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“Mud – Kein Ausweg” von Jeff Nichols

Mud_DVDPackshotMud von Jeff Nichols wird eigentlich gänzlich falsch verkauft. Vermutlich weil Matthew McConaughey in jüngster Vergangenheit ziemlich viel richtig gemacht hat. Einen Oscar als bester Hauptdarsteller für sein Portrait des AIDS-Aktivisten Ron Woodroof in Dallas Buyers Club, ein erinnerungswürdiger wie auch kurzer Auftritt als Mentor für Leonardo DiCaprios Jordan Belfort in The Wolf of Wall Street und ein äußerst starkes Miteinander mit Kumpel Woody Harrelson in der Fernsehserie True Detective. Dazu ist der Film selbst auch noch nach Mud betitelt, also nach der Figur, die McConaughey für Regisseur Jeff Nichols verkörpert. Was man dann aber eigentlich zu sehen bekommt ist eine Stand by Me Coming-of-Age Geschichte um zwei Jungs, die diesem Mud dabei helfen, seine immensen Probleme zu bewältigen. Jeder Mann muss Verantwortung übernehmen. Eine Sache, die im Film nur sehr wenige Männer wirklich schaffen. Und auch Ellis, ein vierzehn Jahre junger Bub, schlägt lieber mit der Faust zu, als ein Problem noch einmal zu überdenken. Zusammen mit seinem Freund Neckbone erkundet er ein gestrandetes Boot auf einer verlassenen Insel inmitten des Mississippi Rivers von Arkansas. Dort treffen sie auf besagten Mud, ein Obdachloser, der die Hilfe der Kinder in Anspruch nimmt, um mit seiner Ex-Freundin in der Stadt zu kommunizieren und um ihm Lebensmittel zu besorgen.

Mud könnte auch als eine abgewandelte Version des gesellschaftlichen Außenseiters Jim aus Mark Twains Huckleberry Finn-Erzählung durchgehen, zumal Regisseur Jeff Nichols hier auch seine größte Inspiration sieht. An den Mississippi River, so bringt es der Vater seinem Sohn Ellis bei, kommen nur diejenigen, die hier arbeiten oder in Ruhe gelassen werden wollen. Vermutlich deshalb ist die Ehe des Vaters zur Mutter in Gefahr. Damit muss der Junge, der so sehr an die Liebe glauben möchte, klarkommen. Diese Gegend ist ganz und gar nicht dafür geeignet, romantische Ambitionen zu hegen. Die Mutter will von hier verschwinden, der Vater ist ein waschechter Redneck, der sich nicht so schnell vertreiben lassen will. Beide lieben ihren Sohn, das bleibt eine unmissverständliche Tatsache. Nur können sie ihm nicht das Bild einer liebenden Ehe vermitteln, so sehr sie ihre Streits anfänglich auch zu vertuschen versuchen. Ellis ist selbst in ein achtzehn Jahre altes Mädchen verknallt, die sich gar auf ein Date mit ihm einlässt. Das schürt leider nur zu sehr seine Hoffnungen. Er glaubt die Liebe gefunden zu haben, die in seinem Umfeld so sehr fehlt. Doch bei der nächsten Begegnung sieht sie in ihm nur einen Vierzehnjährigen – ein Kind. Hat er zuvor einen alten Mann aus der Nachbarschaft noch als verbittert angeschrien, da dieser der Liebe keinen Glauben schenken mag, hat er sich vom Vater nur missmutig angehört, dass er der Liebe nicht trauen kann, so sehr muss er nun am eigenen Leib erfahren, dass all diese Dinge, zumindest an diesem verzweifelten Ort, offenbar wahr sind.

Und hier agiert der Film besonders stark. Er zeigt diese Coming-of-Age Geschichte nicht als Hoffnung auf ein besseres Erwachsensein, sondern konfrontiert seinen Protagonisten mit den Enttäuschungen, die im späteren Leben noch en masse auf ihn warten werden. McConaughey mag dem Film als Werbeträger beistehen, der für die nötige Aufmerksamkeit sorgt, aber es ist Tye Sheridan als Ellis, dessen Schicksal wir nachempfinden und mitfühlen können. Und genau das macht Mud dann zu einer wertvollen Geschichte.

Mudd
Regie & Drehbuch: Jeff Nichols
130 Minuten, von 2012
Bonusmaterial: Interviews, Making of, TV-Spots, Originaltrailer, Trailershow (DVD); Making of, TV-Spots, Originaltrailer, Trailershow Exklusives Bonusmaterial: B- Roll, Interviews Cast & Crew (Blu-ray)
Der Film bei Ascot Elite

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