- und Interpol-Agenten, die sich am Ende doch ganz doll lieb haben.

War Die Muppets noch ein Rückruf der Kindheitserinnerungen an Kermit & Co., ein Wiederaufleben-lassen für eine neue Generation, so wechselt man mit Muppets Most Wanted abrupt den Ton, schickt die Muppets eher in ein Erwachsenen-Abenteuer. Mit Ausnahme von Ricky Gervais, von dem man wirklich mehr erwartet hatte, nachdem er schon mit den Moderationen diverser Emmy-Verleihungen seine skrupellose Spitzzüngigkeit demonstrierte, hier aber geradezu mit kastrierten Mundwerk agiert, bleiben die Muppets aber ihrem Humor treu, erkennen jedoch, dass Anarchie (wilde Bullen auf der Bühne, das längste Trommelsolo der Geschichte und viele dumme Ideen mehr) nicht immer der beste Weg ist. Und mit der bisher als unmöglich geltenden Muppet-Leiter beweist man Zusammenhalt, um am Ende denjenigen zu retten, der schon seit Jahrzehnten Ordnung schafft und irgendwie der beste Frosch von Welt ist.


Muppets Most Wanted_Plakat”Muppets Most Wanted„

Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung
Produktionsland, Jahr: USA, 2013
Länge: ca. 108 Minuten
Regie: James Bobin
Darsteller: Kermit der Frosch, Miss Piggy, Fozzy Bär, Gonzo der Große, Ricky Gervais, Constantine, Tina Fey, Ty Burrell, Sam Adler

Kinostart: 1. Mai 2014
Im Netz: disney.de/muppets-most-wanted

Bilder © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH 


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